Do., 03.01.2019

Jahresbilanz des Aktionskomitees: Auch die Zahl von 74 Brutpaaren im Kreis Minden-Lübbecke ist ein Rekord Störche ziehen 166 Junge groß

Lebensfreude auf einem Horst in Petershagen-Jössen: Die Storchenhauptstadt von Nordrhein-Westfalen beherbergt allein 26 der 329 Brutpaare des Landes. In Jössen gibt es mittlerweile so viele Störche, dass sich bald eine Kolonie bilden könnte.

Lebensfreude auf einem Horst in Petershagen-Jössen: Die Storchenhauptstadt von Nordrhein-Westfalen beherbergt allein 26 der 329 Brutpaare des Landes. In Jössen gibt es mittlerweile so viele Störche, dass sich bald eine Kolonie bilden könnte. Foto: Frank Marske

Petershagen/Lübbecke (WB/fn). 2018 ist für die heimischen Weißstörche erneut ein Rekordjahr gewesen. Es gab mehr Brutpaare im Kreisgebiet und mehr Jungvögel. Storchenexperte Alfons Bense bilanziert: »eine rundum bemerkenswert positive Storchensaison, die von gleich drei Fünfer-Bruten gekrönt ist, eine jahrzehntelange Seltenheit«.

Die Vogel- und Umweltschützer der Aktionskomitees »Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke« hat in diesem Jahr 74 brütende Paare gezählt, neun mehr als im Vorjahr. 166 Jungtiere sind ausgeflogen, noch einmal 31 mehr als die Höchstzahl von 2017. Erstaunliche Zahlen, wenn man sich erinnert, dass es 1990 in ganz NRW nur noch drei verbliebene Brutpaare in der Petershäger Weseraue gab, jetzt sind es 329.

Der Trockenheit zum Trotz

»Der Anstieg betrifft die westziehende Storchenpopulation insgesamt, doch wohl nirgendwo in Deutschland fiel der Anstieg so deutlich aus wie in Nordrhein-Westfalen, darunter besonders im Kreis Minden-Lübbecke und in der Stadt Petershagen«, sagt Alfons Bense. »Das Aktionskomitee wird sich nicht ausruhen, darf aber erleichtert und froh über das Erreichte sein.«

Alfons Bense ist stellvertretender Vorsitzender des Aktionskomitees Rette t die Weißstörche.

Der große Bruterfolg 2018 ist auch deshalb so bemerkenswert, weil die Störche es mit ungewöhnlichen Wetterlagen zu tun hatten. Wegen des anfangs milden Winters kamen bereits Mitte Februar viele »Spanienüberwinterer« wieder in den Kreis zurück. Der heftige Kälteeinbruch vertrieb die Tiere von ihren Horsten an den Hiller Badesee und eine Tongrube, wo sie in einer »Notgemeinschaft« als Gruppe überlebten.

Als dann um Pfingsten herum die große langanhaltende Trockenheit einsetzte, verzogen sich die Regenwürmer – die Babynahrung der Störche – in tiefe Bodenschichten. Die meisten Bruten waren zu dieser Zeit aber schon aus dem Gröbsten raus. Es gingen weniger Jungvögel verloren, als befürchtet, berichten die Storchenfreunde.

Verdichtungstendenz

Die Weißstörche breiten sich im Kreisgebiet langsam aber sicher nach Westen aus, Resultat der Wiedervernässung und naturnaher Bewirtschaftung von Grünflächen, so dass genügend Nahrung für die Tiere vorhanden ist. Dazu kommt, dass sich dort, wo es bereits viele Störche gibt, weitere ansiedeln. Von Verdichtungstendenz spricht das Aktionskomitee und nennt als Beispiel insbesondere Nordrhein-Westfalens »Storchenhauptstadt« Petershagen. Zu den 23 Brutpaaren dort sind 2018 drei weitere gekommen.

Im Ortsteil Jössen wurden in vier Horsten Jungstörche großgezogen. Zwei Horste bauten die Vögel ohne Nisthilfen spontan auf dem First einer Scheune sowie einem Schornstein des Pionier-Wasserübungsplatzes. Bense: »Man darf gespannt sein, ob es zu einer Koloniebildung im eigentlichen Sinne kommen kann.« Auch in Lübbecke Gehlenbeck finden drei Paare ausreichend Lebensraum, doch sind die Distanzen zwischen den einzelnen Standorten nicht so kurz wie in Jössen.

Horst auf Kapelle gebaut

Hille ist mit 17 Paaren ebenfalls storchenreich. Besonders zeigt sich dies in Unterlübbe, wo mit den Standorten Köhlte (Fisser-Hülsmeier), Köhlterholz (Fa. Eskate) und Harthekel (Fa. Prieß und Horstmann) nistende Störche beobachtet wurden. Das Köhlter Paar gab spät in der Trockenheit auf, möglicherweise durch Rotmilane gestört. An ihren Ringen konnte dann nachgewiesen werden, dass sie auf den Turm der Friedhofskapelle etwa 400 Meter entfernt umgezogen waren. Sie bauten dort ohne Unterlage einen stattlichen Horst, zur Eiablage konnte es aber nicht mehr kommen. »Gut möglich, dass die Störche in diesem Jahr erneut den Friedhof wählen und der Horst auf dem großen Köhlter Fachwerkgebäude für ein neues Paar frei wird«, erklärt Bense.

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