Sa., 23.05.2020

Wegen Corona ist der 32-jährige Lübbecker komplett daheim – Pflegekräfte gesucht Patrick will selbstständig bleiben

Patrick ist 32 Jahre alt und durch eine angeborene Gelenksteife gehandicapt. Wegen Corona ist er jetzt 24 Stunden am Tag zu Hause. Seine Familie und der Pflegedienst benötigen für eine gute Betreuung weitere Unterstützung.

Patrick ist 32 Jahre alt und durch eine angeborene Gelenksteife gehandicapt. Wegen Corona ist er jetzt 24 Stunden am Tag zu Hause. Seine Familie und der Pflegedienst benötigen für eine gute Betreuung weitere Unterstützung. Foto: privat

Von Freya Schlottmann

Lübbecke (WB). Die Corona-Krise zeigt aktuell mehr denn je, wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist. Vor allem Pflegekräfte werden gebraucht. Auch Patrick S. aus Alswede ist auf Unterstützung angewiesen. Nur mit fremder Hilfe kann er ein weitgehend selbstständiges Leben führen. Damit das auch so bleibt, sucht er derzeit dringend nach weiteren Pflegekräften.

Patrick ist 32 Jahre alt, ein junger Mensch, der mitten im Leben steht. Er geht arbeiten, ist handballbegeistert, großer Fans vom TuS N-Lübbecke und hat ein Faible für Fantasy-Romane. Dennoch sieht man auf den ersten Blick, dass ihn etwas von seinen Altersgenossen unterscheidet. Der junge Mann aus Alswede ist nur 1,25 Meter groß, wiegt keine 30 Kilogramm und sitzt im Rollstuhl.

Angeborene Gelenksteife

Der Grund dafür sei eine angeborene Gelenksteife, erklärt Patricks Mutter Ulrike S. Deshalb muss er auch rund um die Uhr von Pflegekräften unterstützt werden. Seit 2018 übernimmt das der Pflegedienst Bonitas im Mühlenkreis aus Rahden. „Unterstützend wird er außerdem maskenbeatmet“, erklären Pflegedienstleiter Norbert Maas und seine Kollegin Annika Schreiber.

Mit seinen Eltern und seiner Schwester wohnt Patrick seit drei Jahren in Lübbecke. Die Eltern haben dort ein neues Haus gebaut, in dem der 32-Jährige eine Einliegerwohnung bezogen hat. Dadurch habe er seine Privatsphäre, ein Austausch sei aber jederzeit möglich und gewünscht, sagt Ulrike S.

Werkstatt geschlossen

Normalerweise arbeitet Patrick tagsüber in einer Werkstatt der Lebenshilfe in Lübbecke. Pflegekräfte, die dem 32-Jährigen helfen, sind eigentlich von 15.30 Uhr an bis zum nächsten Morgen in zwei Schichten für ihn da. „Seit dem 20. März ist die Werkstatt allerdings geschlossen. Deshalb ist Patrick jetzt 24 Stunden am Tag zuhause. Das stellt uns vor eine große Herausforderung“, sagt Patricks Mutter.

Acht Wochen lang hat Ulrike S. im Homeoffice gearbeitet, um ihren Sohn zumindest tagsüber einige Stunden unterstützen zu können. Mittlerweile müsse aber auch sie wieder ihrem gewohnten Job nachgehen. „Das Bonitas-Team hat zwar kurzerhand einen Tagdienst organisiert, der von 8 bis 15.30 Uhr da ist“, sagt Ulrike S. Der Nachtdienst würde allerdings erst um 20 Uhr starten, so dass sie die Zwischenzeit selber überbrücken muss. Bei einem Vollzeitjob sei das eine große Herausforderung.

Pflegedienst gewechselt

„Patrick kann sich viel selber beschäftigen – er liest gerne. Das ist schon von Vorteil“, sagt sie. Dennoch sei die Tagesstruktur durch die coronabedingten Schließungen größtenteils weggefallen und für die Familie ein Problem geworden.

Wie schwierig es ist, keine geregelte Unterstützung durch einen Pflegedienst zu bekommen, weiß die Familie bereits aus Erfahrung. „Vorher haben wir fünf Jahre lang Hilfe von einem anderen Pflegedienst bekommen. Dort ist das Personal aber häufig gewechselt und die Betreuung von Patrick war am Tag nicht immer gewährleistet“, schildert Ulrike S. Umso glücklicher sei die Familie, dass sie durch Bonitas aus Rahden derzeit ein neunköpfiges Team zur Verfügung gestellt bekomme, das insgesamt drei Patienten betreut und sich mit der Pflege abwechselt. „Das sind ganz tolle und bemühte Mitarbeiter jetzt“, sagt sie.

Wegen Corona abgeschottet

Patrick habe zudem zu allen ein sehr inniges Verhältnis. „Er ist kein scheuer Mensch, das ist ein riesiger Vorteil für ihn. Der Wechsel des Pflegedienstes hat aber auch ihn viel Geduld und Einfühlungsvermögen gekostet“, berichtet Ulrike S. Besonders jetzt in Corona-Zeiten sei es außerdem wichtig, dass man sich voll und ganz auf das Pflegeteam verlassen könne. Denn schließlich gehört Patrick zur sogenannten Risikogruppe. „Wir haben unsere sozialen Kontakte komplett runtergefahren. Und am Anfang hatte ich extreme Angst, denn natürlich haben auch die Pflegekräfte ein Privatleben und könnten sich anstecken“, sagt Patricks Mutter. Aber besonders in der Pflege würden natürlich alle Hygienevorschriften eingehalten. „Die Hygienekonzepte greifen, das hat mir die Angst dann etwas genommen“, erklärt die besorgte Mutter.

Mit neun Pflegern sei das Pflegeteam um Patrick und die beiden anderen Patienten momentan jedoch noch nicht unbedingt ausreichend besetzt, sagt Ulrike S. Denn nicht alle Pfleger würden Vollzeit arbeiten und auch Urlaube und Krankheitsfälle müssten einkalkuliert werden. „Mit zwei bis drei Pflegern ist das nicht zu schaffen“, verdeutlich sie. Und Annika Schreiber von Bonitas verdeutlich: „Patricks Selbstständigkeit hängt stark von der Unterstützung ab, die er erhält. Die Versorgung kann nur gewährleistet werden, wenn wir genug Pflegekräfte haben.“

Patricks Familie sucht deshalb noch Menschen, die sich dem Pflegeteam gerne anschließen würden. Den Kontakt zu Patrick vermittelt Bonitas. Ansprechpartner ist Pflegedienstleiter Norbert Maas, Telefon 05771/9146767.

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