Kandidaten der Landratswahl 2020: Anna-Katharina Bölling (CDU) aus Minden – mit Video
Sie hat den „frischen Blick von außen“

Minden (WB). Keine Veranstaltungen mit prominenten Parteifreunden, kein zwangloser Plausch bei kühlen Getränken und heißen Würstchen, keine Diskussionsrunden in vollen Sälen – die Corona-Pandemie drückt auch dem Kommunalwahlkampf 2020 ihren Stempel auf. CDU-Landratskandidatin Anna-Katharina Bölling bedauert es besonders, nicht direkt persönlich in Kontakt zu anderen Menschen treten zu können. „Auf Menschen zuzugehen, ist sicher eine meiner Stärken“, sagt die 40-jährige Mindenerin.

Freitag, 07.08.2020, 23:40 Uhr
Anna-Katharina Bölling in der Mindener Altstadt: Die 40-jährige Christdemokratin ist derzeit Sozialdezernentin im niedersächsischen Landkreis Uelzen, zuvor war sie im Bremer Stadt- und Landesparlament Referentin für Gesundheit und Soziales. Nun möchte sie gerne in ihrem Heimatkreis, in dem sie mit Familie und Hund lebt, aktiv mitgestalten und Landrätin werden. Foto: Friederike Niemeyer
Anna-Katharina Bölling in der Mindener Altstadt: Die 40-jährige Christdemokratin ist derzeit Sozialdezernentin im niedersächsischen Landkreis Uelzen, zuvor war sie im Bremer Stadt- und Landesparlament Referentin für Gesundheit und Soziales. Nun möchte sie gerne in ihrem Heimatkreis, in dem sie mit Familie und Hund lebt, aktiv mitgestalten und Landrätin werden. Foto: Friederike Niemeyer
Neuer Landrat gesucht

Der Landrat repräsentiert den Kreis Minden-Lübbecke mit seinen 310.000 Einwohnern. Er oder sie leitet die Kreisverwaltung mit etwa 1500 Mitarbeitern, führt den Vorsitz im Kreistag und ist Leiter der Kreispolizeibehörde und des Verwaltungsrats der Mühlenkreiskliniken. Amtsinhaber Dr. Ralf Niermann (SPD) tritt nach 13 Jahren am 13. September nicht mehr an. Es gibt vier Bewerber. Das WESTFALEN-BLATT stellt sie vor. Nach Anna-Katharina Bölling (CDU) folgen Ingo Ellerkamp (SPD), Siegfried Gutsche (Grüne) und Thomas Röckemann (AfD).

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Zu ihren Charakterzügen gehört aber sicher auch, nicht bei dem stehen zu bleiben, was nicht geht. Anna-Katharina Bölling schaut darauf, was möglich ist. Dazu gehört die Präsenz in den sozialen Medien genauso wie der klassische Haustür-Wahlkampf, Plakate und Straßenstände sowie Unternehmensbesuche, Radtouren oder ein gemeinsamer Spaziergang am Mittellandkanal. „Der verbindet ja den gesamten Kreis“, sagt sie. Man merkt: Das Denken in Altkreisen möchte sie überwinden.

Mutter von Zwillingen

Jetzt wirbt Anna-Katharina Bölling darum, als Landrätin „gestalten statt verwalten“ zu können. Das habe der Mühlenkreis dringend nötig, ist sie überzeugt. Und als Mutter ihrer wenige Monate alten Zwillinge Emma und Emil wisse sie auch, wofür sie etwas erreichen will. „Die Kinder bedeuten unendliches Glück und geben mir viel Kraft für die neue Aufgabe“, sagt sie. Dank guter Rollenaufteilung mit ihrem Mann hoffe sie, in der Frage Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch ein Vorbild sein zu können. Und dann gibt es noch einen kleinen Seitenhieb: „Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans ist frisch im Amt auch Vater von Zwillingen geworden und wurde nie danach gefragt. Da war es ganz selbstverständlich, dass er das schafft.“

„Einen frischen Blick von außen“ will Anna-Katharina Bölling mit ins Kreishaus bringen. Immerhin hat sie berufliche Stationen in Stuttgart, Warschau und Bremen hinter sich. Und als Sozialdezernentin in Uelzen gehört Erfahrung in leitender Funktion in einer Kreisverwaltung auch zu den Pfunden, mit denen sie wuchern kann. Sie bringe auch Ideen mit, wie sich bundesdeutsche oder europäische Förderprogramme besser für Minden-Lübbecke nutzen lassen, um so beispielsweise auch einmal ein richtiges Leuchtturmprojekt finanziert zu bekommen, sagt sie.

Standortmarketing gemeinsam

Denn die Weiterentwicklung des Kreises hat für Anna-Katharina Bölling hohe Priorität. Die Bedeutung des kommunalen Gesundheitswesens werde sicher durch Corona steigen, die Wirtschaft problematische Zeiten erleben. „Grundsätzlich aber verfügt der Kreis über eine unheimlich starke Wirtschaft“, sagt die CDU-Kandidatin. Anknüpfend an die Standortinitiative „Überlandflieger“ sagt Bölling: „Ich bin ein großer Verfechter, dies mit den Kommunen auszubauen. In Süddeutschland werben Regionen gemeinsam für Fachkräfte – so kann man Erfolg haben.“ Denn auch wenn Corona jetzt alles überlagere: Der demografische Wandel werde stärker zuschlagen, als es sich die meisten vorstellen würden, und da sei die Fachkräftegewinnung wichtig, um die Wirtschaftskraft im Kreis weiterentwickeln zu können.

Fachkräfte und Standortmarketing werden auch beim Thema Gesundheit immer wichtiger, ist die Sozial- und Gesundheitsdezernentin überzeugt. Die medizinische Fakultät in Bielefeld sei ein Schritt, aber noch nicht genug. Denn, so Bölling, „80 Prozent der jungen Mediziner lassen sich dort nieder, wo sie erste Berufserfahrungen gesammelt haben“. Insofern müsse der Kreis deutlich machen, dass er neben einer Spitzenversorgung an der Uni-Klinik auch tolle niedergelassene Ärzte mit Ausbildungsmöglichkeiten vorweisen könne.

„Behördengänge vom Sofa aus“

Bei den Mühlenkreiskliniken sieht Bölling das Problem der zurückgehenden Überschüsse. Es müsse daran gearbeitet werden, dass dennoch die anstehenden Investitionen wie der Krankenhausneubau in Bad Oeynhausen oder die Notaufnahme in Lübbecke aus eigenen Mitteln klappen. Als Landrätin und Verwaltungsratschefin der Mühlenkreiskliniken wolle sie sich für die wohnortnahe Versorgung an den bestehenden Standorten stark machen. Nicht jedes Verwaltungsratsthema sei etwas für eine öffentliche Diskussion, aber es gebe hier auch politische Fragen und da sei der Landrat gefordert, das nicht auszusitzen, sondern voranzugehen.

Zwar schätzt Anna-Katharina Bölling es, den Sonntags-Tatort im Fernsehen zu schauen und eine gedruckte Zeitung zu lesen. Aber sie nutzt die Möglichkeiten von Handy-Apps oder Computer-Software gerne. „Behördengänge vom Sofa aus“ sei ein wichtiges Stichwort, um die Kreisverwaltung digital nach vorne zu bringen. „Es ist für mich auch eine Frage von gleichwertigen Lebensverhältnissen in Stadt und Land, wenn eine Stemweder Familie nicht für einen Elterngeld-Antrag nach Minden fahren muss“, sagt Bölling. Der Deutsche Städte- und Gemeindetag habe errechnet, dass sich etwa 575 Verwaltungsdienstleistungen digitalisieren ließen. Zudem gehörten die Arbeitsabläufe in der Verwaltung auf den Prüfstand. „Eine Mammutaufgabe“, sagt sie selbst.

Offener Führungsstil

Mit einem offenen Führungsstil – „ich möchte keine Teppichetage, durch die alle mit gesenktem Haupt gehen“ – möchte Anna-Katharina Bölling nicht nur innerhalb des Kreishauses für Motivation sorgen, sondern auch anders auf die heimischen Bürgermeister zugehen: „auf Augenhöhe“.

Vertrauensverlust zwischen Kreisverwaltung und Politik sieht Bölling als eines der Kernprobleme bei der Kampa-Halle und der Frage, ob sie saniert werden solle. Deshalb sei es auch richtig, ein neues Gutachten abzuwarten. Durch Corona verschiebe sich die Zeitachse ohnehin. Wichtig ist der CDU-Frau, die Kreiszuschüsse für die neue Halle an Bedingungen zu knüpfen. Und dass der beteiligten Wirtschaft zugesichert werde, dass die Kampa-Halle keine Konkurrenz zu der neuen Veranstaltungs- und Sporthalle werde.

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