49-Jähriger zeigt sich vor Gericht in Minden reumütig
Kinderpornos verbreitet: keine Haftstrafe für angeklagten Lübbecker

Lübbecke/Minden (WB). Ein 49-jähriger Mann aus Lübbecke ist am Dienstag vor dem Schöffengericht in Minden wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden. Die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt.

Mittwoch, 27.05.2020, 05:00 Uhr
Pädophile nutzen das Internet beispielsweise, um Kontakte zu knüpfen oder kinderpornografisches Material anzubieten (hier der Fall „Elysium“, der 2019 verhandelt wurde). Auch ein Lübbecker hat entsprechende Bilder und Videos online verbreitet. Foto: dpa
Pädophile nutzen das Internet beispielsweise, um Kontakte zu knüpfen oder kinderpornografisches Material anzubieten (hier der Fall „Elysium“, der 2019 verhandelt wurde). Auch ein Lübbecker hat entsprechende Bilder und Videos online verbreitet. Foto: dpa

Er solle das Urteil als „letzte Chance“ betrachten, gab der Vorsitzende Richter am Amtsgericht Minden, Homeier, dem geschiedenen Familienvater mit auf den Weg. Bereits 2016 war der gebürtige Lübbecker und gelernte Tischler und Industriemeister vom Amtsgericht Rahden zu einer Haftstrafe verurteilt worden, die ebenfalls zunächst auf Bewährung ausgesetzt wurde.

In mehr als zwei dutzend Fällen Bilder und Videos besessen

Im aktuellen Strafprozess wurde dem Angeklagten vorgeworfen, im Jahr 2017 und im vergangenen Jahr in mehr als zwei dutzend Fällen Bilder und Videos mit kinderpornografischen Inhalten selbst besessen und verbreitet zu haben. Bei der Verbreitung der Dateien, die weibliche Kinder und Jugendliche zeigten, nutzte der Täter Chats im Sozialen Netzwerk WhatsApp, wo die Bilder und Videos auch sichergestellt wurden. Die Staatsanwaltschaft konnte nachweisen, dass die Dateien an verschiedene Frauen und Männer in ganz Deutschland versandt wurden. Gegen die Empfänger laufen getrennte Verfahren wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften.

Die insgesamt 19 Kinder und 28 Jugendlichen seien auf den Bildern und in den Videos „in höchstem Maße als Lustobjekte“ in verschiedenen Posen dargestellt worden, betonte die Staatsanwaltschaft. In mehr als 20 Fällen habe der Fokus auf der Darstellung von Genitalien gelegen.

Angeklagter verletzte bereits gegen Bewährungsauflagen

Bei dem Verfahren vor dem Amtsgericht Rahden war der 49-Jährige bereits zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Weil er die Bewährungsauflagen verletzte, wurde der Mann inhaftiert. Aus der Haftanstalt heraus bemühte sich der Lübbecker um einen Arbeitsplatz als Anlagenbediener in einem Unternehmen im Kreis Herford und um eine Sozialtherapie bei der Männerberatung Man-o-Mann in Bielefeld, wo er Ende des vergangenen Jahres einen Therapieplatz erhielt, wie der Bad Oeynhausener Rechtsanwalt Tobias Diedrich im Namen seines Mandanten betonte. Der Angeklagte befand sich zuletzt im offenen Strafvollzug.

Der Vater von zwei Kindern räumte vor dem Schöffengericht alle Tatvorwürfe ein. Auf die Frage von Richter Homeier, wie er seine aktuelle Situation einschätze, betonte der Angeklagte, bereits die Haft habe ihm seine ernsthaften Probleme aufgezeigt. Die Therapie bei Man-o-Mann tue ihm gut. „Da hat sich bei mir einiges getan.“ Als Grund für die wiederholten Straftaten erklärte er, er habe der Versuchung nicht widerstehen können.

Verteidiger appellierte auf eine „bewährungsfähige Strafe“

Bei der Strafbeurteilung forderte die Staatsanwaltschaft ein Strafmaß von zwei Jahren und sechs Monaten, womit eine Bewährungsstrafe nicht mehr möglich gewesen wäre. Verteidiger Diedrich appellierte auf eine „bewährungsfähige Strafe“. Sein Mandat habe die Taten vollumfänglich eingestanden und habe sich selbst um Arbeit und Therapie gekümmert, obwohl er zu dem Zeitpunkt keine Hilfestellung gehabt habe.

Das Schöffengericht folgte dem Antrag des Verteidigers und verurteilte den 49-Jährigen zu zwei Jahren Haftstrafe, die auf vier Jahre Bewährung ausgesetzt wird. Voraussetzung, dass der Mann die Haft nicht antreten müsse, seien eine einwandfreie und straffreie Führung, die Unterstützung durch einen Bewährungshelfer und die Fortsetzung der Therapie, so die Auflagen. Außerdem wurde er zu einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt, die in kleinen Raten an das Kinderhospiz Löwenherz in Syke gezahlt werden sollen.

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