Sa., 16.05.2020

Kreisdirektorin Cornelia Schöder leitet den Corona-Krisenstab und will noch keine Entwarnung geben Keine Angst vor Entscheidungen

Cornelia Schöder leitet den Corona-Krisenstag.

Cornelia Schöder leitet den Corona-Krisenstag.

Von Friederike Niemeyer

Minden (WB). Seit gut einer Woche schaut die Nation beim Thema Corona-Infektionen nicht mehr nur Linie auf Kurven, Balkendiagramme und R-Zahlen. Seit die Lockerungen der Schutzmaßnahmen an konkrete Grenzwerte in den Kreisen gekoppelt sind, geht der Blick auch auf eine Deutschlandkarte mit drei oder vier dunklen Flecken. Solch ein „Fleck“ – ein Kreis mit mehr als 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern – soll Minden-Lübbecke nicht werden. Das ist das Ziel der Arbeit von Cornelia Schöder, Leiterin des Corona-Krisenstabes im Mühlenkreis.

So etwas wie die Corona-Pandemie hat auch Cornelia Schöder noch nicht erlebt. Die 57-jährige Kreisdirektorin ist in ihrem Verantwortungsbereich in der Kreisverwaltung seit gut 20 Jahren auch mit der Koordination des Rettungswesens und Katastrophenschutzes betraut. Schwierige Lagen mit großem Gefährdungspotenzial für die Menschen sind ihr also vertraut. „Die Pandemie ist aber schon außergewöhnlich, wenn man etwa an die gesellschaftlichen Auswirkungen denkt“, sagt Schöder im Gespräch mit dieser Zeitung.

Die Entscheidungen, die ihr Krisenstab bereits jetzt und auch künftig zu treffen hat, sind für Cornelia Schöder ganz naheliegend. Treten viele Neuinfektionen auf, müsse zunächst gefragt werden, ob dies mit einem eingrenzbaren Hotspot zu tun hat oder ob die Infektionen ganz verteilt auftreten. „Geht es beispielsweise um ein Altenheim, ist die Lage begrenzt und es müssen dafür Maßnahmen ergriffen werden. Gibt es Ansteckungen im ganzen Kreis, dann müssen dafür passende Lösungen gefunden werden“, sagt Schöder.

Täglicher Lagebericht

Solche angemessenen Lösungen zu finden, ist für die Kreisdirektorin kein Hexenwerk. Dass dafür die Verantwortung vor Ort im Kreis liege sei normal, sagt Schöder und nennt das Beispiel Haus Morgenglanz, das Altenheim in Minden. Dort wurden die Betroffenen in Quarantäne geschickt und Besuche verboten. Hinzu komme eine eingespielte Meldestruktur über die Bezirksregierung zum NRW-Gesundheitsministerium, beziehungsweise zum Landeszentrum für Gesundheit, das schon über die täglichen Lageberichte an die Bezirksregierung um das Geschehen vor Ort Bescheid wisse.

Dass im Kreis Coesfeld mit seinem Infektionsherd im Westfleisch-Schlachthof die allgemeinen Lockerungen für den ganzen Kreis aufgeschoben wurden, hält die Minden-Lübbecker Kreisdirektorin für sehr rigoros. Denn eigentlich sei dieses Infektionsgeschehen gut eingrenzbar.

Die gehäuften Infektionen in Kliniken und Heimen sowie die Massentests im Lübbecker Schlachthof hätten ihr sehr sorgenvolle Tage beschert, gibt die Krisenstabsleiterin zu. Dabei kann die Corona-Lage im Kreis derzeit positiv stimmen. Die Fälle im Haus Morgenglanz oder die Westfleisch-Testung verdecken ein wenig, dass seit längerem deutlich mehr Patienten genesen als erkranken. Bis die ersten Covid-19-freien Kommunen zu vermelden sind, wird es wohl nur noch Tage dauern. „Wir wissen aber nicht, ob es so ruhig bleibt“, sagt Cornelia Schöder auch mit Blick auf das Diagnose- und Behandlungszentrum vor dem Wesling-Klinikum. Dort sei derzeit wenig los. Dennoch werde an dem Zen­trum für die Abstriche und an der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten festgehalten.

Präventive Tests

Auch die allgemeinen Regelungen gelten weiter, erläutert Cornelia Schöder. So wird noch 14-tägige Quarantäne verhängt und so wird nur getestet, wer mögliche Covid-19-Symptome zeigt. Ausnahmen sind das Testen von neuen Bewohnern in Altenheimen und Neuaufnahmen im Krankenhaus sowie gesondert angeordnete Massentests wie bei Westfleisch. Präventiven Tests von allen Mitarbeitern in Gesundheitseinrichtungen, wie sie Virologen und auch der Bundesgesundheitsminister fordern, steht die Krisenstabsleiterin skeptisch gegenüber: „Das sind nur Momentaufnahmen. Schon am nächsten Tag kann ein negativ Getesteter positiv sein.“ Wie sich die vor zwei Wochen eingeführten Lockerungen im Infektionsgeschehen auswirken? Darauf antwortet Cornelia sehr persönlich: „Ich bin froh, zu sehen, dass viele Menschen die Abstands- und Hygieneregeln verinnerlicht haben. Aber ich sehe auch manchen, der vorsichtiger sein könnte. Und wenn ich an den bald wieder möglichen Sport denke, bin ich doch noch skeptisch.“

Die Infektionsketten nachzuhalten, wird wohl noch lange Aufgabe des Kreises bleiben, ist die Einschätzung von Cornelia Schöder. Dafür gebe es breite personelle Unterstützung, etwa von Studenten oder den Krankenkassen, auch wenn etwas mehr Fachpersonal gut tun würde, wie Schöder meint. Ob aber dauerhaft ein Krisenstab tagen müsse oder der Katastrophenschutz dies erledigen könnte, sei letztlich eine organisatorische Frage. Da spricht wieder die Kreisdirektorin aus Cornelia Schöder.

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