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Fr., 24.10.2014

Streit im Rocker- und Rotlichtmilieu: Bielefelder soll auf Türsteher geschossen haben Bluttat im Bordell vor Gericht

Großeinsatz der Polizei: In diesem Bordell in Porta Westfalica schießt im Februar ein Bielefelder auf einen Türsteher.

Großeinsatz der Polizei: In diesem Bordell in Porta Westfalica schießt im Februar ein Bielefelder auf einen Türsteher. Foto: Christian Mathiesen

Porta Westfalica/Bielefeld (WB). Es geht um Rocker und Türsteher, das Rotlichtmilieu und vielleicht auch um die tiefsitzende Abneigung zwischen Serben und Kosovo-Albanern. Seit Mittwoch verhandelt die 2. Große Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld unter starkem Polizeischutz und besonderen Sicherheitsvorkehrungen in einem nicht alltäglichen Fall.

Angeklagt ist ein 27 Jahre alter Deutsch-Serbe aus Bielefeld, der zum Umfeld der "United Tribuns" gehören soll. Mitglieder dieser Rockerbande haben sich auch am Freitag unbefugt Zutritt zur Diskothek Ego am Werre-Park verschafft. Staatsanwältin Dr. Christiane Holzmann wirft dem ungelernten Hilfsarbeiter gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Der Mann soll am 11. Februar dieses Jahres im Bordell SG Club in Porta Westfalica mit einer halbautomatischen Pistole auf einen kosovarisch-albanischen Türsteher (26) geschossen haben.

Den Angaben des Angeklagten zufolge sei es ein Unfall gewesen. Der Schuss habe sich plötzlich und ungezielt aus der Pistole gelöst. »Ich stand unter Schock, als das passiert ist«, sagte der 27-Jährige. Zudem erklärte der Bielefelder dem Gericht, er habe am Tatabend verschiedene harte Alkoholika und zusätzlich Kokain konsumiert.

Trümmerbruch im rechten Oberschenkel

Das aus Bückeburg stammende Opfer erlitt durch den Schuss einen Trümmerbruch im rechten Oberschenkel und überlebte die Bluttat am späten Abend gegen 22.15 Uhr schwer verletzt. Der Mann, der wiederum mit den Türken-Rockern der Hells-Angels-Gruppierung von den Nomads Turkey verbandelt sein soll, leidet bis heute unter den Folgen der Tat.

Hintergrund der Bluttat im Bordell ist angeblich verletzter männlicher Stolz und gekränkte Eitelkeit des Angeklagten. So schilderte er es der 2. Großen Strafkammer. Der 27-Jährige konnte nicht verkraften, dass er vergangenes Jahr vom späteren Schussopfer und damaligen Türsteher aus dem Zimmer einer Prostituierten hinaus geworfen wurde. Wie der Angeklagte sagte, habe er der Frau beim Ausstieg aus dem Rotlichtmilieu helfen wollen und nur mit ihr geredet. Genau das gefiel dem Türsteher nicht, weil die Prostituierte beim Reden kein Geld für die Zimmermiete verdiente.

»Wenn man in solchen Kreisen verkehrt, auch mit Kutte, ist der Respekt sehr wichtig«, erklärte der 27-Jährige der 2. Großen Strafkammer, dass er sich vom Türsteher »kleingemacht« fühlte. Denn: »Er hat mich ausgelacht.«

Am Abend des Tattages sahen sich die beiden Kontrahenten bei einem Rockertreffen in einem Bielefelder Restaurant wieder. Trotz eines Händedrucks war die Situation angespannt. Der Bordell-Türsteher weigerte sich, das Abendessen gemeinsam mit dem Bielefelder an einem Tisch einzunehmen und setzte sich demonstrativ weg.

Noch am selben Abend will der Angeklagte von einer polizeibekannten Größe der kriminellen Szene zur Bluttat aufgestachelt worden sein. Der Mann soll dem 27-Jährigen auf einem Supermarkt-Parkplatz die Tatwaffe übergeben haben. Er könne sich das Verhalten des Türstehers nicht gefallen lassen und solle ihm in die Beine schießen, soll die Szenegröße gesagt haben. Daraufhin habe sich der Angeklagte von einem Freund zum Bordell fahren lassen.

Halbautomatische Pistole vom Kaliber neun Millimeter

Die Tatwaffe, eine halbautomatische Pistole vom Kaliber neun Millimeter, ist bis heute verschwunden. Der Angeklagte sagte vor Gericht, er habe die Pistole unmittelbar nach der Bluttat an Bekannte verkauft. Zwei Tage nach dem Schuss im Bordell stellte sich der 27-Jährige mit seinem Anwalt. Als Polizisten seine Wohnung durchsuchten, stellten sie einen Teleskopschlagstock und ein leeres Pistolenhalfter sicher.

Urteil für 13. November erwartet

Der Prozess wird am 5. November fortgesetzt. Das Urteil wird für den 13. November erwartet. Bereits am ersten Verhandlungstag wurde dem Angeklagten vom Vorsitzenden Richter, Dr. Georg Zimmermann, eröffnet, dass ihm die Sicherungsverwahrung droht. Grund dafür sind die Vorstrafen des Bielefelders.

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