Bürgermeister Frank Haberbosch zur Corona-Situation in Lübbecke
„Ein bisschen wie Weihnachten“

Lübbecke -

Da musste auch die Lübbecker Stadtverwaltung einräumen, dass dies allein aus „Bordmitteln“ des Ordnungsamtes nicht mehr zu stemmen ist: Die bis diese Woche stetig ansteigenden Corona-Infektionszahlen – Dienstag waren es 183 – erforderten einfach mehr Personal.

Samstag, 21.11.2020, 10:17 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 10:20 Uhr
Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch berichtet von den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.
Lübbeckes Bürgermeister Frank Haberbosch berichtet von den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Foto: Stadt Lübbecke

Bürgermeister Frank Haberbosch (SPD) berichtet im Gespräch mit dieser Zeitung von den besonderen Herausforderungen der Pandemie, auch ganz persönlich.

Zu Beginn der Corona-Krise war die Stadtverwaltung vor allem beratend für Bürger und Geschäftsleute unterwegs, erläutert Frank Haberbosch. Es habe meist ausgereicht, die Schutzmaßnahmen bekannt zu machen, zu erklären und bei Problemen konkrete Lösungen anzubieten. Doch dann habe sich auch so etwas wie ein Laissez-Faire eingestellt: Mancherorts wurde eben nicht mehr so genau auf die Regeln geschaut. „Deshalb müssen wir jetzt auch durchgreifen und wenn nötig Bußgelder verhängen“, sagt der Verwaltungschef. „Wir müssen als Überwacher auftreten, wenn wir mit den Schutzmaßnahmen glaubhaft bleiben wollen.“

Konkret heißt das, dass derzeit die vielen Isolations- und Quarantäne-Fälle kon­trolliert werden. Von den Ordnungsamtsmitarbeitern allein ist das nicht mehr zu leisten. Das wurde auch dem zuständigen Landesministerium so berichtet, sagt Bürgermeister Haberbosch.

Freiwillige Helfer

Bislang hilft sich die Verwaltung selbst: Aus allen Bereichen hätten sich Freiwillige gemeldet, so Haberbosch, die auch außerhalb der regulären Dienstzeiten überprüfen, ob die Anweisungen des Kreisgesundheitsamtes auch eingehalten werdenF.

Apropos Ministerium: Als vor kurzem wieder Infektionen bei Westfleisch-Mitarbeitern auftraten, habe es eine Telefon-Schalte mit der übergeordneten Behörde gegeben. Die war wegen der Ausbrüche im Sommer in der Fleischindustrie bei diesem Stichwort besonders hellhörig. „Aber diese Fälle waren ja im privaten Umfeld entstanden“, konnte das Lübbecker Rathaus Entwarnung geben. Außerdem, so Haberbosch, sei die Zusammenarbeit mit Westfleisch ausgesprochen gut. Nicht nur würde dort nach wie vor täglich getestet: „Westfleisch hat auch eigene Wohnungen angemietet, um Mitarbeiter in Quarantäne getrennt von den anderen unterbringen zu können.“

Überprüft würde von der Stadt auch der Ablauf der Gottesdienste in der Stadt, etwa in den Freikirchen, sagt Haberbosch. Religiöse Versammlungen dürften zwar auch jetzt im Teil-Lockdown abgehalten werden, aber eben nur unter Auflagen.

Infos in vielen Sprachen

Auch bei Menschen mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen müssten die Regeln bekannt sein, sagt Haberbosch. Info-Blätter gebe es in allen möglichen Sprachen. Die Erfahrung der Quarantäne-Kontrollen zeige, dass es auch kein Unwissen sei, wenn gegen die Auflagen verstoßen wird. In Lübbecke komme das in Einzelfällen vor. Meist würden dann die behördlichen Auflagen einfach nicht ernst genommen. „Als Bürgermeister bin ich aber da, die Gesetze auch durchzusetzen“, sagt Haberbosch.

In der heimischen Wirtschaft sei das Bemühen groß, den jeweiligen Betrieb so zu organisieren, dass sich Mitarbeiter nicht anstecken und weiter zur Verfügung stehen, berichtet Frank Haberbosch von dem, was er aus den Firmen hört. Nichtsdestotrotz gebe es aber auch kritische Töne zu den einzelnen Maßnahmen.

Speziell die Gastronomie leide derzeit besonders, auch wenn alle versuchten, sich mit der Situation zu arrangieren, sagt Haberbosch. „Uns im Rathaus ist es natürlich auch wichtig, dass die Gaststätten und Kneipen erhalten bleiben.“

Unterstützend eingebracht hatte sich seit Beginn der Pandemie auch Lübbecke Marketing. Ein zweites Late-Night-Shopping musste aber abgesagt werden und auch einen regulären Weihnachtsmarkt kann es nicht geben. „Aber wir überlegen, wie wir trotzdem sozusagen ein bisschen Weihnachtsmarkt in die Innenstadt bekommen“, sagt der Bürgermeister. „Wir glauben, dass das geht. Aber wir müssen natürlich warten, wie die weiteren Beschlüsse ausfallen. Wir wollen aber auf jeden Fall hinbekommen, dass es in der Innenstadt nach Weihnachten aussieht.“

„Stück Normalität“

Im sozialen Miteinander in der Stadt beobachtet Haberbosch „ein Stück Normalität“ im Umgang mit dem Virus. Etwa beim Einkaufen. „Die Leute wissen, wie man sich so verhält, dass man keinem großem Infektionsrisiko ausgesetzt ist und haben sich eingerichtet.“

Ihn persönlich belaste besonders und dauerhaft die Sorge um seine Familie, erzählt Haberbosch. „Meine Frau kümmert sich intensiv um meine pflegebedürftige Schwiegermutter. Und da schwingt immer im Hintergrund mit, wie sich ein Kontakt, eine Ansteckung auswirken könnte.“ Aber er habe auch die Hoffnung, dass es irgendwann damit ein Ende hat. „Die Menschheit ist schon mit so vielen Dingen fertig geworden. Das wird hier genauso sein.“

Und was macht ein Bürgermeister, wenn wegen Corona viele Termine ausfallen? Haberbosch: „Ich habe das gemacht, was alle gemacht haben. Ich habe zu Hause renoviert.“

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