Druckerei-Konzern will aus Kostengründen Standortin Lübbecke schließen
120 Arbeitsplätze in Gefahr

Lübbecke (WB). Die Firma „All4Labels“ mit Hauptsitz in Hamburg plant, ihren Lübbecker Standort an der Daimlerstraße zu schließen. Die Corona-Pandemie soll dabei keine Rolle spielen. Der Hersteller von bedruckten Etiketten will nach Informationen dieser Zeitung die Auslastung seiner anderen 28 Standorte verbessern. Betroffen sind knapp 120 Mitarbeiter.

Freitag, 18.09.2020, 06:00 Uhr
Die Firma „All4Labels“ will ihren Lübbecker Standort an der Daimlerstraße schließen. Foto: Viola Willmann
Die Firma „All4Labels“ will ihren Lübbecker Standort an der Daimlerstraße schließen. Foto: Viola Willmann

Auf Anfrage dieser Zeitung hat der Betriebsrat die Schließungspläne bestätigt. Von der Geschäftsführung des Unternehmens gab es auf Anfrage dieser Zeitung bis Donnerstagabend keine Antwort.

Das vor mehr als 30 Jahren gegründete Lübbecker Unternehmen bedruckt Selbstklebeetiketten, beispielsweise Verpackungen aus den Bereichen Haushalt, Körperpflege und Ernährung. Zu den Kunden gehören große Unternehmen wie Beiersdorf („Nivea“) oder Rossmann („Balea“). Die Auftragslage in dem Drei-Schichten-Betrieb sei gut gewesen, der Gewinn habe bei fast sechs Prozent im Jahr gelegen, ist zu hören. Zuletzt vor zwei Jahren sei eine große neue Druckmaschine angeschafft worden. Jetzt soll offenbar die Effizienz im Konzern gesteigert werden. Bis 31. März 2021 soll die Produktion in Lübbecke gestoppt und verlagert werden. Wie der Betriebsrat sagte, stehe er in Verhandlungen, um für die teils langjährigen Mitarbeiter gute Lösungen zu erzielen. An der Konzernentscheidung, sich aus Lübbecke zurückzuziehen, werde dies aber wohl kaum etwas ändern.

Einsparung von Kosten

Lübbecker Mitarbeiter hatten dieser Zeitung gesagt, dass es am 28. August eine Betriebsversammlung gegeben habe. Für alle Beschäftigten überraschend habe die Geschäftsführung dort die geplante Schließung vorgestellt, die zur Einsparung von Kosten beitragen soll. „Zwei Tage zuvor hat es noch eine Stellenanzeige für unseren Standort gegeben“, sagte ein fassungsloser Mitarbeiter.

Der Ursprung des Lübbecker Unternehmens liegt in der Druckerei Knost Offset, die später als „EK Print Etiketten“ weiter inhabergeführt war. Später wurde der Betrieb vom 1991 gegründeten Unternehmen X-Label übernommen. Durch Expansion und weitere Zusammenschlüsse, etwa mit Rako Etiketten Hamburg, entstand 2016 unter dem Namen „All4Labels“ ein international aufgestellter Konzern für Digitaldruck und Etiketten mit Hauptsitz in Hamburg. Zum Unternehmen mit heute 29 Standorten, darunter 17 in Deutschland, gehört auch Ritter Haftetiketten in Enger. Die Unternehmensgruppe macht nach eigenen Angaben mehr als 520 Millionen Euro Jahresumsatz und hat mehr als 3000 Mitarbeiter.

180 Investoren

Seit 2019 ist die deutsch-schwedische Investment-Gesellschaft Triton Hauptanteilseigner von „All4Labels“. Nach eigenen Angaben verfolgt Triton das Ziel, „mittelständische Unternehmen langfristig und durch partnerschaftliche Zusammenarbeit erfolgreich weiterzuentwickeln“. Zu den etwa 180 Investoren bei Triton gehören demnach Pensions- und Staatsfonds, Stiftungen und Versicherungen. Ökologische und soziale Faktoren würden bei Entscheidungen berücksichtigt, heißt es. Es gehe um den langfristigen Mehrwert.

Triton – Hauptsitz ist die Kanalinsel Jersey – ist im Kreis Minden-Lübbecke kein unbeschriebenes Blatt. Im Jahr 2006 erwirbt die Gesellschaft die Mehrheit am Fertighaus-Hersteller Kampa AG, geht auf Expansionskurs – und schließt aus Kostengründen das Stammwerk in Minden. Doch der Erfolg bleibt aus. 2009 zieht sich der Investor zurück und Kampa muss Insolvenz anmelden. Die Gewerkschaft IG Bau sah im Missmanagement und der Branchenunkenntnis des Investors damals den Grund für die Kampa-Pleite und bezeichnete Triton als „schwedische Heuschrecke“.

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