Terminshopping ab Montag erlaubt – zumeist Vorfreude bei Lübbecker Einzelhändlern
„Kunden wollen echte Beratung“

Lübbecke – WB -

An der Corona-Lage im Kreis hat sich zuletzt nicht viel geändert. Dennoch werden sich den heimischen Händlern ab Montag wieder mehr Verkaufsmöglichkeiten bieten, denn auch mit einem Inzidenzwert zwischen 50 und 100 erlaubt der neue Stufenplan von Bund und Länden weitere Öffnungsschritte. Wie reagieren die Händler?

Samstag, 06.03.2021, 06:00 Uhr
Den Frühling mit Farben und schönen Dingen ins Heim holen: Lydia Klingenhagen hat bei ihren Kunden schon viel Vorfreude auf die neuen Möglichkeiten gespürt. Von Montag an, darf in ihrem Geschäft Scharrn 3 nach Terminvergabe gestöbert werden.
Den Frühling mit Farben und schönen Dingen ins Heim holen: Lydia Klingenhagen hat bei ihren Kunden schon viel Vorfreude auf die neuen Möglichkeiten gespürt. Von Montag an, darf in ihrem Geschäft Scharrn 3 nach Terminvergabe gestöbert werden. Foto: Friederike Niemeyer

Während Geschäfte mit Waren des täglichen oder medizinischen Bedarfs auch im Lockdown ihre Kunden bedienen konnten, war der restliche Einzelhandel auf Online-Verkauf, Lieferservice sowie sogenanntes Click & Collect angewiesen, also digitale oder telefonische Bestellung und Abholung an der Ladentür. Jetzt gibt es unter dem Stichwort Click & Meet sogenanntes Terminshopping nach Anmeldung. Der Kunde darf sich dann für eine Stunde im Laden umschauen, etwas anprobieren und sich beraten lassen. Dabei darf ein Kunde pro 40 Quadratmeter Ladenfläche eingelassen werden – vor dem Lockdown war es ein Kunde pro zehn Quadratmeter. Die Kontaktdaten müssen dokumentiert werden.

Gemischte Resonanz

Peter Schmüser, Geschäftsführer von Lübbecke Marketing, hat bei den heimischen Händlern eine gemischte Resonanz auf diese Möglichkeit wahrgenommen. „Jeder ist froh, dass er mehr machen darf als das Abholangebot, aber es gibt noch keine Erfahrung, ob sich das wirtschaftlich rechnet“, sagt Schmüser. Allerdings hätten die vergangenen Wochen und Monate durchaus gezeigt, dass viele Lübbecker ihren Geschäften vor Ort die Treue halten wollen. „Das ist eine positive Grundlage dafür, dass das Terminshopping funktionieren kann.“ Noch besser, so Schmüser, wäre eine richtige Öffnung der Läden bei schärferer Quadratmeter-Begrenzung gewesen. „Dann wäre es mehr das alte Shopping-Erlebnis.“ Aber durch die Terminvergaben solle wohl gerade in größeren Städten erreicht werden, dass die Busse nicht so voll sind, sagt Schmüser. Eine echte Öffnung des Einzelhandels sei wohl erst ab 6. April erwartbar.

Um die Mitgliedsbetriebe von Lübbecke Marketing mit einer Werbeaktion zu unterstützen, gibt es am Samstag in der Fußgängerzone ein Fotoshooting.

Click & Meet

Daran nimmt auch Lydia Klingenhagen von Scharrn 3 teil. „Ich freue mich, überhaupt wieder Kunden in mein Geschäft lassen zu können“, sagt sie. Einige Anmeldungen habe sie bereits. „Viele sind dankbar, sich wieder unverbindlich umsehen zu können“, sagt Lydia Klingenhagen. Sie hatte ihr „Kontor der schönen Dinge“ durchgängig sorgfältig dekoriert, weil viel Kunden sich im Schaufenster über ihr Sortiment informiert hätten, sagt sie. „Seit der Schnee weg ist, ist das Interesse deutlich gewachsen.“

Kerstin Westerhold von „Lieblichkeiten“ in der Niedernstraße hat ihre Mode bis jetzt vor allem mit Hilfe sozialer Medien an die Frau gebracht. Etwa indem sie auf Kundenwunsch eine Vorauswahl fotografiert und zum Abholen bereitgestellt hat. „Aber Click & Meet ist auch für die Kunden eine echte Verbesserung“, sagt Westerhold. „Die wollen sich die Sachen nicht von uns rausreichen lassen, sondern eine echte Beratung.“

Beratung ist auch das Stichwort von Heiko Weigelt. Ihm gehört das Ofenstudio Vogt am Kreisel. Er freut sich, seine Ausstellung mit bis zu 100 Kaminöfen nun nach Terminvergabe öffnen zu können. „Ein Ofen begleitet einen Jahrzehnte. Den möchte der Kunde sehen und spüren.“ Derzeit behilft sich Weigelt mit Besuchen bei den Kunden, hat Kataloge und Schablonen dabei, die die Geräte veranschaulichen sollen.

Buchhandel geöffnet

Ganz unabhängig von den Corona-Inzidenzen darf Andreas Oelschläger seine Bücherstube komplett öffnen, für etwa 15 bis 20 Kunden. Ganz genau weiß er das noch nicht. In jedem Fall soll wieder seine Ladenampel für ausreichend Abstand beim Stöbern sorgen.

Seine Freude über die unverhoffte Gleichstellung des Buchs mit Gütern für den täglichen Bedarf – „Ich sehe hier meinen kulturellen Auftrag“ – ist aber getrübt angesichts vieler benachbarter geschlossener Läden mit ebenfalls guten Hygienekonzepten. Er mahnt auch zur Vorsicht angesichts der Pandemielage. „Die Lockerungen sind wieder sehr kurzfristig. Mir wäre es lieber gewesen, noch eine Woche zu warten und die Teststrategie zur Absicherung der Öffnungen besser zu etablieren. Ich befürchte ein Hin und Her.“

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