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Di., 19.08.2014

Airborne-Party auf dem Flugplatz Vennebeck +++ mit Fotostrecke »Sie sind sofort in einer anderen Welt«

Ständig starten und landen Maschinen auf dem Flugfeld. Piloten aus ganz Deutschland besuchen die Airborne-Party auf dem Flugplatz Vennebeck. Einige kommen mit Doppeldeckern aus Süddeutschland – eine Reise, die etwa fünf Stunden dauert.

Ständig starten und landen Maschinen auf dem Flugfeld. Piloten aus ganz Deutschland besuchen die Airborne-Party auf dem Flugplatz Vennebeck. Einige kommen mit Doppeldeckern aus Süddeutschland – eine Reise, die etwa fünf Stunden dauert. Foto: Frank Dominik Lemke

Von Frank Dominik Lemke

Porta Westfalica (WB). Wilde Romantik pur: Bei der Airborne-Party auf dem Flugplatz in Porta Westfalica-Vennebeck haben sich am Samstag Hobbypiloten aus ganz Deutschland getroffen. Die meisten von ihnen kamen mit sogenannten Kiebitz-Doppeldeckern.

»An Tagen wie heute haben wir mehr Flugbewegungen als Hannover«, sagt Flugleiter Andreas Vogt und sieht durch das Fernrohr. Das Funkgerät in seinem Kontrollturm knackt und ein Pilot meldet sich: »Delta, Mike, Sierra« ist gerade noch zu verstehen. Dann folgen unverständliche Worte, die im Rauschen des Äthers untergehen. Andreas Vogt hört hin, wiederholt die Kennung des anfliegenden Flugzeuges und antwortet: »Windgeschwindigkeit 17 Knoten aus 270, Luftdruck 1017 Hektopascal, Anflug über die Porta.«

Das Schwierigste an dem Job, sagt Andreas Vogt, sei herauszuhören, was die Piloten sagen. Besonders bei offenen »Kiebitz«-Doppeldeckern. Die meisten Piloten lieben es, im Wind ohne Haube zu fliegen. Delta, Mike, Sierra, Zulu, Romeo (DMSZR), lautet die Kennung des anfliegenden »Kiebtiz«. Er möchte ohne Queranflug direkt aus Richtung Weser landen.

Im Gegensatz zu den Fluglotsen in Hannover gibt Flugleiter Andreas Vogt die Landebahn nicht frei. Er informiert lediglich, ob sich darauf ein anderes Flugzeug befindet und mit welchen Bedingungen der Pilot rechnen muss. Die Spielregeln sind bei so genannten Hobbypiloten anders. Sie entscheiden auf eigene Verantwortung, ob und wie sie landen.

DMSZR ist einer von etwa 30 Doppeldeckern, die zur Airborne-Party auf dem Flugplatz Vennebeck einfliegen. Der Pilot Burkhard Zach war fünf Stunden unterwegs. In Freiburg in Süddeutschland ist er am frühen Morgen gestartet.

Ein Treffen mit vielen alten Freunden

Hinter dem Propeller seiner »Hanomag« surrt ein Ottomotor der Marke Nissan mit 54 Pferdestärken. Der Auspuff seines Antriebes stammt von einem Renault R4, der Anlasser von einem Renault Valero. Von einem Honda hat das Flugzeug seinen Kühlergrill. Die Fußheizung musste ein Opel hergeben. »Wenn ich mal ein Ersatzteil brauche, rufe ich beim nächsten Autohändler an«, sagt der 46-Jährige.

In Vennebeck trifft er viele alte Freunde. Einer davon ist Gunnar Daub, der mit seinem weißen »Kiebitz« aus Oldenburg eingeflogen ist. Für die etwa 100 Kilometer brauchte er eine Stunde. »Das ist zwar langsam, aber dennoch ist ein ›Kiebitz‹ das schnellste Flugzeug der Welt«, sagt der 65-Jährige und Burkhard Zach ergänzt: »Wie das sein kann? Nun, mit einem Learjet sind sie in einer Stunde in Italien. Mit einer Cessna fliegen sie in einer Stunde 200 Kilometer weit. Doch wenn sie in einen ›Kiebitz‹ einsteigen, sind sie sofort in einer anderen Welt.«

Beide Piloten lieben ihre Maschinen. Burkhard Zach ist im vergangenen Urlaub mit seinem Doppeldecker 1000 Kilometer durch Polen geflogen. Nachts schlief er unter der Tragfläche. Tagsüber schwebte er im Tiefflug an Flussläufen entlang und an Berghängen wieder in die Wolken. Solche Erlebnisse verbinden Pilot und Flugzeug. Gunnar Daub hat ein ähnlich inniges Verhältnis zu seiner Maschine: »Frau und Flugzeug verleiht man nicht. Beide bekommt man gebraucht zurück. Das geht nicht.«

Mehrere hundert Besucher haben die Airborne-Party auf dem Landweg besucht. Kinder staunten über die Männer in den bunt lackierten Flugzeugen. Eltern unterhielten sich mit ihnen über das Fliegen und die Technik. Bei 200 Kilogramm Eigengewicht brauchen die »Kiebitze« kaum Geschwindigkeit, um abzuheben.

Kommendes Wochenende geht es in Vennebeck weiter. Der Flugplatz lädt zum Tag der offenen Tür am Samstag und Sonntag, 23. und 24. August, mit großem Programm ein. Der Eintritt ist frei.

Übrigens, Burkhard Zach hat seinem Flugzeug den Namen »Hanomag« mit einem originalen Emblem des ehemaligen Baumaschinen-Herstellers gegeben. Unter »Hanomag«-Liebhabern hat er sich damit viele Freunde gemacht. Sein Doppeldecker ist nämlich die einzige »fliegende Baumaschine« weltweit.

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