Fr., 12.10.2018

Mühlenkreiskliniken ziehen Bilanz und kritisieren Krankenkassen Mehr Kosten, geringerer Ertrag

Die Herbstsonne durchflutet die Südmagistrale des Johannes-Wesling-Klinikums. Die beiden Vorstände der Mühlenkreiskliniken Dr. Kristin Drechsler und Dr. Olaf Bornemeier haben gestern die Bilanz für 2017 vorgestellt – mit positivem Gesamtergebnis.

Die Herbstsonne durchflutet die Südmagistrale des Johannes-Wesling-Klinikums. Die beiden Vorstände der Mühlenkreiskliniken Dr. Kristin Drechsler und Dr. Olaf Bornemeier haben gestern die Bilanz für 2017 vorgestellt – mit positivem Gesamtergebnis. Foto: Friederike Niemeyer

Von Friederike Niemeyer

Minden/Lübbecke (WB). Das Rekordergebnis von 2016 haben die Mühlenkreiskliniken nicht wieder erreicht. Statt 6,1 Millionen Euro stehen 1,7 Millionen Euro als Gewinn in den Büchern. Der Vorstandsvorsitzende Dr. Olaf Bornemeier ist dennoch nicht unzufrieden: »Wir gehören immer noch zu der Hälfte der kommunalen Krankenhäuser, die nicht defizitär arbeitet.«

Bei der Vorstellung der Jahresbilanz Donnerstag in Minden ordnete Bornemeier dies so ein: Das 2016er Ergebnis sei auch deshalb so hoch gewesen, weil viele Stellen nicht besetzt werden konnten, die durch das Wachstum der vergangenen Jahre geschaffen wurden. Dies sei nun geschehen. Außerdem habe es Lohnsteigerungen gegeben. Dennoch: Auch für 2018 erwartet Bornemeier ein positives Konzernergebnis.

Ergebnisse der Standorte

Für die Krankenhäuser in Minden, Lübbecke-Rahden und Bad Oeynhausen müssen die Mühlenkreiskliniken zwar Einzelergebnisse vorlegen (Klinikum Minden 2 Millionen Euro plus; Krankenhaus Lübbecke-Rahden 660.000 Euro plus; Krankenhaus Bad Oeynhausen 657.000 Euro minus), dies sei aber wenig aussagekräftig, so Bornemeier. Viele Dienste wie etwa Labor, Küche oder Sterilisation würden zentral für alle Standorte betrieben, was in der Abrechnung ein schiefes Bild ergeben würde.

Kritik an säumigen Krankenkassen

Das Konzernergebnis würde besser aussehen, wenn die Krankenkassen ihren Zahlungspflichten zügiger nachkommen würden, sagte Bornemeier. Der Vorstandsvorsitzende und seine Kollegin Kristin Drechsler sprachen von einer systematisch zunehmenden Überprüfung der Abrechnung. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) zweifele mittlerweile ein Fünftel aller Rechnungen an, in knapp 17 Prozent der Fälle müssten die MKK auf Geld verzichten. Drechsler: »Oft werden nur Kleinigkeiten bemängelt, nur um erstmal die ganze Rechnung nicht bezahlen zu müssen. Manchmal wird auch einfach in Zweifel gezogen, dass ein Notfallpatient bei uns behandelt werden musste. Dann haben wir zwar Diagnostik und Behandlung durchgeführt, bekommen dafür aber keinen Cent«.

Auf 32 Millionen Euro belaufen sich die Forderungen gegenüber den Krankenkassen. Es werde ein enormer administrativer Aufwand notwendig, Überbrückungskredite müssten aufgenommen werden, dabei sollten eigentlich nur begründete Einzelfälle geprüft werden. Bornemeier: »Das kann nicht gewollt sein. Das ist Ausdruck einer Misstrauenskultur, die das Prinzip der Krankenhausselbstverwaltung generell gefährdet.«

Vorstand lehnt Personalgrenzen ab

Sorge für die weitere Entwicklung des Konzerns bereitet dem MKK-Vorstand auch die von Gesundheitsminister Spahn geplante Personaluntergrenze. »Wir lehnen das ab«, sagte Olaf Bornemeier. »Das mindert unsere Handlungsfähigkeit.« Die Pflegedienstleiter vor Ort könnten besser beurteilen, wie viele Pflegekräfte zur Versorgung benötigt werden »als ein Ministerialbeamter im fernen Berlin von seinem Schreibtisch aus«. Medizinvorstand Kristin Drechsler befürchtet, dass feste Mindestgrenzen zu einer Verschlechterung der Versorgung führen werden. Sie nannte das Beispiel der Neugeborenenstationen, wo solche Regeln dazu führen könnten, dass Risiko-Schwangere kurz vor der Geburt nicht aufgenommen werden könnten.

Investitionen stehen an

Wichtige Zukunftsthemen für die Mühlenkreiskliniken sind weitere Investitionen in die bauliche Substanz sowie in die Notaufnahmen der Krankenhäuser in Lübbecke und Bad Oeynhausen. In der Kurstadt ist jetzt ein Fachplaner damit beauftragt, diskussions- und entscheidungsfähige Pläne für eine Zusammenlegung von Auguste-Viktoria-Klinik und Krankenhaus zu erarbeiten.

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