Mutmaßliche Terrorgruppe soll Moscheen im Blick gehabt haben
Polizei kennt Verdächtige als Reichsbürger und Neonazi

Minden (WB). Die mutmaßliche Rechtsterroristen ahnten nicht, dass sie seit langem observiert wurden. Stunden, bevor Spezialkräfte am frühen Freitagmorgen in das Haus von Thomas N. (55) in Minden eindrangen und ihn festnahmen, teilte er um 22.37 Uhr auf seiner Facebookseite noch einen letzten Post: „Widerstand ist der einzige Weg! Wir bleiben unbeugsam!“

Dienstag, 18.02.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 18.02.2020, 06:52 Uhr
Ein Polizist hat das Auto von Thomas N. in Minden durchsucht und ein Messer sichergestellt. Foto: Christian Althoff
Ein Polizist hat das Auto von Thomas N. in Minden durchsucht und ein Messer sichergestellt.

Thomas N. wird vom Generalbundesanwalt zu einer fünfköpfigen Gruppe gezählt, die Anschläge auf Politiker, Flüchtlinge und Muslime geplant haben soll. Unter anderem sollen sechs Moscheen in kleineren Städten mögliche Ziele gewesen sein. Acht Unterstützer soll die Gruppe gehabt haben, darunter den Bauhandwerker Markus K. (35) aus Minden und den Lageristen Ulf R. (46) aus Porta Westfalica. Damit ist der Kreis Minden-Lübbecke geographischer Brennpunkt dieses mutmaßlichen Terrornetzwerkes.

Insgesamt sitzen seit Samstag bundesweit zwölf Verdächtige in Untersuchungshaft.

Der Kern der Gruppe soll sich in Internet-Chats radikalisiert und sich im September zum ersten Mal persönlich in der Nähe von Stuttgart getroffen haben. Da sollen die Sicherheitsbehörden aber bereits Bescheid gewusst haben, weil einer der Männer als Informant für den Verfassungsschutz gearbeitet haben soll. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es am Montag nicht.

Fliesenleger Thomas N. gilt als Reichsbürger

Thomas N. aus Minden soll eigenen Facebook-Angaben zufolge aus Güterglück in Sachsen-Anhalt stammen. Der selbständige Fliesenleger ist den Sicherheitsbehörden seit längerem bekannt. Er gilt als Reichsbürger – als jemand, der die Bundesrepublik für illegal hält. „Alle Wahlen in der BRD sind ungültig!“, veröffentlichte er kürzlich auf Facebook. Er teilte Post, in denen von der „Vernichtung der weißen Rasse“ durch Juden die Rede ist, und in denen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als „verbrecherische Kreatur“ bezeichnet wird. Auf seinem Firmenwagen steht: „Ich bin Bürger des Deutschen Reiches und nicht Mitarbeiter der Firma BRD.“ Nachbarn erzählen, es habe schon früher Polizeieinsätze an seinem Haus gegeben.

Bei der Razzia am Freitag, an der auch Beamte des Bielefelder Staatsschutzes beteiligt waren, sollen im Haus von Thomas N. in Minden-Kutenhausen unter anderem ein Schwert und Schusswaffen gefunden worden sein, deren Funktionsfähigkeit aber noch überprüft werden sollte.

Markus K. soll an Neonazi-Aufmärschen teilgenommen haben

Was aus der Mindener Wohnung des mutmaßlichen Unterstützers Markus K. mitgenommen wurde, wurde bislang nicht öffentlich bekannt. Auch K. steht seit langem in den Akten des Bielefelder Staatsschutzes. Der Mindener tauchte unter anderem wiederholt als Ordner bei Neonazi-Demos in Magdeburg auf, wo Rechtsextremisten regelmäßig im Januar an die Bombardierung der Stadt durch Alliierte erinnern. Und er soll an Neonazi-Aufmärschen in Hamm teilgenommen haben, die von Sascha Krolzig („Die Rechte“) organisiert wurden.

Den angeblich brisantesten Fund machten Kriminalbeamte in Porta Westfalica, nicht weit vom verfallenen Bergwerk Kleinenbremen entfernt. Hier soll der Lagerist Ulf R., verheiratet und zweifacher Vater, selbstgebaute Granaten gehortet haben – angeblich im Haus seiner Eltern, wo er mit seiner Familie im Dachgeschoss wohnte. Am Freitagnachmittag führte er Polizisten dann zu einem Wald in Sichtweite seines Hauses. Ob dort etwas gefunden wurde – dazu wollte ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft am Montag nichts sagen. Die Polizei ahnte offenbar, was sie in Porta Westfalica erwartete, denn sie hatte am Freitag ein Entschärfungskommando zur Razzia mitgebracht.

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