„Lübbecke hilft“: Pfarrer Eberhard Helling zieht eine positive Bilanz
„Bereitschaft zu helfen war groß“

Lübbecke (WB). Wer zu einer Risikogruppe gehört und wegen der Corona-Pandemie lieber in den eigenen vier Wänden bleibt, der kann sich immer noch an die Rufnummer 05741/4583 wenden. Unterstützung etwa zum Einkaufen oder Hund ausführen wird dann gerne von den Ehrenamtlichen von „Lübbecke hilft“ organisiert. Aber die eigentliche Hoch-Zeit für das Hilfsportal ist dank der vielfältigen Lockerungen und des ruhigen Infektionsgeschehens vor Ort jetzt vorbei. Gelegenheit, um Bilanz zu ziehen.

Donnerstag, 09.07.2020, 08:00 Uhr
Mit Hygiene kennt sich Apotheker Hazem Alsaleh aus. Der Syrer hat gleich zu Beginn des Corona-Lockdowns im März (Foto) seine Hilfe beim Einkaufen für ältere Menschen angeboten – einer von 53 Ehrenamtlern bei „Lübbecke hilft“. Foto: Friederike Niemeyer
Mit Hygiene kennt sich Apotheker Hazem Alsaleh aus. Der Syrer hat gleich zu Beginn des Corona-Lockdowns im März (Foto) seine Hilfe beim Einkaufen für ältere Menschen angeboten – einer von 53 Ehrenamtlern bei „Lübbecke hilft“. Foto: Friederike Niemeyer

Einzelne Anfragen gebe es noch, sagt Eberhard Helling. Der Lübbecker Pfarrer hat das Hilfsbündnis gemeinsam mit der evangelischen Kirchengemeinde, dem CVJM sowie Partnern von der Stadt Lübbecke und dem Runden Tisch Flüchtlingshilfe angestoßen und organisiert. Anfang Mai sei es dann ruhiger geworden, sagt Hellling. „Und jetzt haben sich die Zeiten so geändert, dass wir für unsere Nummer im CVJM-Büro nicht mehr werben.“ Gleichwohl kann weiterhin Hilfe vermittelt werden.

53 Hilfsbereite

Hilfsbereite Lübbecker kümmern sich um Menschen, die nicht so mobil sind und sich angesichts der Ansteckungsgefahr nicht aus dem Haus trauen oder möglicherweise in Quarantäne sind – das war die Grundidee, die an vielen Orten ehrenamtlich umgesetzt wurde. „Bei uns in Lübbecke war die Bereitschaft zu helfen, sehr groß“, schildert Eberhard Helling. 53 Menschen wollten gleich mitmachen und mit anpacken. Es handelte sich dabei gar nicht um die „üblichen Verdächtigen“, die sich ohnehin stark für andere Menschen einsetzen. Es waren Menschen aus einem ganz breiten Umfeld, die den Impuls verspürten, in dieser Notsituation anderen beizustehen, berichtet Helling.

Diesen 53 standen 20 Hilfesuchende gegenüber. Für Eberhard Helling war das am Ende keine Überraschung: „Viele in unserem Umfeld sind durch Verwandtschaft oder Nachbarschaft gut versorgt worden.“ Die Netzwerke in Lübbecke funktionieren noch gut, so die Erfahrung.

Nicht alle Angebote nachgefragt

Auch wenn das Portal nicht in Massen genutzt wurde, sei doch wertvolle Hilfe geleistet worden, erläutert Helling. „Es gab einfach viele verunsicherte ältere Menschen.“ Die Einkaufshilfe wurde deshalb gerne angenommen. Weitere Unterstützung, etwa bei Transporten oder Arztbesuchen, wurde dagegen kaum in Anspruch genommen. Die Ehrenamtlichen hatten sich auch vorgestellt, dass sich einsame Menschen freuen, wenn sie auf diese Weise Menschen finden, die ihnen zuhören, für sie da sind. „Aber das wurde nicht nachgefragt. Das haben wir gelernt. Einsame melden sich nicht und sagen, ich bin einsam.“ Da sei vielleicht die Scham zu groß, vermutet Pfarrer Helling.

Dennoch, viele freundliche und anrührende Begegnungen und Kontakte seien durch „Lübbecke hilft“ entstanden. Teilweise würden diese Kontakte weiter bestehen, auch wenn die Hilfeleistung nicht mehr notwendig sei. Auch der Einsatz zweier syrischer Flüchtlinge sei so eine besondere Geschichte gewesen.

Erkenntnis

„Wenn es zu einer solchen Notlage wie die Corona-Pandemie kommt, dann sind viele Hilfsbereite in Lübbecke da.“ Diese Erkenntnis hat sich für Eberhard Helling in den vergangenen Wochen und Monaten einmal mehr unter Beweis gestellt. Diese grundsätzliche Hilfsbereitschaft, die sei schon zuvor da gewesen, ist der Pfarrer sicher. Sie sei nur wachgerufen worden. In einer Welt voller Krisen sei es doch gut, dass Menschen darauf schauen, wo sie gebraucht werden und etwas bewirken können, denkt Eberhard Helling.

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