Lübbecke und Stemwede nehmen am Pilotprojekt „Schülerticket Westfalen“ teil
Ab Sommer kostenlos mit Bus und Bahn

Lübbecke - WB -

„Einen wichtigen Schritt für mehr Mobilität“, nennt Achim Overath, Geschäftsführer der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft (MHV) den Vorstoß seines Unternehmens, in Kooperation mit zwei kommunalen Verwaltungen, allen Schülern der weiterführenden Schulen den Nutzen und die Vorzüge öffentlicher Verkehrsmittel aufzuzeigen.

Samstag, 06.03.2021, 03:00 Uhr
Bei der Vertragsunterzeichnung (von links): Johannes Marg (Mindener Kreisbahnen GmbH), Odilo Enkel (Geschäftsführer der Westfalen Tarif GmbH und der OWL Verkehrs GmbH), Frank Haberbosch, Achim Overath, Geschäftsführer der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft, und Kai Abruszat.
Bei der Vertragsunterzeichnung (von links): Johannes Marg (Mindener Kreisbahnen GmbH), Odilo Enkel (Geschäftsführer der Westfalen Tarif GmbH und der OWL Verkehrs GmbH), Frank Haberbosch, Achim Overath, Geschäftsführer der Minden-Herforder Verkehrsgesellschaft, und Kai Abruszat. Foto: Peter Goetz

„Das neue Tarifprodukt nennt sich Schülerticket Westfalen und bedeutet konkret, die kostenlose, ganztägige Beförderung der schulpflichtigen Jugendlichen zwischen Stemwede und Dortmund in der Nord-Süd-Verbindung beziehungsweise Enschede und Olpe in der West-Ost-Verbindung“, beschreibt er das Einzugsgebiet der neuen Schülerfahrkarte, die zum neuen Schuljahr eingeführt wird. „Man kann damit, anders als mit den bisherigen Chill-Tickets tatsächlich 24 Stunden an sieben Tage das ganze Jahr mit den Bussen und Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs unterwegs sein, also nicht nur zur Schulzeit, sondern auch in der Freizeit und den Ferien“, so Overath am Donnerstagvormittag bei der offiziellen Unterzeichnung der Verträge an der Bushaltestelle am Lübbecker Schulzentrum in der Rahdener Straße.

Waldemar Oldenburger ist seit 30 Jahren im ÖPNV tätig. Für ihn bedeutet mehr ÖPNV weniger Verkehrsaufkommen und auch weniger Schadstoffe in der Luft.

Waldemar Oldenburger ist seit 30 Jahren im ÖPNV tätig. Für ihn bedeutet mehr ÖPNV weniger Verkehrsaufkommen und auch weniger Schadstoffe in der Luft. Foto: Peter Goetz

Mit dabei sind die Bürgermeister Kai Abruszat (Stemwede) und Frank Haberbosch (Lübbecke), Johannes Marg (Mindener Kreisbahnen GmbH), Odilo Enkel (Geschäftsführer der Westfalen Tarif GmbH und der OWL Verkehrs GmbH), Jörg Bartel von der Stemweder Verwaltung und Waldemar Oldenburger von der MKB, der aufgrund der winterliche Temperaturen seinen grünblauen Linienbus als Tagungsraum zur Verfügung stellte.

Verträge unterzeichnet

Mit der Unterzeichnung der Verträge sind die Kommunen Lübbecke und Stemwede nun offiziell zwei der ersten Teilnehmer des westfälischen Pilotprojekts. „Es wird aus allen Ecken stets viel geredet und wenig gemacht“, kommentiert Frank Haberbosch die politischen Aktivitäten zum Thema ÖPNV, „also haben wir in Lübbecke und Stemwede das Heft in die Hand genommen und zusammen mit den Verkehrsgesellschaften einen Mehrwert geschaffen – für die Schülerinnen und Schüler und den ÖPNV. Darüber freuen wir uns. Wir möchten größtmögliche Mobilität fördern und alle Jugendlichen unserer Stadt teilhaben lassen.“ Sein Amtskollege Kai Abruszat aus Stemwede ergänzt: „Mit dem Schülerticket Westfalen sind unsere Schüler nicht nur in der Woche, sondern auch am Wochenende, an Feiertagen sowie in den Ferien in Westfalen mobil.“

Achim Overath von der MHV hat besonders die Zukunft des ÖPNV im Blick und hebt hervor, dass gerade die jungen Menschen der Schlüssel für eine moderne und klimafreundliche Mobilität seien und das Projekt eine tolle Gelegenheit, ihnen diese näher zu bringen.

Pilotprojekt

Das Pilotprojekt „Schülerticket Westfalen“ ist eine Kooperation der Verkehrsunternehmen mit den Aufgabenträgern (Kreise, kreisfreie Städte, Stadtbusstädte) des Westfalentarifs. Im Rahmen des Projekts werden bis 2024 neue Ticketmodelle für Schüler getestet. Ziel ist es, ein einheitliches Schülerticket für den Westfalen-Tarif-Raum zu entwickeln, das allen Schülern eine zukunftssichere und westfalentarifweite Mobilität zu attraktiven Konditionen ermöglicht.

Das Projekt wird in Westfalen durch einen Gutachter und einen Arbeitskreis begleitet. „Wir sind gespannt auf die Erfahrungsberichte“, sagt Johannes Marg, Geschäftsführer der MKB Mühlenkreis-Bus GmbH, die in den beiden Kommunen den Schülerverkehr fahren.

In Zahlen bedeutet das, dass nun beinahe 1000 Schülerinnen und Schüler zusätzlich zu den jetzt schon berechtigten Kindern die Möglichkeit haben, eine kostenlose Beförderung, unabhängig von den bisher gültigen Regelungen in Anspruch zu nehmen. Für alle Beteiligten bedeutet dies eine spürbare Verringerung des Verwaltungsaufwands, da nun eine Überprüfung der einzelnen Berechtigungen und Ansprüche auf die kostenlose Beförderung zur Schule und zurück entfällt.

100 Euro pro Schüler

Pro Schüler kostet das Ticket die Träger etwa 100 Euro pro Jahr, ein Betrag, der für Kai Abruszat sehr gut angelegt ist: „Meine These ist, dass die Schülerfahrtkostenverordnung, die ja schon in die Jahre gekommen ist, dringend reformiert gehört – dieses Anknüpfen von Entfernungskilometer zur Schule führt sehr häufig zu Verdruss und Streit, da wird oft um jeden Meter gerungen. Ich finde, es wäre auch ein schöner Beitrag zum Bürokratie-Abbau wenn diese Verordnung auf Grund des Schülertickets landesweit auf den Prüfstand käme.“

Die Verwaltung und Ausgabe des Schülertickets liegt in den Händen der OWL Verkehr GmbH. „ Wir haben die Westfalentarif GmbH im Jahr 2017 gegründet, um das komplexe Tarifsystem in den Griff zu bekommen und gleichzeitig den ÖPNV wieder attraktiv zu machen,“ beschreibt deren Geschäftsführer Odilo Enkel seine Erwartungen und Ziele. „Seit 2019 arbeiten wir daran, ein einfaches und funktionales Tarifsystem für Schüler zu etablieren und ich freue mich, dass wir mit der Stadt Lübbecke und der Gemeinde Stemwede so erfolgreiche Gespräche geführt haben. Damit haben wir ein zukunftsfähiges Solidarmodell geschaffen, das hoffentlich auch viele andere Kommunen anspricht – wir bleiben auch für das neue Pilotprojekt der gewohnte Ansprechpartner für Schulträger, Eltern und Schüler.“

Appell an Eltern

Auch für Waldemar Oldenburger ist das Projekt ein Grund zur Freude. Seit 30 Jahren bringt der freundliche Busfahrer seine Schützlinge von A nach B. In seiner Verantwortung liegt die Sicherheit der Fahrgäste, eine Aufgabe, die er gerne und mit einer spürbaren Ruhe bewältigt. Sein Appell geht an die Erwachsenen, mit den Schülern hat er keine Probleme: „Für mich ist besonders wichtig, dass die Eltern verstehen, dass der Schulbus das beste Mittel ist, ihre Kinder zur Schule zu befördern. Je mehr Kinder mit dem Bus fahren, desto weniger Pkw sind auf der Straße, desto besser fließt der Verkehr, besonders in der Stadt.“ Wenn jemand das beurteilen kann, dann Waldemar Oldenburger, der schon mehr als sein halbes Leben hinter dem Steuer verbracht hat.

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