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So., 02.07.2017

Die Neuen im Landtag, Teil 8: Thomas Röckemann (52) aus Minden sitzt für die AfD im Landtag Polizist, Anwalt, Abgeordneter

Eine abstrakte Justitia-Figur steht auf seinem Schreibtisch: Thomas Röckemann in seiner Mindener Kanzlei.

Eine abstrakte Justitia-Figur steht auf seinem Schreibtisch: Thomas Röckemann in seiner Mindener Kanzlei. Foto: Oliver Schwabe

Von Friederike Niemeyer

Minden (WB). Er war Polizeibeamter, arbeitet jetzt als Rechtsanwalt und sitzt für die AfD im Landtag.

Mit Thomas Röckemann aus Minden wird ein Quereinsteiger Berufspolitiker, der in seinen wenigen Jahren in der AfD schon sehr aktiv war. Der 52-jährige Fachanwalt für Ehe- und Familienrecht sowie Verkehrsrecht ist seit 2014 im Kreistag Minden-Lübbecke und seit 2015 einer von neun Richtern am Bundesschiedsgericht der AfD.

Dort beschäftigt er sich mit Rügen, Ämtersperren oder Parteiausschlüssen. Mit dem Verfahren um den Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke nach seiner Dresdner Rede habe er aber nichts zu tun. »Ich fand die Rede vom Zeitpunkt her sehr unglücklich«, sagt Röckemann.

Mit Teerfarben-Bombe beworfen

Die Neuen im Landtag

Neun Politiker aus OWL sind zum ersten Mal im Parlament, vier von der CDU, zwei von der SPD und AfD und ein Liberaler. In einer Serie stellt das WESTFALEN-BLATT sie vor.

Bisher erschienen: Matthias Goeken (CDU) aus Höxter, Markus Wagner (AFD) aus Bad Oeynhausen, Christina Weng (SPD) aus Minden, Stephen Paul (FDP) aus Herford, Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU) aus Delbrück, Bianca Winkelmann (CDU) aus Rahden, Ellen Stock (SPD) aus Lage.

Dass seine Partei polarisiert, hat Röckemann bei etlichen Protesten gegen Veranstaltungen der Kreis-AfD erlebt und kurz vor der Landtagswahl auch persönlich erfahren. Da wurde seine Kanzlei im Mindener Problem-Stadtteil Bärenkämpen, in der er Partner ist, mit einer Teerfarben-Bombe beworfen. Der Staatsschutz ermittelt. Auch als Nazi sei er schon beschimpft worden. »Unerträglich«, nennt der vierfache Familienvater das. Dennoch erfahre er auch viel Unterstützung in seinem Umfeld für sein Engagement, auch beruflich habe er bislang noch keine Nachteile erlebt.

Den Vorwurf, dass er selbst oder Parteikollegen durch ihre Form der Kommunikation etwa im Internet zur Verrohung in der politischen Debatte beitrügen, weist Röckemann zurück. »Ich bin bei Facebook nicht für das verantwortlich, was andere schreiben«, begründet er, warum er Entgleisungen anderer unter seinen Statements nicht löscht. »Ganz unerträgliche Dinge verberge ich aber.« Die Grenze in der Debatte sei für ihn die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Starke Stimme für die OWL-AfD

Gemeinsam mit Markus Wagner aus Bad Oeynhausen will Röckemann im Landtag eine starke Stimme für die OWL-AfD sein. Ihn störe nicht, dass er in Düsseldorf »unter« Marcus Pretzell als Fraktionsvorsitzendem arbeiten wird. Der Mindener hatte gegen den Landesvorsitzenden bei der Kür des Spitzenkandidaten kandidiert und mit mehr als 40 Prozent der Delegiertenstimmen einen Achtungserfolg eingefahren. Er habe seine eigenen Ideen, und hätte das Thema Einwanderung im Wahlkampf stärker betont, sagt Röckemann. »Ich bin unterlegen und beiße nicht nach. Wir haben ein superkollegiales Verhältnis.«

Der 52-Jährige interessiert sich vor allem für die Arbeit im Rechtsausschuss und im Ausschuss für kommunale Angelegenheiten. Er möchte, dass das Thema Abschiebungen in den Vordergrund gerückt wird. Aber auch in der Schulpolitik habe die Flüchtlingskrise Auswirkungen.

Abschiebungen in Vordergrund rücken

Es tauge nichts, wenn Flüchtlingskinder nach kurzen Integrationsphasen direkt in die Klassen kommen. »Um gemeinsam mit den anderen Kindern beschult werden zu können, sind gleiche Fähigkeiten notwendig. Sie sollten außerhalb unterrichtet werden, bis sie folgen können«, sagt Röckemann. Er hat aktuelle Schulerfahrung nicht nur über seine Kinder, sondern auch als Rechtskundelehrer am Gymnasium.

»Das erdet. Da hinterfragt man sich und seine Ansichten«, sagt er. Als Polizeihauptwachtmeister bewegt ihn auch das Thema Innere Sicherheit. »Wir besetzen Positionen, die nichts anderes sind als das, was die CDU vor 20 Jahren gesagt hat. Aber es ist ein Unterschied, ob man etwas sagt oder es auch tut.«

Lieblingssportart Handball

Seiner Ansicht nach habe es schon vor der Einwanderungswelle zu wenig Polizisten in NRW gegeben. Noch mehr Einwanderung würde bedeuten, dass noch mehr Polizei gebraucht werde, meint Röckemann. Den Ansatz, mehr Migranten für den Polizeidienst auszubilden, hält er für falsch, für einen typisch deutschen vorauseilenden Gehorsam. Röckemann pocht auf die Anpassung der bei uns lebenden Ausländer.

Zu seiner Lieblingssportart Handball kommt Thomas Röckemann heute nicht mehr. Mit acht Jahren bei Eintracht Jahn und GWD Minden angefangen, hat er vom Kreisläufer bis Außenspieler viele Positionen besetzt, bis in die Bezirksliga. Heute geht er als Ausgleich gerne zur Jagd, am liebsten mit seinen Kindern. »Ich habe auch Kinder, damit sie im Alter für mich sorgen. Ich traue der Rente nicht«, sagt Röckemann. »Das können Sie ruhig so schreiben.«

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