Wie zwei Kinder mit der derzeitigen Situation umgehen – Tipps von Experten
„Alles wegen Corona“

Lübbecke (WB). Die Corona-Krise erfordert allen viel ab und ist selbst für Erwachsene oft schwierig zu greifen. Wie muss das dann erst für Kinder sein? Viola Willmann, Redakteurin der LÜBBECKER KREISZEITUNG, hat zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren und berichtet, wie sie mit ihrer Familie mit dem Thema Coronavirus umgeht.

Freitag, 17.04.2020, 11:00 Uhr
Jakob (3) und Johan (5), die Söhne der WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Viola Willmann, malen Regenbodenbilder. Versehen mit dem Text „Wir bleiben zuhause“ und „Alles wird gut“ werden sie in ein Fenster an der Haustür gehängt. Foto: Viola Willmann
Jakob (3) und Johan (5), die Söhne der WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Viola Willmann, malen Regenbodenbilder. Versehen mit dem Text „Wir bleiben zuhause“ und „Alles wird gut“ werden sie in ein Fenster an der Haustür gehängt. Foto: Viola Willmann

Aus dem Familienleben

Durch Zufall habe ich vor etlichen Wochen mit meinem fünfjährigen Sohn Johan die Kindernachrichten „Logo“ im Fernsehen geschaut. In der Sendung wurde über das Coronavirus berichtet, das bis dahin nur in der chinesischen Provinz Wuhan vorkam. Seitdem hatte mein Sohn das Stichwort „Corona“ im Kopf. Sobald im Radio darüber berichtet wurde, kam von Johan: „Mama, hör mal, die reden über Corona.“

Damals war das Virus allerdings für die Familie noch weit weg. Erst als wir Anfang März aus dem Skiurlaub kamen, nahm das Thema in Deutschland Fahrt auf. Und meine beiden Jungs bekamen das durchaus mit – der eine mehr, der andere altersbedingt etwas weniger. Johan war nach dem Urlaub genau einmal beim Schwimmkurs, bevor der abgesagt wurde, im Kindergarten waren es immerhin zwei Tage, bevor der geschlossen wurde. Johan nahm das sehr entspannt auf. „Alles wegen Corona“, lautete sein Kommentar. „Dann lern ich Schwimmen eben im Sommer.“ So einfach ist das – zumindest für einen Fünfjährigen.

Keine Angst

Ob er Angst hat? Nein! Ob er Corona blöd findet? Johan: „So halb-blöd, ich möchte Oma und Opa mal wieder sehen.“ Und warum nur so halb? „Weil wir als Familie so viel Spaß haben und so viel in den Garten gehen.“ Wir haben Landwirtschaft und einen großen Garten, es gibt also immer genug zu tun. Wie viele andere Familien beschränken wir uns derzeit auf Videoanrufe bei den Großeltern. Johan weiß warum, das haben wir ihm erzählt. „Kinder können davon eigentlich nicht sterben, aber alte Opas und Kranke schon.“ Mein Mann und ich versuchen, den Kindern die Situation offen zu erklären, ohne sie zu ängstigen.

Jakob, der Dreijährige, plappert dem Großen viel nach. So richtig verstehen kann er das mit dem Coronavirus noch nicht. Aber es beschäftigt ihn dennoch. Immer mal wieder legt er einem die Hand auf die Stirn und sagt mit einem mitleidigen Blick: „Mama, du hast Fieber.“ Hab ich nicht, aber Jakob hat scheinbar zugehört, als ich von den Symptomen des Coronavirus erzählt habe.

Worin sich beide Jungs einig sind, ist, dass sie wissen, was sie nach dem Coronavirus machen wollen. „Dann fliegen wir nach Valencia“, haben sie beschlossen. Unser Urlaubsziel aus dem Vorjahr hat es Johan und Jakob so angetan, dass sie das mit der Welt außerhalb unseres Grundstücks – die sie seit nunmehr fünf Wochen nicht gesehen haben – verbinden.

Das sagen die Experten

Die Beratungsstelle für Schul- und Familienfragen des Kreises Minden-Lübbecke gibt Ratschläge, wie Eltern mit ihren Kindern über das Coronavirus sprechen sollten. „Das neuartige Coronavirus bringt für uns alle neue Herausforderungen mit sich. Wir haben nicht die Wahl, ob wir uns diesen stellen oder nicht. Es hilft Kindern, wenn Eltern hierzu eine klare Haltung einnehmen. Wir haben alle ein „gemeinsames Problem“ und wir werden versuchen, es gemeinsam zu lösen. Unsere erste Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass nicht so viele Menschen krank werden. Besonders alte Menschen wollen wir beschützen. Dazu müssen wir auf lieb gewonnene Gewohnheiten vorübergehend verzichten. Das ist nicht schön, aber es gibt viel schlimmere Probleme.

Gerade junge Kinder suchen in den Gesichtern ihrer Eltern nach Anzeichen dafür, ob sie sich Sorgen machen müssen oder nicht. Man sollte versuchen, die eigenen Ängste nicht auf die Kinder zu übertragen und nicht vor ihnen zu besprechen. Kinder brauchen momentan das Gefühl, dass sie nicht aussichtslos ist und die Erwachsenen den Überblick behalten.

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