CDU-Abgeordnete Kirstin Korte (Minden) ist Mitglied im WDR-Rundfunkrat
„Das geht mir gegen den Strich“

Minden/Köln (WB). Die CDU-Landtagsabgeordnete Kirstin Korte aus Minden ist Mitglied im WDR-Rundfunkrat und hat in einem Brief an WDR-Intendant Tom Buhrow das  Lied des WDR-Kinderchors mit der Zeile „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ kritisiert. Die 64-jährige Landespolitikerin ist auch Großmutter und als ehemalige Grundschullehrerin erfahren im Umgang mit Kindern. Andreas Schnadwinkel hat mit Kirstin Korte über das Video und die Konsequenzen daraus gesprochen.

Dienstag, 31.12.2019, 01:54 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 08:10 Uhr
Dieses Standbild aus dem Video zeigt die Aufnahmen mit etwa 30 Mädchen des WDR-Kinderchors. Die Debatte über das Lied mit der Zeile „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ geht unvermindert weiter und nimmt an Schärfe zu. Foto:
Dieses Standbild aus dem Video zeigt die Aufnahmen mit etwa 30 Mädchen des WDR-Kinderchors. Die Debatte über das Lied mit der Zeile „Meine Oma ist ‘ne alte Umweltsau“ geht unvermindert weiter und nimmt an Schärfe zu.
Kirstin Korte.

Kirstin Korte.

Warum haben Sie dem WDR-Intendanten Tom Buhrow geschrieben?

Kirstin Korte : Mir geht es darum, dass die Spaltung der Gesellschaft, die man mit einer solchen Art und Weise betreibt, unsäglich ist. Ich habe kein Problem mit Satire, wobei dieses Lied keine Satire ist. Aber ich habe ein Problem damit, wenn Kinder instrumentalisiert werden. Und das ist hier der Fall. Und deswegen habe ich in meinem Brief an Tom Buhrow geschrieben, dass Kinder in dem Alter weder Humor noch Satire verstehen können. Das produzieren die Kinder nicht selbst, sie sind über das, was sie dort singen, gar nicht im Klaren. Und es handelt sich nicht um Jugendliche, sondern um Kinder.

Fühlen Sie sich als Oma von dieser vermeintlichen Satire angesprochen oder verunglimpft?

Korte : Nein, persönlich erreicht mich das nicht. Ich finde diese Respektlosigkeit im Umgang miteinander völlig daneben. Dabei ist es mir egal, ob da Großeltern, Eltern oder Kinder angesprochen werden. Die Aktion geht mir gegen den Strich, weil man so etwas einfach nicht macht. Mich stört vor allem, dass man die Folgen überhaupt nicht bedacht hat.

Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld?

Korte : Auf meiner Facebook-Seite ist viel los, weil ich den Brief an den WDR-Intendanten öffentlich gemacht habe. Ich habe mich natürlich mit Kollegen aus dem Rundfunkrat ausgetauscht. Mein persönliches Umfeld ist über den Vorgang entsetzt. Darüber, dass so etwas überhaupt entstehen kann und gesendet wird. Das geht nicht für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunksender, der sich aus Zwangsbeiträgen finanziert. Das muss man dabei immer betonen.

Hat Tom Buhrow auf Ihren Brief schon reagiert?

Korte : Nein, das erwarte ich auch so kurzfristig nicht. Der WDR-Intendant hat jetzt sicher anderes zu tun.

Sie fordern, dass die für das Lied und das Video Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Was verlangen Sie konkret?

Korte : Ich erwarte erst einmal, dass ganz exakt dokumentiert wird, wie dieser Beitrag entstanden und wer für die Veröffentlichung verantwortlich ist. Dafür muss es ja einen zuständigen Redakteur geben. All diese Hintergründe müssen aufgedeckt werden. Ich bin nicht der Mensch, der andere Menschen vorverurteilt. Ich will nur wissen, wer welche Verantwortung dafür trägt. Und das sollte aus meiner Sicht dann auch personelle Konsequenzen haben. In welcher Form das arbeitsrechtlich geht, kann ich jetzt natürlich noch nicht beurteilen.

Was erwarten Sie, wie die nächste Sitzung des WDR-Rundfunkrates verlaufen wird?

Korte : Die Mitglieder des Rundfunkrates haben ein Recht auf Information. Insofern erwarte ich bei der nächsten Sitzung am 24. Januar in der Sache Aufklärung.

In Ihrem Brief an Tom Buhrow erwähnen Sie auch einen anderen Fall, in dem Besucher eines Weihnachtsmarktes von einer 1Live-Moderatorin pauschal beleidigt worden sind. Wie erfahren Sie von solchen Fällen?

Korte : Ich gehe mit meiner Funktion im Rundfunkrat nicht hausieren. Wer es weiß, der meldet sich bei mir, wenn etwas auffällt. Ich bekomme eine Vielzahl von E-Mails, in denen mich Bürgerinnen und Bürger auf Entgleisungen im WDR-Programm aufmerksam machen. Auch zu dem Tweet des WDR-Mitarbeiters Danny Hollek haben mir schon viele Leute geschrieben.

Der WDR-Skandal wird wahrscheinlich auch Einfluss auf die Forderungen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nach höheren Gebühren haben, oder?

Korte : Ja, das sehe ich auch so. Es geht nicht darum, die Unabhängigkeit der Medien oder die Freiheit der Kunst in Frage zu stellen. Es geht darum, bei offenkundigen Entgleisungen einzugreifen. Ich kann von den Bürgern nicht erwarten, dass sie so etwas goutieren. Die Reaktionen zeigen doch, dass die Leute für solche Entgleisungen kein Verständnis haben.

Kommentare

Michael Pein  schrieb: 04.01.2020 07:18
Bösartige Entgleisung
Diese Art journalistische Entgleisung, durch die ich auch meine Frau und mich sowie viele unsere Altersgenossen beleidigt sehe, muss ernsthafte Konsequenzen haben. Mehr Respektlosigkeit vor Menschen, die ihr Leben lang für ihre Familien gearbeitet haben, habe ich noch nicht erlebt !
Monika Behrendt  schrieb: 03.01.2020 16:40
Umweltschutz durch Umweltsau
Ich habe mich zwar schon über Facebook geäußert,aber das Lied lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Ich bin 81 Jahre alt,Großmutter von7 Enkeln und 3Urenkeln . Ich war Lehrerin und habe mit meinen Schülern auch gern gesungen .Wir hatten Freude am Singen , wenn ich den Text höre und die Gesichter der Chorkinder sehe , wird mir angst und bange. Sie wissen sehr genau,was sie da singen und sehen fast aus , als wollten sie uns „ Umweltsäue“ gleich ins Aus jagen - da ist gehörig Hirnwäsche betrieben worden ! Es darf auf keinen Fall einfach als kleiner Fehler durchgehen,denn die Kinder wurden missbraucht und wir Omas beleidigt !! Auch ich werde mich gegen die Zwangsgebühr wehren , die erst heute von meinem Konto abgezogen wurde .
2 Kommentare
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