6000 Bauern unterschreiben Petition gegen umstrittene Plakataktion – mit Video
Rote Karte für Hendricks

Porta Westfalica (WB). Die umstrittene Plakatkampagne des Bundesumweltministeriums ist zwar abgesetzt. Doch die provozierenden »Bauernregeln« wirken nach. In Porta Westfalica bekam Ministerin Dr. Barbara Hendricks (SPD) am Freitag den Ärger der Landwirte zu spüren.

Freitag, 17.02.2017, 19:48 Uhr aktualisiert: 20.02.2017, 10:55 Uhr
»So nicht« steht auf den roten Karten, die Landwirte aus OWL der Umweltministerin Barbara Hendricks entgegen halten. Sie weist die Vorwürfe zurück und fordert eine andere staatliche Förderung, die erbrachte Gemeinschaftsleistungen belohne. Foto: Oliver Schwabe
»So nicht« steht auf den roten Karten, die Landwirte aus OWL der Umweltministerin Barbara Hendricks entgegen halten. Sie weist die Vorwürfe zurück und fordert eine andere staatliche Förderung, die erbrachte Gemeinschaftsleistungen belohne. Foto: Oliver Schwabe

Kreisverbandstag des WLV mit Bundesministerin Dr. Barbara Hendricks MdB

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Ihr Auftritt beim Kreisverbandstag war lange vor dem Streit um die Plakate vereinbart worden. Hermann Glammeier (25) kam – wie zwei, drei andere – mit dem Schlepper nach Porta . »Viele Freunde haben mich auf die Plakataktion angesprochen. Das war ein echter Schlag«, erklärte Glammeier. Doch dann kann er ihr sogar etwas Gutes abgewinnen: »So solidarisch wie bei dieser Aktion sind wir Bauern nicht immer.«

Auf den Plakatentwürfen, die die Bauern so erbosten, hieß es unter anderem: »Gibt’s nur eine Pflanzenart, wird’s fürs Rebhuhn richtig hart.« Und: »Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein.« Der Landwirtschaftsverband Westfalen-Lippe sammelte 6000 Protest-Unterschriften, die der Präsident Johannes Röring Hendricks zur Begrüßung überreichte.

Rote Karten in die Höhe

350 Delegierte reckten zur Bestätigung rote Karten in die Höhe. Mehrmals betonte Röring die Gesprächs­bereitschaft des Verbandes, erwähnte dabei auch Vereinbarungen mit NRW-Umweltminister ­Johannes Remmel. Er warnte davor, die Landwirte zurück in eine Wagenburg zu treiben.

Hendricks, die die Kampagne mit der Erklärung stoppte, sie habe die Bauern nicht beleidigen wollen, erklärte in Porta Westfalica , sie werde allerdings weiter für eine Landwirtschaft werben, die naturverträglich sei. Die Gesellschaft müsse bereit sein, die Landwirte dafür zu bezahlen. »Ohne eine Reform – oder besser: Reparatur – der EU-Agrarförderung wird das nicht gehen.« Dafür sprächen auch soziale Gründe.

»Die Familienbetriebe sind das erste Opfer eines Wettbewerbs, in dem das Angebot größer ist als die Nachfrage, und in dem gegen jede marktwirtschaftliche Logik die Produktion trotzdem immer weiter steigt.« Hendricks, die sich auch auf Erfahrungen in ihrem Wahlkreis Kleve berief, kritisierte die aktuelle Landwirtschaftspolitik. Sie orientiere sich »nur an den Bedürfnissen der Agrarkonzerne und der Lebensmittelindustrie«.

Trotz Subventionen kaum Perspektiven

Aber die Menschen im ländlichen Raum hätten trotz der Subventionen kaum noch Perspektiven. Das zu ändern, sei leider nicht ganz einfach, »wenn man um jeden Millimeter an Verbesserungen mit dem Landwirtschaftsminister, der Unionsfraktion und – um das hier ganz deutlich zu sagen – auch mit dem Deutschen Bauernverband ringen muss«.

Als Beispiel nannte sie das neue Düngerecht und den Einsatz von Pestiziden. Bei diesem Thema gab es Pfiffe und Zwischenrufe. Daraufhin Hendricks: »Sie hier im Saal mögen sich an die Vorschriften halten. Aber jeder hier kennt auch andere, die sich nicht daran halten. Machen Sie sich doch nicht selbst etwas vor.« 88 Prozent der Deutschen seien bereit, für Tierschutz mehr zu bezahlen.

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