Landfrauen aus dem Lübbecker Land vermitteln Alltagskompetenzen
Je kleiner die Zutatenliste, desto besser

Lübbecke (WB). Low Carb – diesen Begriff hat man in der jüngeren Vergangenheit immer öfter gehört, aber was steckt eigentlich dahinter? Was sind die Vorteile und wie kocht man eigentlich Low Carb, also kohlenhydratarm?

Montag, 06.07.2020, 09:00 Uhr
Bei einem früheren Low-Carb-Kochkurs aus dem vergangenem Jahr ging es unter anderem um Grünkohl. Eva Maria Meier (Mitte) gibt Beate Henke (rechts) hier Hilfestellung bei der Zubereitung des Wintergemüses. Foto: Eva Rahe
Bei einem früheren Low-Carb-Kochkurs aus dem vergangenem Jahr ging es unter anderem um Grünkohl. Eva Maria Meier (Mitte) gibt Beate Henke (rechts) hier Hilfestellung bei der Zubereitung des Wintergemüses. Foto: Eva Rahe

Eva Maria Meier, Ökotrophologin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, gibt ihr Wissen normalerweise in Kursen des Familienbildungszentrums Fabian weiter. Da nun auch ihre Kurse aufgrund der Corona-Situation abgesagt werden mussten, freut sie sich, ihr Wissen in Kooperation mit dieser Zeitung zu vermitteln.

Wenn Eva Meier anfängt, über Essen zu reden, dann gibt es kein Halten mehr. Die gelernte Hotelfachfrau und Ökotrophologin hat Nahrungszubereitung und alles, was dazu gehört, studiert. „Seit meinem Studium hat sich allerdings einiges geändert“, sagt die gestandene Landfrau. Damals habe man zum Beispiel noch gesagt, man solle fünf Mahlzeiten am Tag einnehmen. Das gelte heute nicht mehr. Heute sei das Credo vielmehr, nicht ständig zu essen, vor allem nicht, wenn man mit dem Gewicht zu kämpfen habe.

Zuckerreiches führt zu Heißhunger

Eva Maria Meier weiß, wovon sie spricht. Sie sei in einer Zeit groß geworden, in der Fett plötzlich zum Ernährungsfeind erklärt worden sei. Dadurch, dass sie ständig fettarm gegessen hätte, habe sie Heißhungerattacken entwickelt, was sich nachhaltig negativ auf ihren Stoffwechsel ausgewirkt habe. Gewicht sei also ein ständiges Thema. Und die aktuelle Situation sei nicht gerade förderlich. „Durch Corona und die damit verbundenen gesellschaftlichen Einschränkungen haben viele Menschen zugenommen“, sagt sie. Vor allem, wenn man die Angewohnheit habe, in Stresssituationen zu essen. Das sei ein großes Problem.

„Wir erleben gerade eine anstrengende Zeit, da greift man schnell mal zum falschen Essen, um sich glücklich zu machen.“ Zuckerreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten und Fastfood würden allerdings schnell dazu führen, dass das Verdauungssystem des Körpers in eine negative Spirale gerate, erklärt sie weiter. „Wenn man gelernt hat, dass man wach wird, wenn man Zucker zu sich nimmt, dann treibt man den Insulinspiegel regelmäßig in die Höhe“, so die Ökotrophologin. Die Reaktion des Körpers sei dann, den Zucker in die Depots zu packen und Fettgewebe anzureichern. Die Blutzuckerkurve sause danach immer wieder in den Keller und fordere Nachschub. Heißhungerattacken seien die Folge.

Dieser Negativspirale könne man mit Low-Carb-Ernährung entgegenwirken. Diese ist übrigens keine Diät, sondern eine dauerhafte Ernährungsweise. Dabei werden zuckerhaltige Lebensmittel und Weißmehlprodukte vermieden beziehungsweise durch Ballaststoffe und Gemüse ersetzt. Hierbei gelte es, auf Produkte wie Brot, Reis oder Kartoffeln zu verzichten und diese durch Eiweiße, hochwertige Fette und viel frisches Obst und Gemüse zu ersetzen. „Indem wir weniger Kohlenhydrate zuführen, versuchen wir, den Blutzuckerspiegel langsamer hochzufahren“, sagt die Fachfrau. Durch mehr Verdauungsarbeit solle die Energie im Körper langsamer und nachhaltiger freigesetzt werden.

„Selbst kochen“ ist das Motto

Auf die Frage, was dabei hilft, um sich besser zu ernähren, ist die klare Antwort „Selber kochen. Dann weiß man, was drin ist.“ Denn laut Eva Maria Meier liegen die Gefahren bei Fertigprodukten in der Zutatenliste. „In den meisten Fertigprodukten steckt viel zu viel Zucker drin, denn Zucker ist ein billiger Füllstoff, der jedes Essen lecker macht“, erklärt sie. In den Zutatenlisten, die nach Mengen sortiert seien, werde Zucker oft durch unterschiedliche Begriffe verschlüsselt.

Wer jetzt denkt, dass Low Carb nicht schmeckt oder langweilig ist, den belehrt Eva Maria Meier schnell eines Besseren. „Wenn wir zum Beispiel zum Grillen eingeladen sind, dann bringe ich statt Brot einen leckeren Linsensalat mit. So vermeide ich, dass ich auf Brot oder Kartoffelsalat zurückgreifen muss und habe noch einen tollen Beitrag geleistet.“ Grundsätzlich könne man die Stärkenbeilagen gut durch andere Komponenten ersetzen. Eine Lasagne könne man zum Beispiel mit Süßkartoffelscheiben machen und morgens könne man anstatt Brot Flocken oder Porridge essen. „Gerstenflocken sind eine gute Alternative zu Weizenmehlprodukten“, sagt sie. Diese in Kombination mit Joghurt und Beerenfrüchten würden eine wunderbare Alternative zum Frühstücksbrot ergeben.

Zum Schluss erklärt sie noch ihre goldenen Regeln der gesunden Ernährung: 1. Regel: Bewusst einkaufen und die Zutatenliste beachten. Die besten Lebensmittel sind die, die keine Zutatenliste haben, nach dem Motto: Ein Apfel ist ein Apfel, 2. Je kürzer die Zutatenliste, umso hochwertiger die Lebensmittel, 3. Wenn ich etwas auf dem Etikett nicht verstehe, kaufe ich es nicht, 4. Nichts ist für alle Zeiten in Stein gemeißelt, man kann auch Ausnahmen machen. Dabei gilt allerdings: Eine Regel ist eine Regel und eine Ausnahme ist eine Ausnahme, 5. Ausnahmen müssen klar definiert sein und vorher geplant werden, zum Beispiel: An einem Tag pro Woche darf ich..., 6. Selbermachen ist besser als fertig kaufen, denn man weiß, was drin ist, 7. Essen zur Hauptsache machen, statt nebenbei zu essen, 8. Das Alltagsgetränk ist immer Wasser.

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