500 Beschäftigte beteiligen sich an Warnstreik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi
Menschenkette vor dem Klinikum

Minden/Lübbecke (WB). Ein sonniger Herbstmorgen, aber keine sonnige Stimmung bei den Beschäftigten im Öffentlichen Dienst im Mühlenkreis: Etwa 200 Mitarbeiter der Mühlenkreiskliniken in Bad Oeynhausen, Lübbecke, Rahden und Minden versammelten sich bereits am frühen Mittwochmorgen zum Warnstreik am Johannes-Wesling-Klinikum.

Mittwoch, 23.09.2020, 22:00 Uhr aktualisiert: 23.09.2020, 22:40 Uhr
Etwa 200 Beschäftigte der Mühlenkreiskliniken in Bad Oeynhausen, Lübbecke, Rahden und Minden folgten am frühen Mittwochmorgen dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und beteiligten sich am Johannes-Wesling-Klinikum in Minden am Warnstreik. Foto: Hans-Jürgen Amtage
Etwa 200 Beschäftigte der Mühlenkreiskliniken in Bad Oeynhausen, Lübbecke, Rahden und Minden folgten am frühen Mittwochmorgen dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und beteiligten sich am Johannes-Wesling-Klinikum in Minden am Warnstreik. Foto: Hans-Jürgen Amtage

Mit einer Menschenkette und einer Buchstabenreihe mit den Worten „systemrelevant“ sowie „Genug geklatscht. Wir fordern +4,8 %“ machten sie ihrem Ärger über den Verlauf der aktuellen Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst Luft. Im Anschluss zog ein Demonstrationszug zur Kreisverwaltung in Minden. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Kreisverwaltung gab es am Vormittag die Abschlusskundgebung.

„Beschämende Antwort“

Insgesamt waren etwa 500 Beschäftigte dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zum Warnstreik gefolgt. Die Teilnehmer zeigten sich enttäuscht über die Haltung der Arbeitgeber bei der zweiten Verhandlungsrunde am vergangenen Wochenende, so Verdi-Gewerkschaftssekretär Volker Hoppmann. Gemeinsam mit der OWL-Bezirksgeschäftsführerin Martina Schu begleitete er die Demonstration. Die Arbeitgeber des Öffentlichen Dienstes hätten nur erklärt, was alles nicht gehe und hätten eigene Forderungen erhoben. Verlust von Sonderzulagen, drohende Herabgruppierung, eine Nullrunde für Auszubildende und die Angleichung der Arbeitszeit im Osten an die Arbeitszeit im Westen erst im Jahr 2025 seien nur einige Beispiele. „Eine beschämende Antwort auf die Leistungen der systemrelevanten Berufe in Corona-Zeiten“, so Hoppmann.

Dem gegenüber stünden die Forderungen von Verdi mit Einkommensanhebungen um 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten, machte der Gewerkschaftssekretär deutlich. Auch sollen die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro pro Monat steigen. Vor allem aber sollen die besonderen Themen des Gesundheitswesens erörtert werden.

Wirtschaftsbetriebe

Hier sieht Volker Hoppmann ein Generalproblem darin, dass Häuser wie die Mühlenkreiskliniken ausschließlich als Wirtschaftsbetriebe angesehen würden. „Das Betriebsergebnis ist das oberste Ziel“, lautet die Kritik der Gewerkschafter. Dementsprechend sei die Haltung der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen. Hinzu komme, dass die kommunalen Haushalte vor dem Hintergrund der Folgen der Corona-Pandemie leer seien. In der Gesamtbetrachtung müsse daher auch ein Ziel sein, dass „endlich wieder ein Punkt herbeigeführt wird, der das soziale Engagement im Gesundheitswesen anerkennt und den Mitarbeitenden wieder mehr Freude an ihrer wertvollen Arbeit gibt.“.

Die Mühlenkreiskliniken hatten bereits am Dienstagnachmittag auf die für Mittwochmorgen angekündigten Warnstreiks reagiert. Im Krankenhaus Rahden und am Johannes-Wesling-Klinikum wurden alle medizinisch nicht zwingenden Operationen, Eingriffe und Untersuchungen verschoben, wie Pressesprecher Christian Busse mitteilte. Betroffen waren auch ambulante Termine. Die Notfallversorgung und die Versorgung der bereits in Behandlung befindlichen Patienten sei aber an allen Standorten sichergestellt.

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