Mindener Stichlinge ernten mit neuem Programm großen Applaus
Verjüngt, aber mit altem Biss

Minden/Lübbecke (WB). „In Ostwestfalen schlägt das Herz des Kabaretts.“ Besser könnte man es nicht formulieren als in dieser Textzeile aus dem Abschlusslied der Mindener Stichlinge. Das älteste Amateurkabarett Deutschlands feierte am Freitagabend eine glänzende Premiere.

Montag, 27.01.2020, 09:00 Uhr
Jede politische Partei bekommt bei ihnen ihr Fett weg: Bei der Premiere von „Loch an Loch und hält doch“ glänzen im Ensemble der Mindener Stichlinge auch einige neue Künstler. Hier von links Annika Hus, Martin Janke, Frank Oesterwinter, Mario Hancke. Foto: Amtage
Jede politische Partei bekommt bei ihnen ihr Fett weg: Bei der Premiere von „Loch an Loch und hält doch“ glänzen im Ensemble der Mindener Stichlinge auch einige neue Künstler. Hier von links Annika Hus, Martin Janke, Frank Oesterwinter, Mario Hancke. Foto: Amtage

„Loch an Loch und hält doch“ lautet der Titel des aktuellen gut zweistündigen Programms, das manche Löcher in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und dem Gehirn mit Biss und Witz aufgreift. Der Programmname könnte aber noch für etwas anderes stehen.

In der vergangenen Spielsaison riss besonders der gesundheitsbedingte Ausfall von Stichlings-Urgestein Frank Oesterwinter ein tiefes Loch in das Ensemble, das kurz davorstand, das Programm 2019 abzusagen. Altbewährte Stichlinge, teils gesundheitlich angeschlagen, füllten dieses und andere Löcher gekonnt auf. Und trotzdem war klar: Es muss eine Verjüngung her.

Durch Neuzugänge gestärkt

Das kann völlig schiefgehen, aber auch hervorragend gelingen, wie sich bei der Premiere am Freitagabend im Mindener Vortragssaal der Sparkasse Minden-Lübbecke zeigte. Im 54. Jahr standen die nahezu professionellen Amateurkabarettisten auf der Bühne. Gestärkt durch die Neuzugänge Claudia Brase, Mario Hancke und Martin Janke. Letzterer in einer im positiven Sinne etwas überdrehten Rolle, die beiden Anderen in der klassischen ruhigeren Manier der Stichlinge.

Ergänzt durch die erfahrenen Kabarettisten Kirsten Gerlhof, Annika Hus, den wieder genesenen Frank Oesterwinter und Gründer und Macher Birger Hausmann, der die Truppe seit mehr als fünf Jahrzehnten zusammenhält. In einer kleinen, ausschließlich Mindener Rolle Jürgen Juchtmann, und am Klavier Stephan Winkelhake, der begleitend geradezu selbst ein kabarettistisches Musikprogramm präsentiert. Jeder für sich ein glänzender Künstler, textsicher, schauspielerisch präsent, sodass auch minimale inhaltliche Schwächen in ein, zwei des 24 Stücke umfassenden Programms nicht ins Gewicht fallen.

Gottgleiche Grüne

So widmen sich die Stichlinge den Lobbyisten der Autoindustrie, die sich intensiv um die richtigen Worte von Angela Merkel (Kirsten Gerlhof in ihrer Paraderolle) bemühen. Oder den gottgleichen Grünen, die die geschrumpfte und nach Macht lechzende SPD, die mit der Holzhammermethode agierende CDU/CSU und die Schleimspuren hinter sich herziehende FDP blass aussehen lassen. Klima-Greta, der Regenwald, fehlender günstiger Wohnraum, rechtsextreme Hirnlosigkeit, Flüchtlinge, Bildung und das Thema Sport sind weitere der vielen Themen, die die Kabarettisten aufs Korn nehmen und damit Loch an Loch mit vielen tiefgreifenden und pointierten Ideen füllen.  Für diese Inhalte sorgen eigentlich alle, im Hintergrund aber stark unterstützt von Birger Hausmann, Jürgen Juchtmann und Kabarett-Altmeister Volker Aschenbruck als Texter.

Wen wundert es, dass am Ende eines solch gelungenen Abends das Publikum jubelt und minutenlangen Applaus spendet, der bereits auch immer schon zwischendurch aufbrauste. Besonders als sich ein neues politisches Liebespaar den Zuschauern präsentierte: die Grünen Annalena Baerbock und Robert Habeck, hervorragend gemimt von Kirsten Gerlhof und Birger Hausmann, eingelullt in die schwarz-rot-gold-grüne Flagge. Bravo!

Zu sehen sind die Stichlinge mit ihrem neuen Programm am Freitag, 27. März, in der Gaststätte Am Museumshof in Rahden, und vom 1. bis zum 4. April in der Sparkassen-Hauptstelle in Lübbecke.

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