Alsweder Kirchenfenster werden im Taunus restauriert – Gemeinde sammelt Spenden
Neuer Glanz nach 300 Jahren

Lübbecke-Alswede (WB). Die Kirchenfenster in der St.-Andreas-Kirche zu Alswede schmücken seit fast 300 Jahren den Altarraum. Aber Wind, Wetter und Umwelteinflüsse haben den historischen Glaskunstwerken zugesetzt. Nun werden sie in Taunusstein saniert. Dafür sammelt die Kirchengemeinde Spenden.

Donnerstag, 17.09.2020, 06:00 Uhr
Vorsichtig werden die einzelnen Fensterelemente von Sergej Fokin aus der Alsweder Kirchenfassade gelöst. Sie werden in Taunusstein von einer Fachfirma restauriert. Annähernd 300 Jahre alt sind diese gläsernen Schmuckstücke. Foto: Eva Rahe
Vorsichtig werden die einzelnen Fensterelemente von Sergej Fokin aus der Alsweder Kirchenfassade gelöst. Sie werden in Taunusstein von einer Fachfirma restauriert. Annähernd 300 Jahre alt sind diese gläsernen Schmuckstücke.

Die alten Chorfenster im Altarraum erzählen Geschichten – und das nicht nur, weil ihre wunderschönen Bilder das Leben Jesu erzählen. Die fast 300 Jahre alten Fenster erzählen auch Geschichten über die Umwelteinflüsse, die sich über die Jahre eingearbeitet haben. Die interessanteste dieser Geschichten ist wohl die vom Loch im Bildnis des sinkenden Petrus, wie Pfarrer Klaus-Dieter Obach berichtet. Da habe tatsächlich mal ein Lausejunge mit einer Zwille auf das Fenster geschossen und der Stein habe dieses Loch hinterlassen, weiß Obach. Das sei aber vor seiner Zeit gewesen. Seitdem hätten die teuren Chorfenstern Schutzgitter.

1726 hergestellt

Alle Fenster der Andreaskirche wurden 1726 in Quedlinburg im Harz hergestellt. Allesamt sind sie handgearbeitet und bestehen aus mehreren Einzelstücken, die im Sandstein der gotischen Spitzbögen fest installiert wurden. Zum Loslösen der einzelnen Elemente bedarf es einigen Fingerspitzengefühls. Hierfür wurde die Spezialfirma Derix Glasstudios aus Taunusstein beauftragt.

Die Restauratorin Alexandra Schmauch erklärt, wie das geht. Zunächst einmal müssten die Fensterelemente vorsichtig aus der Fassade gelöst werden, und das sei gar nicht immer so einfach, sagt sie. Zum Stein hin wurden die Fenster mit Zementputz befestigt, der sehr fest sei. Zudem seien die Fenster in den Rahmen sehr knapp bemessen gewesen, so dass die pure Glaskante am Zementputz saß. „Da muss man mit viel Gefühl arbeiten, damit die Fenster nicht kaputt gehen“, sagt die Restauratorin. Mit einem Team hat sie in der vergangenen Woche die Fenster ausgebaut und transportfähig verpackt.

Bis Totensonntag

Wenn die Fenster in Taunusstein angekommen sind, werden sie zuerst von losem Schmutz gereinigt. Dann werden die Elemente originalgetreu aneinander ausgerichtet, um zu schauen, ob die Oberfläche und die Malerei noch in Ordnung ist. „Dann geht es ans Restaurieren“, erklärt die Restauratorin für Glasmalerei. Auch das Blei werde zum Schluss wieder neu verlötet, falls es gebrochen sei. Das Ganze solle nicht länger als acht bis zehn Wochen dauern, um mit den Einputzarbeiten nicht zu sehr in die kalte Jahreszeit zu kommen. Zu guter Letzt würden die Fenster auch noch Schutzgitter bekommen, die von einer weiteren Spezialfirma hergestellt werden.

Pfarrer Klaus-Dieter Obach freut sich auf den Moment, wenn die restaurierten Fenster wieder in der Andreaskirche eingebaut werden. Er hofft darauf, dass sie spätestens zu Totensonntag wieder da sind.

30.000 Euro Förderung

Um die Kosten zu decken, sammelt die Kirchengemeinde nun Spenden für die Restauration der Fenster. Ein Teil werde durch ein Förderprogramm für denkmalgeschützte Gebäude übernommen, erklärt Pfarrer Obach. Das Amt für Denkmalpflege in Detmold bewilligte hierfür 30.000 Euro. Nun müssten Spenden gesammelt werden, um die noch fehlenden 40.000 Euro zu bezahlen. Diesen Betrag habe die Kirchengemeinde erst mal vorgestreckt, denn man habe aufgrund der Förderung nach in diesem Jahr mit der Restaurierung anfangen müssen, so der Pfarrer.

Wer spenden wolle, könne sich per E-Mail an alswede@kirchenkreis-luebbecke.de informieren.

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