Neuer ZOB in Lübbecke: Joachim Knoblich (80) kritisiert Planungen am Niederwall
Radfahrer in Sorge

Lübbecke (WB). „Ein Tag ohne Rad ist kein guter Tag“ – das ist das Motto von Joachim Knoblich. Der 80-jährige Rentner ist mit Freude in Lübbecke auf dem Zweirad unterwegs. Doch seit er sich die Pläne für den neuen Busbahnhof am Niederwall genauer angesehen hat, habe er schon so manche unruhige Nacht gehabt, sagt er. „Das wird ein Verkehrschaos geben“, ist Knoblich überzeugt.

Samstag, 13.06.2020, 13:00 Uhr
Joachim Knoblich (80) macht sich Sorgen, dass die Einfahrt auf den Papendiek durch das Westertor bald stark befahren ist und zur Gefahrenquelle für Radfahrer wird. Genauso wie gegenüber die Bushaltebuchten. Foto: Friederike Niemeyer
Joachim Knoblich (80) macht sich Sorgen, dass die Einfahrt auf den Papendiek durch das Westertor bald stark befahren ist und zur Gefahrenquelle für Radfahrer wird. Genauso wie gegenüber die Bushaltebuchten. Foto: Friederike Niemeyer

Der ehemalige Versicherungskaufmann ist derzeit im Seniorenbeirat aktiv, ist ehrenamtlicher Mitarbeiter der Polizei bei Verkehrsschulungen, berät die Verwaltung bei der Beschilderung und hat sich auch um die Vermittlung von Verkehrsregeln an Flüchtlinge gekümmert. Jetzt wendet er sich aber als Privatmann an die Öffentlichkeit. „Mir geht es vor allem um die Radfahrer und die Kinder, die mit den Bussen fahren“, sagt er. Denn einen großen Gefahrenpunkt hat er in dem dritten der neu geplanten Zebrastreifen ausgemacht. Zwischen zwei Bushaltebuchten führt er über den Niederwall. „An Haltestellen sollte 15 Meter Abstand zu einem Fußgängerüberweg sein, damit die Sicht nicht durch den haltenden Bus behindert ist“, sagt Knoblich. So sei kein Sichtkontakt auch vom Busfahrer zu den Passanten möglich. Ein Weg zwischen zwei Buchten hindurch ginge gar nicht. „So etwas darf eigentlich nicht genehmigt werden“, sagt Knoblich. Auch die Wartehäuschen würden an dieser Stelle die Sicht behindern.

Zu eng

Insgesamt hält er den Platz an den fünf Haltestellen auf der Nordseite für zu klein. „Ein Qua­dratmeter pro wartender Person wird empfohlen“, bezieht sich Knoblich auf Angaben des ADAC und der Straßenverkehrsordnung. Auch sei es dort teilweise so eng, dass sich Wartende und Passanten wohl ins Gehege kommen werden, so der engagierte Radfahrer.

Aber auch für den fließenden Verkehr sieht Joachim Knoblich Probleme kommen. So hätten Radfahrer auf dem etwa 400 Meter langen Straßenstück zwischen beiden Kreiseln diverse Fußgängerüberwege sowie Straßeneinmündungen zu beachten. „Fünf bis zehnmal muss man da im Ex­tremfall vom Rad steigen“, findet Knoblich die ganze Anlage nicht radfreundlich. Außerdem sei gerade an der Einfahrt zum Papendiek, also auf den künftigen Westertor-Parkplatz viel Autoverkehr zu erwarten. Das berge Gefahren für Fußgänger und Radfahrer, die geradeaus wollten.

Insgesamt sei in diesem Bereich auch mit vielen Rückstaus zu rechnen, weil Busse beim Abbiegen in die Buchen oder zurück auf die Straße nicht überholt werden dürfen. „Der Bus hat Vorfahrt“, sagt Knoblich, wohl wissend, dass viele Autofahrer bei den Besonderheiten im Verkehr rund um Haltestellen nicht so sicher sind. „Ich sehe Probleme, sobald mehr als ein Bus vor Ort ist.“ Seine Lösung, um das Gefahrenpotenzial zu verringern: diesen Straßenabschnitt für den Durchgangsverkehr sperren.

Neueste Standards

Busse seien eigentlich ein sehr sicheres Fortbewegungsmittel, sagt Joachim Knoblich. Aber in Deutschland würden sich 8000 Kinder und Jugendliche jährlich im Zusammenhang mit Busverkehr verletzen. Sie hätten ein viermal so hohes Verletzungsrisiko als in den USA. Den Grund sieht Knoblich in vielen unbedachten Verkehrsregelungen, und deshalb macht er sich auch solche Sorgen um die Situation am Niederwall.

Stadtsprecher Andres Püfke verweist zu diesem Thema darauf, dass der geplante neue Busbahnhof alle Anforderungen an Barrierefreiheit und Sicherheit erfülle und den neuesten Standards entspreche. Sonst hätte es weder eine Genehmigung noch eine Förderzusage gegeben. Püfke: „Wir sind sehr sicher, dass die Fördergeber die Straßenverkehrsordnung gelesen haben.“

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