Diskussion um Kampa-Halle: CDU und SPD wollen keine „Sanierung light“
Politik fordert eigenes Gutachten

Minden (hjA). SPD und CDU im Kreistag machen sich für ein neues Gutachten über die Möglichkeiten des begrenzten Weiterbetriebs der Kampa-Halle in Minden stark. Das erklärten die Vorsitzenden der beiden Fraktionen, Birgit Härtel und Detlef Beckschewe, am Mittwoch vor Journalisten.

Donnerstag, 11.06.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 12:32 Uhr
Erstliga-Handball – dafür ist die Kampa-Halle nicht mehr dauerhaft geeignet. Der Betrieb könnte aber zumindest für eine Übergangszeit noch weitergehen. Foto:
Erstliga-Handball – dafür ist die Kampa-Halle nicht mehr dauerhaft geeignet. Der Betrieb könnte aber zumindest für eine Übergangszeit noch weitergehen.

Nach dem Abrissbeschluss vom Dezember 2019 für die 50 Jahre alte Kreissporthalle und den sich seither ergebenden Unsicherheiten und Unstimmigkeiten aufgrund bis vor kurzem unbekannter Gutachteninhalte stehe die Politik nun vor der Frage, ob etwas verändert werden muss, beschrieb Härtel die Ausgangslage. Die Politik sei sich nicht mehr ganz sicher, wie weit sie der Kreisverwaltung in Sachen Kampa-Halle noch vertrauen könne, betonte Beckschewe: „Jetzt geht es darum, Sicherheit zu schaffen.“

Vertrauen in die Kreisverwaltung ist angeknackst

So soll, nachdem bereits zwei Brandschutzgutachter die Halle in Augenschein genommen hatten, eine weitere Überprüfung der Sport- und Eventhalle durch einen unabhängigen Gutachter erfolgen. Der Unterschied: War bislang die Kreisverwaltung Auftraggeber, will nun die Politik das Zepter in die Hand nehmen. „Wir ergreifen die Initiative“, so Beckschewe. Dabei hoffen SPD und CDU, dass die anderen Fraktionen im Kreistag mitziehen, erklärte Härtel.

Am Ende der erneuten Begutachtung soll möglichst eine Antwort auf die Frage stehen, ob die Kampa-Halle für eine gewisse Übergangszeit ohne großen Kostenaufwand weiter betrieben werden kann und in welchem Umfang. „Wir wollen keine Sanierung light“, schließt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Ulrich Pock Millioneninvestitionen aus. „Wir wollen die Sicherheit haben, ob noch etwas geht“, so Birgit Härtel. Die Vorsitzende des Kreis-Ausschusses für Sicherheit, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Brigitte Sawade-Meyer (CDU), könnte sich dabei eine Art Stufenplan vorstellen: „Ist noch Schulsport möglich, gibt es Trainingsmöglichkeiten für Vereine, sind Events in einem bestimmten Maße möglich?“

So oder so: Multihalle soll auf jeden Fall kommen

Einig sind sich dabei Sozial- und Christdemokraten aber auch, dass es nicht um die Fragestellung geht: Kampa-Halle oder neue Multifunktionshalle? Beide Fraktionen wollen sich für die Errichtung der Multihalle auf dem rechten Weserufer weiterhin einsetzen. Im Dezember hatte der Kreistag mit großer Mehrheit bereits eine Unterstützung des Kreises in Höhe von maximal 14,5 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Bestärkt in ihrer Haltung sehen sich die beiden Kreistagsfraktionen durch die Stadt Minden und das Unternehmen Melitta. Sowohl Mindens Bürgermeister Michael Jäcke als auch Unternehmer Jero Bentz haben deutlich gemacht, dass sie an der neuen Eventhalle festhalten wollten – auch unter den veränderten wirtschaftlichen Bedingungen aufgrund der Corona-Pandemie.

Birgit Härtel erinnerte daran, dass eine sanierte, aber alte Kampa-Halle mittelfristig dem zurzeit heimatlosen Handballbundesligisten GWD Minden auf Dauer nicht weiterhelfen würde. Denn die Liga verlangt besonders vor dem Hintergrund von TV-Übertragungsrechten Voraussetzungen, die auch eine sanierte Kampa-Halle nicht erfüllen würde.

Kurzfristiges Gutachten soll bis Herbst Ergebnisse liefern

CDU und SPD zeigten sich gestern optimistisch, dass der Auftrag für ein neues Gutachten kurzfristig erteilt werden kann. Beckschewe hofft dabei, die Ergebnisse schon im September/Oktober auf dem Tisch liegen zu haben. Angesichts der aktuellen Entwicklungen sind sich die beiden Fraktionen nicht sicher, ob Montag im Kreistag ein Errichtungsbeschluss für eine Leichtbausporthalle für die Mindener Berufskollegs gefasst werden kann. Ohnehin sieht sich die Politik nicht unter Entscheidungsdruck. Ulrich Pock: „Der Bedarf für eine solche Halle wird von den Schulen erst zum Schuljahr 2021/2022 gesehen. Da können wir auch noch im Herbst entscheiden.“

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