Vor der Stichwahl am 27. September beziehen die beiden Minden-Lübbecker Landratskandidaten Stellung
Anna Katharina Bölling (CDU) oder Ingo Ellerkamp (SPD)? Wer regiert im Kreishaus?

Minden (WB). Die Kommunalwahl am 13. September hat in der Frage, wer neuer Landrat des Kreises Minden-Lübbecke wird, keine Entscheidung gebracht. Überraschend weit vorne lag am Wahlsonntag die CDU-Bewerberin Anna Katharina Bölling . Der SPD-Kandidat Ingo Ellerkamp wird nun darauf hoffen, dass er von vielen Wählern des Grünen-Kandidaten Siegfried Gutsche die Stimme erhält.

Freitag, 25.09.2020, 07:00 Uhr aktualisiert: 26.09.2020, 07:32 Uhr
Stichwahl im Mühlenkreis (Symbolbild: die Bockwindmühle in Petershagen-Neuenknick). Foto: Salome Kegler/dpa
Stichwahl im Mühlenkreis (Symbolbild: die Bockwindmühle in Petershagen-Neuenknick). Foto: Salome Kegler/dpa

Der Kreisverband der Bündnisgrünen hat allerdings keine Wahlempfehlung abgegeben.

Bei der Stichwahl an diesem Sonntag, 27. September, wird es aber auch auf die Wahlbeteiligung ankommen. 2014 betrug diese bei der Landratsstichwahl nur 24,6 Prozent.

Um die Wahlentscheidung zu erleichtern, hat das WESTFALEN-BLATT den Kandidaten noch einmal Fragen gestellt.

Warum sind Sie der oder die Richtige für das Landratsamt?

Anna Bölling: Als Sozialdezernentin verfüge ich über Führungs- und Leitungserfahrung in einer Kreisverwaltung. Ich kenne das vielfältige Aufgabenspektrum eines Kreises. Zudem war ich zehn Jahre in Politik und Verwaltung auf kommunaler und auf Landesebene in verschiedenen Bundesländern tätig und bin damit bestens auf das Amt der Landrätin im Kreis Minden-Lübbecke vorbereitet. Ich bin hier im Mühlenkreis zuhause, habe aber gleichzeitig den frischen und unverbrauchten Blick von außen auf unseren Heimatkreis. In die Kommunalpolitik möchte ich mehr Kommunikation, Tatkraft und Entschlossenheit bringen.

Anna Bölling (40) aus Minden ist derzeit Sozialdezernentin beim Landkreis Uelzen. Als Kandidatin der CDU hat sie am 13. September 46,3 Prozent erreicht.

Anna Bölling (40) aus Minden ist derzeit Sozialdezernentin beim Landkreis Uelzen. Als Kandidatin der CDU hat sie am 13. September 46,3 Prozent erreicht. Foto: Gabriela Peschke

Ingo Ellerkamp: Wenn man sich überlegt, was ein Landrat können und mitbringen sollte, dann biete ich das beste Paket. Davon bin ich überzeugt. Sympathisch, unverbindlich und gesprächig zu sein – das allein reicht nicht. Ich habe die nötige Kompetenz in den verschiedensten Aufgabenfeldern, Führungserfahrung in der Region und ich weiß, was los ist auf unseren Dörfern und in unseren Städten. Ich bin der Richtige, wenn es gilt, allen Städten und Gemeinden Gehör zu verschaffen, auch hier im Altkreis Lübbecke, und sie bei der Kreisentwicklung zu berücksichtigen. Mein Ansatz: Verbindlichkeit und ehrliche Arbeit ohne Zirkus.

Ingo Ellerkamp (46) aus Petershagen ist Baudezernent bei der Stadt Lübbecke. Sein Ergebnis bei der Landratswahl am 13. September: 31,5 Prozent.

Ingo Ellerkamp (46) aus Petershagen ist Baudezernent bei der Stadt Lübbecke. Sein Ergebnis bei der Landratswahl am 13. September: 31,5 Prozent. Foto: www.markopriske.de

Womit möchten Sie die Wähler überzeugen, die am 13. September für den Grünen Siegfried Gutsche gestimmt haben?

Anna Bölling: Ich stehe für Dynamik und einen kommunikativen Neuanfang im Kreis. Ein einfaches „Weiter so“ wird es mit mir als Landrätin nicht geben. In den nächsten Jahren möchte ich diesen Kreis nicht nur verwalten, sondern auch gestalten. Ich möchte die zweite weibliche Landrätin in NRW werden. Thematisch stehe ich für eine Stärkung des Gesundheitsstandortes, intelligente Mobilitätskonzepte sowie die bessere überregionale Vermarktung des Mühlenkreises und Digitalisierung. Auch jungen Familien möchte ich hier im Kreis ein Zuhause geben.

Ingo Ellerkamp: Anders herum: Ich sehe keinen vernünftigen Grund, weshalb sie mich nicht wählen sollten. Die mit Abstand größten thematischen Schnittmengen mit Siggi Gutsche findet man bei mir. Denken Sie nur an Klimaschutz oder Mobilität. Wenn es um persönliche Aspekte geht, bin ich kein Freund davon, andere zu kritisieren. Deshalb beschränke ich mich darauf herauszustellen, was ich mitbringe und worauf sich die Menschen bei mir verlassen können: Kompetenz, Belastbarkeit, ein Herz für den gesamten Kreis und klare Positionen.

Seit dem Brand auf Lesbos ist die Flüchtlingskrise wieder präsenter. Sollte der Kreis in diesem Bereich aktiver werden?

Anna Bölling: Das Leid der Menschen auf Lesbos ist für die Bundesrepublik eine humanitäre Verpflichtung. Ich bin überzeugt, dass wir die Zustände in den Lagern dort beenden müssen. Wir brauchen allerdings grundsätzlich eine europäische Lösung für dieses europäische Thema. Ich unterstütze die Bemühungen des Bundes und der Länder, insbesondere unbegleitete und kranke Kinder und Jugendliche aus Moria aufzunehmen. Dies kann grundsätzlich nur im Einvernehmen mit den Städten und Gemeinden geschehen.

Ingo Ellerkamp: Machen wir uns nichts vor, es gibt nicht nur Lesbos. Was dort und anderswo im Mittelmeerraum passiert, muss Europa, Deutschland und jeden einzelnen von uns beschämen. Hier geht es um nichts weniger als die Menschenwürde. So wichtig Fragen von Europa oder Zuständigkeiten auch sind, dürfen die in einer solchen Situation nicht die notwendige Hilfe verhindern. Auch der Kreis sollte hier in enger Abstimmung mit den Kommunen mehr tun. Recht und Gesetz und menschliche Verpflichtung dürfen kein Widerspruch sein.

Die Corona-Fallzahlen steigen auch bei uns wieder. Ist dauerhaft mehr Personal im Kreis-Gesundheitsamt erforderlich?

Anna Bölling: Als Geschäftsführerin des größten niedersächsischen Gesundheitsamtes ist mir das Thema Fachkräftemangel im öffentlichen Gesundheitsdienst bestens bekannt. In die Personalstruktur des hiesigen Gesundheitsamtes habe ich aktuell keinen Einblick. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass alle Arbeitsbereiche der Kreisverwaltung mit genug Personal ausgestattet sein sollten. Kommen neue Aufgaben – wie eine permanente Pandemiebekämpfung – hinzu, ist zu prüfen, inwieweit mehr Personal erforderlich ist und gegebenenfalls nachzubessern.

Ingo Ellerkamp: Davon gehe ich aus, ja. Corona wird uns weiter beschäftigen, und die aufgeworfenen Fragen von Hygiene, Infektionsgeschehen und Risikomanagement werden nicht wie von Zauberhand verschwinden, wenn es einen Impfstoff gibt. Uns ist vor Augen geführt worden, dass wir auf das Unvorhergesehene vorbereitet sein müssen. Die Gesundheit der Menschen ist das höchste Gut, und da verbietet es sich, auf Kante zu nähen. Das wird nicht umsonst zu haben sein, und darüber müssen wir eine offene, ehrliche und transparente Diskussion führen.

Der Lückenschluss der Bahnlinie Bielefeld-Rahden in Richtung Bremen hat viele Unterstützer. Was kann ein Landrat tun, um die Verantwortlichen bei der Bahn zum Handeln zu bewegen?

Anna Bölling: Mobilität macht vor Kreisgrenzen nicht halt. Vor dem Hintergrund des Klimawandels brauchen wir intelligent vernetzte Mobilitätsangebote. Der Ausbau noch bestehender Schienenprojekte liegt mir sehr am Herzen. Bereits im Wahlkampf habe ich mit dem Bremer Landtagspräsidenten und dem Aktionsbündnis Eisenbahn Bassum-Bünde über den Ausbau gesprochen. Ich werde prüfen lassen, inwieweit Fördermittel von Bund und Land dafür zur Verfügung stehen. Dazu habe ich gute Kontakte in die Verkehrsministerien in NRW und Niedersachsen.

Ingo Ellerkamp: Nun ja, jedenfalls hilft es nichts, sich auf die Schienen zu setzen… Aber im Ernst, man muss den Menschen reinen Wein einschenken, denke ich. Es gibt viele Unterstützer, und ich bin einer davon. Aber es gibt eben auch Widerstände, und die rechtlichen Hürden sind hoch. Und auch wenn es wichtig ist, dass der Landrat sich in der Sache stark macht, ist sein Einfluss auf Bund, Land und Bahn doch begrenzt. Wer an dieser Stelle vollmundige Versprechungen macht, handelt in meinen Augen unredlich.

Ganz konkret: Welche drei touristischen Projekte würden Sie als Landrat gerne umsetzen?

Anna Bölling: Für mich steht im Vordergrund, die Arbeit des Kreises eng mit den Kommunen zu verzahnen: Ich möchte den Mittellandkanal und sein Umland für touristische Zwecke weiterentwickeln, z. B. mit Schwerpunkt Wassersport. In Zusammenarbeit mit Niedersachsen kann ich mir vorstellen, die Große Aue für naturnahen Tourismus weiterzuentwickeln. Im Osten des Kreises ist aus meiner Sicht eine Entwicklung der kulturtouristischen Angebote rund um die Porta Westfalica sinnvoll.

Ingo Ellerkamp: Erstens einen Radweg entlang des Mittellandkanals und dazu ein einheitliches Fahrradverleihsystem. Zweitens eine kreisweite TouristCard, mit der alle Ausflugsziele, Attraktionen, Museen und so weiter besucht werden können. Und ganz persönlich könnte ich mir im Altkreis Lübbecke einen Kletterpark oder Baumwipfelpfad sehr gut vorstellen, um unser schönes Wiehengebirge noch besser erlebbar zu machen.

 

 

 

 

 

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