Rosen vergeben, aber ohne Händedruck – drei Feiern hintereinander
Wittekind-Gymnasium verabschiedet 97 Abiturienten

Lübbecke (WB). In distanziert-feierlicher Atmosphäre hat das Wittekind-Gymnasium am Freitag 97 Abiturienten verabschiedet – sieben von ihnen mit der Bestnote 1,0. So etwas gab es noch nie.

Dienstag, 23.06.2020, 07:00 Uhr
Eine Abiturfeier unter Corona-Bedingungen: Schulleiter Eberhard Hagemeier hat eine Rede gehalten. Auf den persönlichen Händedruck mussten die Schüler allerdings verzichten. Foto: Joscha Westerkamp
Eine Abiturfeier unter Corona-Bedingungen: Schulleiter Eberhard Hagemeier hat eine Rede gehalten. Auf den persönlichen Händedruck mussten die Schüler allerdings verzichten. Foto: Joscha Westerkamp

Noch während sich Schulleiter Dr. Eberhard Hagemeier ans Rednerpult stellte und in die Stadthalle blickt, war sein Thema eigentlich schon klar: das Ausnahmeabitur unter Corona-Bedingungen. „Normalerweise feiern wir hier mit 500 bis 600 Leuten.“

Anders in diesem Jahr: Knapp 100 Personen in der Stadthalle, je ein Abiturient mit zwei Familienmitgliedern an einem Tisch. Zwischen jedem besetzten ein freier Tisch – sieben Reihen lang, maximal fünf Familien pro Reihe. Auf den Tischen Namensschilder, eine Vase mit Abschiedsrose für die Abiturienten, die Zeugnismappe, bei manchen noch ein besonderes Präsent.

„Abi 2020: Perfekt abgesch(l)ossen“

Eberhard Hagemeier sprach vor allem über die Einschränkungen des Virus’ – und über das, was den Abiturienten bleibt. „Für Sie kommt die Corona-Krise zu einem ungünstigen Zeitpunkt“, wandte er sich an die Schüler. „Die Welt löst sich gerade auf. Aber dahinter baut sich eine Neue auf.“ Doch das Abitur mindere das nicht: „Bei uns an der Schule gab es keine Abstriche, alles war wie in den Jahren zuvor auch.“ Hagemeier sagte, er könne nicht erkennen, dass die Schüler jetzt schlechter abgeschnitten hätten – im Gegenteil: Noch nie habe es so viele perfekte Prüfungsergebnisse gegeben.

Schulpflegschaftsvorsitzender Prof. Dr. Carsten Tiemann betonte in seiner kurzen Rede vor allem die Wichtigkeit einmaliger Dokumente wie des Führerscheins oder des Abiturs. Tiemann sorgte für allgemeines Lachen, als er beiläufig erwähnte, er bewahre sein Abiturzeugnis im Bankschließfach auf, damit seine Kinder es nicht sehen.

Die Rede des Stufensprechers Aleksei Smirnov drehte sich überwiegend um die Findung des Abi-Mottos: „Es war eine schwierige und lange Diskussion.“ Gewonnen habe „Abi 2020: Perfekt abgesch(l)ossen“. Ganz erloschen scheint der Partygedanke in den Köpfen also wohl trotz Corona noch nicht.

Sieben Mal gibt’s die Bestnote

Im Namen der Stufe dankte Aleksei den Lehrern des Jahrgangs. Und die Lehrer kamen als Nächstes zu Wort: Die Stufenleiterinnen Beate Rudolph und Sabine Sewing wiesen auf verschiedene Momente hin, die es in der gemeinsamen Oberstufenzeit gab: die Einführung in das Kurswahlprogramm „LuPO“, mit dem zuvor noch keine andere Stufe gearbeitet hatte, die aufregenden Kursfahrten, die Vorbereitungen für den Schulabschluss – und schließlich auf das Abitur.

Worte zum bestandenen Abschluss gab es auch von Stufensprecher Aleksei Smirnov.

Worte zum bestandenen Abschluss gab es auch von Stufensprecher Aleksei Smirnov. Foto: Joscha Westerkamp

Die Stufenleiterinnen lasen den Namen jedes anwesenden Abiturienten vor, der dann aufstand, um schließlich mit seinem ganzen Leistungskurs gewürdigt zu werden und offiziell sein Abitur zu erhalten. Für persönlichen Applaus war nicht genügend Zeit, Kollektiv-Klatschen musste reichen. Der Grund: Die Entlassfeier fand gleich drei Mal hintereinander statt, um alle 97 Abiturienten samt Begleitpersonen unterbringen zu können.

Drei Mal gab es dieselben Reden, drei Mal dasselbe Zeugnis-Verleih-Prozedere; nur eins war immer anders: die anschließenden Ehrungen. Das lag vor allem daran, dass es sehr viele verschiedene Bereiche gab, in denen die Abiturienten hervorragend waren. Zuerst wurden die besten der Stufe mit einem Buchpreis geehrt und das waren so viele, wie noch nie. Mit dem Abi-Durchschnitt 1,0: Pascal Hopfendorf, Alea Leibelt, Sarvin Sadeghpour Vajd, Jonathan Sanke, Aleksei Smirnov, Lambert Heinrich Thüner und Jana Wichmann. Durchschnitt 1,1: Parinaz Tayebi und Edvard Salvesen. Durchschnitt 1,2: Mustafa Semercio und Emmy Hummert.

Zahlreiche Preise für die Abiturienten

Lehrer Ralf Pretzer ehrte langjährige Mitglieder des Orchesters und der Big-Band mit einem kurzen Text, der auf jeden einzeln einging. Das wäre sonst auf ihrem letzten Konzert geschehen. Er nannte aus dem Orchester Pauline Carstens, Evita Hamm, Meret Meyring, Jonathan Sanke und Manuel Wiebe. Aus der Big-Band: Paul Kreft, Friederike Ostermeier, Caroline Li-Ming Sun, Klara Surmeier, Manuel Wiebe, Luisa Zellmer.

Rieke Gillar erhielt den Sozialpreis für besonders Engagement in der Planung – und Umplanung – der Abiturfeiern. Der Buchpreis des „Pädagogischen Instituts Villigst der evangelischen Kirche von Westfalen“ für „sehr gute Leistungen im Prüfungsfach Evangelische Religion“ ging an Evita Hamm, Pascal Hopfendorf, Jonathan Sanke, Caroline Li-Ming Sun und Jana Wichmann. Der Abiturpreis der „Deutschen Physikalischen Gesellschaft“ für „hervorragende Leistungen“ ging an: Pascal Hopfendorf, Aleksei Smirnov und Lambert Thüner. Für „sehr gute Leistungen“: Tom Luca Horstmann, Joshua Krebber, Anna Berit Kröger, Mustafa Semercio und Jessica Weißbrich. Jonathan Sanke erhielt eine Auszeichnung für „besondere und hervorragende Leistung im Fach Russisch“ vom Russischlehrerverband NRW. Aleksei Smirnov bekam das „Certilingua“-Zertifikat für „nachgewiesene Sprachkenntnisse auf höchstem Niveau in drei Fremdsprachen“.

Einen musikalischen Rahmen um die Entlassfeier setzten die Abiturienten Edvard Salvesen und Jonathan Sanke, die zu Anfang und Ende je ein Musikstück spielten, Edvard auf den ersten beiden Veranstaltungen am Flügel, Jonathan auf der dritten am Cello. Und dann – nach einer knappen Stunde – mussten die Abiturienten und ihre Eltern die Stadthalle schnellstmöglich verlassen. Drinnen wurden eiligst Tische desinfiziert, Platzkarten gewechselt, Zeugnisse verteilt, Rosen aufgestellt und die nächste Gruppe eingelassen; draußen stand man Schlange für die Fotografin. Die nahm Einzelfotos auf, die später zur eine Stufen-Collage zusammengefügt werden sollen – dem Ersatz fürs Stufenfoto.

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