Sachverständige sehen auf Lübbecker Friedhof Überalterung des Bestandes
49 Bäume müssen weichen

Lübbecke (WB). Licht bricht durch die bunt gefärbten Baumkronen, Laub raschelt bei jedem Schritt, der Straßenlärm rückt in weite Ferne – gerade jetzt im Herbst ist es auf dem Lübbecker Friedhof besonders schön. Viele Bürger atmen beim Gang über die von Alleen umsäumten Wege auf, lassen den Blick gerne über Gräber, Beete und Rasenflächen schweifen und empfinden diesen wertvollen Naturraum mitten in der Stadt als besonderen Trost-Ort in schweren Stunden. Seit vielen Jahren bemüht sich die Stadt darum, den prägenden Baumbestand zu pflegen. Doch nun gibt es schlechte Nachrichten: 49 Bäume sollen innerhalb von einem halben Jahr gefällt werden. Der Grund ist offenbar Überalterung.

Freitag, 30.10.2020, 06:00 Uhr
Der neue Teil des Friedhofs westlich der Kapelle hat starken Parkcharakter. Das Ziel auch der nun anstehenden Fällungen ist es, so die Stadt, diesen Charakter durch gezieltes Pflegen, Fällen und Pflanzen zu erhalten. Foto: Friederike Niemeyer
Der neue Teil des Friedhofs westlich der Kapelle hat starken Parkcharakter. Das Ziel auch der nun anstehenden Fällungen ist es, so die Stadt, diesen Charakter durch gezieltes Pflegen, Fällen und Pflanzen zu erhalten. Foto: Friederike Niemeyer

2011 waren die Bäume grundlegend untersucht und kartiert worden, um einen Entwicklungsplan für den 7,5 Hektar großen Friedhof aufzustellen. Schon damals hatten Landschaftsarchitekten festgestellt, dass sich der Bestand an einem Scheidepunkt befinde. Viele Bäume müssten aufgrund ihres Alters gefällt werden. Man wolle sinnvoll nachpflanzen, um den „park- und alleeähnlichen Charakter des Friedhofs“ mit seinen verschiedenen Teilen zu erhalten, so die auch von der Politik unterstützte Zielformulierung damals.

Lange Liste

Nach einzelnen Pflege- und Fällmaßnahmen im Rahmen der normalen Unterhaltung ist nun bei den turnusmäßigen Untersuchungen durch eine Baumkontrolleurin eine erstaunlich lange Liste an notwendigen Fällungen zusammengekommen: Von den 710 Bäumen des Friedhofs sollen 49 gefällt werden, davon drei sofort, weil eine Gefährdung für Friedhofsbesucher von ihnen ausgeht. Aber auch 20 weitere werden als so geschädigt angesehen, dass sie noch in den nächsten vier Wochen geschlagen werden sollen. Die restlichen 26 Bäume sollen bis Ende März weichen. Betroffen sind Bäume über den ganzen Friedhof verteilt: vor allem Rotbuchen (18) und Sandbirken (11), aber auch Bergahorn (5), Hainbuchen (4), Ebereschen (4) und Linden (3) sowie Weißdorn (2) und je eine Hemlocktanne und Scheinzypresse.

Dazu kommen noch weitere notwendige Schnittmaßnahmen, die das übliche Maß übersteigen. So muss an 119 Stellen Totholz beseitigt werden, etwa 30 Kronen- und Kopfschnitte durchgeführt werden, viermal eine Kronensicherung eingebaut und ein Baum komplett von Efeu befreit werden. Kosten insgesamt: etwa 70.000 Euro.

Vergabe an Fachbetrieb

Die Schäden beruhen vor allem auf dem Alter vieler Bäume. Aber es sollen auch jüngere Exemplare gefällt werden, die sich nicht gut entwickeln. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses nannte Jan Hendrik Maschke von der Stadtverwaltung beispielhaft den westlichen Teil des Friedhofs, wo teilweise alter Baumbestand die jungen Bäume behindere. Spezielle Klimaschädigungen gehen aus dem Gutachten nicht hervor.

Ausschussvorsitzender Günter Bösch (SPD) zeigte sich erstaunt: „Dass die Schäden jetzt so groß sind, hätte ich nicht erwartet.“ Gerade angesichts der Tatsache, dass einige der Bäume, die jetzt gefällt würden, noch keine 30 Jahre alt seien, müsste nachgehalten werden, was schief gelaufen sei und was man künftig besser machen könne.

Die Stadt will nun die Fällungen, aber auch die Pflege des Baumbestandes an einen Fachbetrieb vergeben. Außerdem sollen die Neuanpflanzungen im Sinne der Grünrichtlinie der Stadt sowie des Friedhofsentwicklungsplanes durchgeführt werden. Der Beschluss war einstimmig.

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