Vor dem Abriss für das Westertor-Einkaufszentrum in Lübbecke: Rundgang durch das 53 Jahre alte Gebäude
Abschied vom Deerberg-Kaufhaus

Lübbecke (WB). „Nunc et semper“ steht auf dem Wappen am Backsteinturm des Deerberg-Kaufhauses zu lesen. „Jetzt und immer“. Bis auf das Jahr 1756 lässt sich das Familienunternehmen Deerberg zurückführen, doch mit dem 1967 erbauten Warenhaus wird es nach der Insolvenz von 2003 nun in Kürze ein endgültiges Ende haben: Die Verträge mit dem Westertor-Investor HBB sind längst unterzeichnet. Wenn das Parkhaus West und das Irish Pub abgerissen sind, wird auch dieses stadtbildprägende Gebäude weichen.

Samstag, 03.10.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 03.10.2020, 19:08 Uhr
Einst mit 100.000 Artikeln gefüllt, jetzt leer. Der Blick in das Obergeschoss des Kaufhauses Deerberg lässt vor dem geistigen Auge vieler Lübbecke wieder die ganze Warenhauswelt entstehen, die sich bis 2003 hier auftat. Auf dieser Etage wurden rund um die beiden Rolltreppen Sport- und Kindermoden, Heimtextilien und Spielwaren, Haushaltswaren und Porzellan verkauft. Foto: Arndt Hoppe
Einst mit 100.000 Artikeln gefüllt, jetzt leer. Der Blick in das Obergeschoss des Kaufhauses Deerberg lässt vor dem geistigen Auge vieler Lübbecke wieder die ganze Warenhauswelt entstehen, die sich bis 2003 hier auftat. Auf dieser Etage wurden rund um die beiden Rolltreppen Sport- und Kindermoden, Heimtextilien und Spielwaren, Haushaltswaren und Porzellan verkauft. Foto: Arndt Hoppe

Rundgang durchs leere Kaufhaus Deerberg in Lübbecke

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Für Erbauer Karl-Wilhelm Deerberg ist das sichtbare Ende des noch bis 2011 unter dem Namen „Ceka“ geöffneten Warenhauses kein großer emotionaler Moment mehr. Seit der heute 82-Jährige im Jahr 1964 die Geschäftsführung übernahm, hat er mehrere Kaufhäuser erbaut und am Ende schließen müssen – wie in Rahden und Espelkamp – oder verpachtet. Selbst die ganz Großen der Branche haben den Wettbewerb um die Kundengunst nicht überlebt, so sein nüchterner Blick. Alles unter einem Dach – von Textilien über Haushalts- und Spielwaren bis zu Schuhreparatur und Friseur in Einliegergeschäften – das war irgendwann nicht mehr ausreichend gefragt. Handel bedeutet eben Wandel. „Das zeigt, wie wichtig es ist, sich Gedanken um die Innenstadt zu machen und sich zu fragen, wie der Handel der Zukunft aussieht“, sagt Deerberg, dessen Familie heute vom alten Stammhaus gegenüber des Kaufhauses aus ein reines Immobilienunternehmen führt.

Gedanken leben auf

Beim Rundgang durch das leere Kaufhaus lässt Karl-Wilhelm Deerberg viele Gedanken wieder aufleben, die er sich beim Bau mit Architekt Otto Horn gemacht hat. Etwa die Fenster. „Es war uns wichtig, dass es nicht nur künstliches Licht gibt.“ Oder die Fahrstühle. Von Anfang an habe es zwei gegeben, später einen dritten. Dafür gab es vom Reichsbund (heute Sozialverband) die Auszeichnung „behindertengerecht“. Und die Vertreter freuten sich, dass sie so ohne zu schwitzen mit ihren schweren Musterkoffern hoch in die Verwaltungsetage kamen, erzählt Deerberg. Dort oben gab es übrigens neben Gemeinschaftsräumen und Teilen des Warenlagers auch die „Auszeichnung“: Dort wurden alle Waren für die drei heimischen Kaufhäuser mit Etiketten versehen.

Die Gestaltung des Backsteinturms an der Blüttenstraße, in dem sich der dritte, über alle Etagen führende Aufzug befindet, hat ihm besondere Freude gemacht. „Wir hatten damals eine Radtour durch die Toskana gemacht, und die dortigen mittelalterlichen Stadttürme haben uns zu einem Turm mit Zinnen inspiriert“, erzählt Deerberg.

„Fassaden-Problem“

Wie das Kaufhaus zu seiner Kachel-Fassade gekommen ist, ist eine eigene Geschichte. Architektur-Professor Egon Eiermann hatte den Lübbecker mit seinem Deutschen Pavillon für die Weltausstellung 1958 beeindruckt. „In einem Flieger nach New York saß Professor Eiermann dann zwei Reihen vor mir.“ Deerberg knüpfte den Kontakt, schilderte sein „Fassaden-Problem“ und kurze Zeit später machten Eiermann-Studenten Vorschläge mit der 1961 bei Horten zuerst verbauten Keramik.

Aufmerksamkeit erregte 1967 auch der Einbau der ersten beiden Rolltreppen. Die Stadtchronik notierte, dass mehrere hundert Menschen bestaunten, wie die je neun Tonnen schweren und elf Meter langen Konstrukte vom Schwertransporter gehoben wurden. „Ein Transporter war an der Brücke über die B239 in Kirchlengern hängengeblieben“, erinnert sich Deerberg. Ein Glaselement sei dabei zu Bruch gegangen und musste ersetzt werden.

Dass er selbst auf eine längere Zukunft für das Lübbecker Kaufhaus gesetzt hatte, zeigt die Sandsteintafel am Turm. Über den Jahreszahlen für die Bauabschnitte (1967, 1975, 1976, 1979, 1981, 1982 und 1993) ist noch eine Zeile freigeblieben. Sie wird nun nicht mehr ausgefüllt.

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