Grünen-Antrag zu massivem Ausbau der Radstellplätze scheitert
Als „utopisch“ abgelehnt

Lübbecke (fn). Wie lässt sich die Situation für Radfahrer in Lübbecke verbessern und so der ein oder andere mehr zum Verzicht auf das Auto bewegen? Die Lübbecker Grünen wollen die vorhandenen Fahrradstellplätze aufwerten und neue etwa an Schulen und Bushaltestellen schaffen. Im Bauausschuss haben sich alle anderen Fraktionen aber gegen diesen Antrag ausgesprochen.

Donnerstag, 18.06.2020, 20:35 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 20:44 Uhr
Wohin mit den Fahrrädern? Die Lübbecker Grünen stehen mit ihrem Antrag für bessere und mehr Radstellplätze vor einem Berg an Widerständen. Foto: Ingo Notz
Wohin mit den Fahrrädern? Die Lübbecker Grünen stehen mit ihrem Antrag für bessere und mehr Radstellplätze vor einem Berg an Widerständen. Foto: Ingo Notz

Viele Bürger würden sichere und trockene Abstellmöglichkeiten für ihre Räder vermissen, schildert der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Faktion, Herbert Vollmer, im Antrag die Ergebnisse einer nicht repräsentativen Umfrage. „Auch der ADFC kommt immer wieder zu dem Ergebnis, dass fehlende Stellplätze den Umstieg auf das Rad erschweren.“ Deshalb sollten Qualität und Quantität verbessert werden. Konkret sollen nach den Vorstellungen der Grünen die Radständer in der Innenstadt aus Radanlehnbügeln bestehen, überdacht und mit Schließfächern für Helme oder Gepäck ausgestattet sein. An Grundschulen sollte auf vier Schüler und Lehrer ein Stellplatz kommen, an weiterführenden Schulen ein Platz für je zwei Personen. Außerdem sollten an möglichst jeder Bushaltestelle vier Anlehnbügel platziert sein.

Sasse-Westermann plädiert für eine Überprüfung des Bedarfs

Der Antrag sei ihm zu „allumfassend“, sagte Gerd Husemeyer (WL). „Einzelanträge zur Ausstattung bestimmter Orte? Ja. Aber sämtliche Abstellplätze? Nein.“ Karl-August Schlingmann (CDU) äußerte sich skeptisch, auch weil es keine Größen- und Kostenangaben etwa zu den Fächern gebe. Bernd Sasse-Westermann (Lübbecke konkret) fragte, ob wirklich Stellplätze fehlen würden. Das müsste geprüft werden. Grundsätzlich seien Überdachungen aber sinnvoll.

Wir werden tätig, wo Bedarf ist.

Ingo Ellerkamp (Baudezernent)

Baudezernent Ingo Ellerkamp schilderte die Haltung der Verwaltung: dass Aufwand und Nutzen im Verhältnis stehen müssten und dass die Verwaltung bereits sehr viel für den Radverkehr tue. So gebe es bereits an elf Standorten 98 Radanlehnbügel. Auch an den meisten Schulen und an einem Teil der Bushaltestellen seien sie aufgestellt. Größere Fahrradanlagen etwa an Schulen oder am Bahnhof seien bereits überdacht. „Aber am Bahnhof und an der Stadtschule ist es knapp. Da arbeiten wir bereits nach“, sagte Ellerkamp. „Wir werden tätig, wo Bedarf ist.“ Folgte man dem Grünen-Antrag, müssten allein am Gymnasium 200 Fahrradständer nachgerüstet werden, obwohl die vorhandenen 232 nicht überlastet seien, so der Baudezernent. Die Forderungen seien „praxisfremd“ und „unverhältnismäßig“. Die Verwaltung wolle stattdessen ihre bisherige Praxis als dauerhafte Aufgabe fortführen und bei baulichen Veränderungen die Bedürfnisse der Radfahrer mit einplanen.

Pauschale Forderungen halten wir für utopisch.

Günther Bösch (SPD)

Diese Linie unterstützte Günter Bösch für die SPD: „Pauschale Forderungen halten wir für utopisch.“ Schließfächer an Radstellplätzen kenne er nur aus Urlaubsregionen mit Radtouristik. Bedarf nach neuen Stellplätzen sehe seine Fraktion aber an der Stadthalle. Manfred Muth (SPD) ergänzte: „Wir wollen kein Geld ausgeben für etwas, das nicht gebraucht wird.“ Bürgermeister Frank Haberbosch fragte bei den Grünen nach: Er habe bis heute nicht die Umfrageergebnisse erhalten. Die hätte man deshalb nicht in die Darstellung einarbeiten können.

Vielleicht haben Sie es vergessen, aber die Schließfächer sind Teil des Klimaschutzkonzeptes, das die Stadt Lübbecke beschlossen hat. Seite 61.

Reinhard Thie (Bündnis90/Die Grünen)

Reinhard Thie beharrte auf den Forderungen des Antrags, auch auf den Schließfächern, die auf besonders starke Ablehnung in der Sitzung stießen: „Vielleicht haben Sie es vergessen, aber die Schließfächer sind Teil des Klimaschutzkonzeptes, das die Stadt Lübbecke beschlossen hat. Seite 61.“ Dort ist das Aufstellen von Schließfächern an öffentlichen Stationen als mittelfristige Maßnahme im Bereich Mobilität beschrieben. Bürgermeister Haberbosch sprach bei diesem Projekt von einer „Möglichkeit“. Nur das Grüne Ausschussmitglied stimmte am Ende für den Antrag. Alle anderen 16 plädierten für die Beibehaltung der jetzigen Praxis.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7456952?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2516047%2F
Die Evakuierung läuft
Nach dem Fund einer 250-Kilo-Fliegerbombe an der Husener Straße laufen die Evakuierungsmaßnahmen an. Entschärft werden soll die Bombe von Karl-Heinz Clemens aus Elsen (rechts) und Ralf Kuhlpeter aus Sande (links) vom Kampfmittelbeseitigungsdienst.
Nachrichten-Ticker