Störche erstmals in allen elf Städten und Gemeinden des Kreises
Nestbau vorm Supermarkt

Lübbecke (WB). Der Weißstorch ist der Charaktervogel im Minden-Lübbecker Land. Dr. Alfons R. Bense vom Aktionskomitee „Rettet die Weißstörche“ zieht zum Pfingstwochenende eine Zwischenbilanz der laufenden Storchensaison:

Freitag, 29.05.2020, 06:00 Uhr
Auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes in Hille haben sich Störche ein Nest gebaut. Erstmals sind in allen elf Kommunen des Kreises Störche heimisch geworden. Foto: Barbara Tiedermann
Auf dem Parkplatz des Lidl-Marktes in Hille haben sich Störche ein Nest gebaut. Erstmals sind in allen elf Kommunen des Kreises Störche heimisch geworden. Foto: Barbara Tiedermann

„Seit Mitte der 1990er Jahre stiegen die Zahlen der Störche in Nordwest-Deutschland. Wohl nirgendwo war die Entwicklung so positiv wie im Kreis Minden-Lübbecke. Von hier ging die Wiederbesiedlung NRWs von den letzten drei überlebenden Paaren aus. 2019 waren es 89 Horstpaare im Kreis, mehr als 300 landesweit. Mit einer Steigerung um drei Paare setzt sich diese Entwicklung auch 2020 moderat fort. Den größten Sprung gab es 2019 mit 16 Prozent Zuwachs.

Petershagen ist die „Storchenhauptstadt“

Erwartungsgemäß entstanden neue Ansiedlungen überwiegend im Westen des Kreises, der immer noch von Jahr zu Jahr rückbesiedelt wird: Alswede, Varl und Stelle sind die neuen Stationen auf der Verbreitungskarte der Störche. In Getmold ist nach langer Pause eine zweite Nisthilfe besetzt. In Espelkamp sind es erneut acht Paare, in Stemwede sechs. Durch die Nichtbesetzung in Haldem gibt es einen leichten Rückgang. Allerdings haben zwei Störche spät und nicht mehr brütend die Nabu-Trafostation in Niedermehnen für sich entdeckt.

Petershagen mit dem offiziellen Titel „Storchenhauptstadt NRW“ führt wie im Vorjahr mit 27 besetzten Horsten die Liste an. Die langjährig besetzten Horste in Wietersheim und Ilvese (I) entfielen allerdings, doch kamen Rosenhagen (II, Seelhorst) und erfreulicherweise auch wieder Ovenstädt (Apostelkirche) mit Brutpaaren hinzu.

In der Gemeinde Hille sind sämtliche traditionellen Horste um die Bastauniederung und im Hiller Norden besetzt. Ein 18. Paar kommt 2020 an einem besonderen Platz hinzu. Mitte März begannen Störche auf einer Eiche des Parkplatzes am Lidl-Markt Zweige zusammenzutragen. Für den Parkplatz waren 2002 zahlreiche Bäume gefällt worden, ein schmerzlicher Verlust für das Ortsbild. Fünf große Eichen wurden belassen, die nun mit dem Storchenpaar noch einmal eine besondere Wertschätzung erfahren. Den Störchen gelang inzwischen ein stattlicher Horstbau ohne besondere Nisthilfe. Erstaunlich, wie schnell auch neue Plätze umkämpft werden. Nachweislich waren mindestens fünf verschiedene Störche am Bau beteiligt, überwiegend an ihren Ringen unterscheidbar.

Storch ist zum überall anzutreffenden Charaktervogel geworden

Im Bereich der Stadt Minden nisten wie ihm Vorjahr zehn Storchenpaare. Leider wurde das Nest Hahlen (II) am Wiebusch vorerst nicht wieder besetzt. Nachdem der Horstbaum am Mitteldamm in Rodenbeck (I Kopfpappel) in einem Januarsturm umgestürzt war, konnte mit Hilfe des Amtes für Gebäude und Liegenschaftendes Kreises sehr schnell in Abstimmung mit der Stadtverwaltung Minden eine Pappel etwa 200 Meter westlich mit einer Nisthilfe „Rodenbeck III“ versehen werden, auf der bereits Jungstörche heranwachsen. Das Nest auf dem Logoturm der Firma JCC Bruns (II) beherbergt im dritten Jahr in Folge Störche. Und noch ein weiterer, allerdings problematischer Standort (IV) kam hinzu: Auf der Traverse eines Stromleitungsmasts haben Störche den 2019 begonnenen Nestbau vollendet, direkt über den stromführenden Kabeln.

In Bad Oeynhausen gibt es jetzt einen besetzten Horst, in Hüllhorst zwei. Die größte Überraschung des Jahres 2020 stellen die beiden neuen Ansiedlungen südlich des Verlaufs des Weser-Wiehengebirges dar. Nach sechs storchenlosen Jahreszehnten hatten sich 2012 in Tengern und 2018 in Eisbergen Paare erstmals wieder „über den Berg“ getraut. Der Standort in Costedt ist leider nach der letzten Brut 2015 immer noch verwaist. Aktuell kommen Schnathorst, Ortsteil Struckhof, und Volmerdingsen hinzu. Das bedeutet endlich den klaren Durchbruch der Störche in den Süden des Kreises, auf den das Aktionskomitee lange warten musste. In Zukunft könnten hier weitere Paare folgen, etwa in Veltheim, Möllbergen Costedt oder Wulferdingsen.

2020 sind somit erstmals sämtliche elf Städte und Gemeinden vom Storch erobert, die den Kreis Minden-Lübbecke bilden. Der Storch ist endgültig zu einem überall anzutreffenden Charaktervogel geworden.

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