Do., 13.06.2019

Arbeitgeberverband Minden-Lübbecke: Robert Falch ist neuer Vorsitzender Das Netzwerk namens Heimat

Amtswechsel im Vorstand des Arbeitgeberverbandes Minden-Lübbecke (AGV). Robert Falch (links) ist zum neuen Vorsitzenden gewählt worden, Vorgänger Sven Hohorst rückte in die Stellvertreter-Riege, die unter anderem von Alfred Dalpke und Dr. Henrik Follmann verstärkt und AGV-Geschäftsführer André M. Fechner unterstützt wird. Referent bei der Hauptversammlung des Verbandes war der renommierte Münchener Soziologe Armin Nassehi (3. von links).

Amtswechsel im Vorstand des Arbeitgeberverbandes Minden-Lübbecke (AGV). Robert Falch (links) ist zum neuen Vorsitzenden gewählt worden, Vorgänger Sven Hohorst rückte in die Stellvertreter-Riege, die unter anderem von Alfred Dalpke und Dr. Henrik Follmann verstärkt und AGV-Geschäftsführer André M. Fechner unterstützt wird. Referent bei der Hauptversammlung des Verbandes war der renommierte Münchener Soziologe Armin Nassehi (3. von links).

Minden (WB/hjA). »Von Heimat ist erst die Rede, wenn sie längst verloren ist.« Deutlich formulierte der renommierte Soziologe und Wahl-Münchener Armin Nassehi vor Mitgliedern und Gästen des Arbeitgeberverbandes (AGV) Minden-Lübbecke seine Sichtweise auf Heimat.

Der Titel seines Vortrags bei der Jahreshauptversammlung des AGV in Minden klang etwas sperrig: »Wie entsteht ein ›Hier‹? Warum nur verteilte Intelligenz Lösungen schafft«. Was der Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität München und in nahezu allen deutschen Medien begehrte Gesprächspartner am Mittwochabend präsentierte, war ein kurzweiliger populärwissenschaftlicher Ausflug in das Netzwerk namens Heimat. »Und die ist keine theoretische, sondern eine praktische Angelegenheit.«

Regionale Identitäten haben Potenzial

Wie praktisch, wurde bei vielen Beispielen deutlich, die der 59-Jährige gab, der in Gelsenkirchen und Münster aufgewachsen ist und vor 21 Jahren nach München kam. »Der Nationalstaat, Europa oder gar die Welt sind viel zu groß dafür, um Heimat zu sein.« So beschrieb der gefragte Wissenschaftler, der auf Einladung von AGV-Vorstand Robert Falch in den Mühlenkreis gekommen war, das Entstehen von regionalen Identitäten und das Potenzial, das dahintersteckt. Mit der Erkenntnis: »Heimat ist da, wo ich sein kann, ohne das weiter begründen zu müssen.«

Eine Region wie der Mühlenkreis sei ein gesellschaftlicher Mikrokosmos, in dem auch all die großen Themen im Fokus stünden, sagte Armin Nassehi. Ob Wohnraum, Arbeit oder Bildung, Migration und Integration, die sozialen Fragen, die Infrastruktur, der Verkehr oder die Freizeitangebote. Vor allem aber auch die politische Repräsentation, die Teilhabe und das Engagement beispielsweise über das Vereinswesen. Eine hohe ökonomische Potenz und Wohlstand seien weitere bedeutende Faktoren.

Hauptthema ist Teilhabe

Dabei verwies er auch auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, wie die Wahlerfolge der Alternative für Deutschland (AfD). Untersuchungen hätten ergeben, dass nicht die Migration das Hauptthema sei, das die Menschen zur AfD führte. »Sondern es ist die Teilhabe, wenn sie als defizitär erlebt wird.«

Das Entstehen des »Hier« sieht der Soziologe in der verteilten Intelligenz. Als Beispiel nannte er die Perspektivenübernahme des Anderen in Gesprächen. »Das Hier sind die Austauschprozesse und die praktische Übersetzungsleistung.« Diese werde auch von den Unternehmen geleistet. Sie seien zudem eine der zentralen Institutionen im lokalen Raum.

So dienten Unternehmen als Integrationsangebote und Laboratorien für neue gesellschaftliche Formen vor Ort. Von zentraler Bedeutung sei hier die Identitätsstiftung durch Kontinuität. Identität bedeute Zusammenhalt und so entstehe Heimat durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen gesellschaftlichen Intelligenzen. Nassehis Aufforderung zum Abschluss seines Vortrages: »Zentrale Identitäten müssen lokal zusammenarbeiten.«

Neuer Vorsitzender gewählt

Die dem Vortrag vorausgegangene Jahreshauptversammlung des Arbeitgeberverbandes Minden-Lübbecke nutzten die Mitglieder zur turnusmäßigen Wahl des Vorstandes. In dem gibt es eine Veränderung. Nach drei Jahren Amtszeit als Vorsitzender machte Sven Hohorst (Wago Kontakttechnik) – im Rahmen eines Generationswechsels – den Stuhl frei für den bisherigen Stellvertreter Robert Falch (Minda Industrieanlagen). Hohorst rückte in die Riege der Stellvertreter, zu denen Alfred Dalpke (Dalpke Group), Dr. Henrik Follmann (Follmann-Gruppe), Armin Gauselmann (Gauselmann-Gruppe), Patrick Jacob (Jacob Group), Dr. Michael Pütz (Harting-Technologiegruppe) und Anja Ruschmeier (BeCo Matratzen) gehören.

Stechuhr-Urteil beschäftigt Wirtschaft

Eines der Hauptthemen bei der Versammlung war das sogenannte »Stechuhr-Urteil« des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) . »Das ist ein breites gesellschaftliches Thema, gerade auch in der digitalen Welt, das alle an einen Tisch fordert«, erklärte der neue AGV-Vorsitzende Robert Falch gegenüber dieser Zeitung. Die Mitglieder seien nervös. Es sei nicht klar, wie die deutsche Wirtschaft die Anforderungen 1:1 umsetzen solle.

Falch betonte: »Wir werden die weitere Entwicklung mitgestalten, nicht reagieren.« Denn jetzt bestünde die Chance, die Ausformung des Urteils in der nationalen Gesetzgebung positiv zu beeinflussen. »Das wird für die Unternehmen eine Herausforderung sein.«

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