Corona: erste Verdachtsfälle bei Kindern – Aufruf des Kreises
Schulen schließen vorsorglich

Lübbecke/Espelkamp (WB). Wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus kommt es jetzt auch im Kreis Minden-Lübbecke zu vorsorglichen Schulschließungen – zunächst begrenzt auf diesen Freitag und Montag und auf fünf Schulen. Das hat der Landrat am Donnerstag bekannt gegeben.

Donnerstag, 12.03.2020, 21:02 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 21:06 Uhr
Das evangelische Schulzentrum in Espelkamp (Foto), die Grundschule Gehlenbeck und zwei weitere Schulen sind vorübergehend geschlossen. Foto: Alida Budde
Das evangelische Schulzentrum in Espelkamp (Foto), die Grundschule Gehlenbeck und zwei weitere Schulen sind vorübergehend geschlossen. Foto: Alida Budde

Der Grund: In den Familien von vier neuen Corona-Erkrankten leben Schulkinder, die Symptome zeigen. Betroffen sind die Grundschule Gehlenbeck (nicht der Standort Nettelstedt), das Söderblom-Gymnasium und die Birger-Forell-Schule in Espelkamp sowie das Mindener Besselgymnasium und die Hiller Verbundschule. Um eine rasche weitere Ausbreitung der Virusinfektion zu vermeiden, ruft der Kreis zudem auf, dass sich erkrankte Teilnehmer eines Festes in Vehlage melden.

Vier neue Coronafälle

In einer eilig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstagabend erläuterten Landrat Ralf Niermann und Vertreter des Corona-Krisenstabs die Situation. Bislang hatte der Kreis zehn nachgewiesene Coronafälle gezählt: zwei Stemweder, drei Bad Oeynhausener, zwei Hiller und drei Mindener (zwei Mindener waren zunächst fälschlich Hille zugerechnet worden). Nun sind vier neue Fälle hinzugekommen: zwei Lübbecker, ein Bad Oeynhausener und ein Portaner.

Dr. Anette Partmann, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, erläuterte dass es sich bei dem Portaner um einen Reiserückkehrer aus Südtirol handele, der Bad Oeynhausener habe sich ebenfalls außerhalb des Kreises angesteckt, aber bei dem Ehepaar aus Lübbecke werde noch nach der Infektionsquelle gesucht. „Alle sind zu Hause und isoliert und allen geht es relativ gut“, sagte Partmann. Alle vier Infizierten seien sehr aktiv gewesen. „Wir ermitteln jetzt die Kontaktpersonen und entscheiden, wer in Quarantäne soll.“

Schulkinder zeigen Symptome

In den Familien der neuen Betroffenen leben insgesamt fünf Schulkinder, berichtete Partmann. „Sie haben Symptome wie Husten und Fieber, in unterschiedlicher Ausprägung“, sagte die Expertin. Und weil es sich dabei um Coronainfektionen handeln könne, seien sie getestet worden und in Quarantäne. Anfang der Woche werden die Ergebnisse erwartet. Sollte sich in einigen oder allen Fällen der Verdacht bestätigen, wird der Kreis entscheiden, welche Maßnahme sinnvoll ist, sagte Dr. Partmann. Für die beiden unterrichtsfreien Tage an den fünf Schulen stellt Gesundheitsdezernent Hans-Joerg Deichholz klar: „Das heißt nicht einfach schulfrei. Es geht darum, Kontaktketten zu unterbrechen. Die Schüler sollten also wirklich zu Hause bleiben.“

Bei der Hütten-Gaudi in Vehlage am 7. März könnten sich weitere Menschen angesteckt haben.

Bei der Hütten-Gaudi in Vehlage am 7. März könnten sich weitere Menschen angesteckt haben. Foto: Michael Nichau

Aufruf an Festbesucher

Auf der Suche nach weiteren möglichen Kontaktpersonen wendet sich der Krisenstab des Kreises jetzt auch an Gäste eines bayrischen Festes am Samstag, 7. März, in Vehlage, das „mehr als eine Person“ aus dem Kreis der vier Erkrankten besucht hat, so Deichholz. Es handelt sich dabei um die beliebte „Hütten-Gaudi“ am Gasthaus Rose. Gesucht werden Mitfeiernde, die Symptome wie Husten, Halsschmerzen und Fieber haben. Sie werden gebeten, zu Hause zu bleiben und mit ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Notdienst (Telefon 116117) Kontakt aufzunehmen. Landrat Ralf Niermann: „Dass es sich um diesen Ort handelt, ist Zufall. Das Fest hätte überall sein können.“

Niermann machte darauf aufmerksam, dass das öffentliche Leben in den nächsten Wochen, vielleicht Monaten, eingeschränkt werde. Es gehe darum, die älteren Mitmenschen zu schützen – „unsere Eltern und Großeltern“. Er rief dazu auf, Besuche in Altenheimen einzuschränken und stattdessen zu telefonieren.

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