Prozess gegen eine Frau und drei Männer beginnt mit Geständnis
Brandanschlag sollte »Zeichen gegen Flüchtlinge« sein

Bielefeld (WB). Sozialneid soll der Grund für einen Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Porta Westfalica-Eisbergen gewesen sein.

Mittwoch, 01.03.2017, 09:03 Uhr aktualisiert: 01.03.2017, 09:06 Uhr
Dennis R., einer der Angeklagten, wird in den Saal gebracht. Rechts sein Verteidiger Ulrich Kraft. Foto: Oliver Schwabe
Dennis R., einer der Angeklagten, wird in den Saal gebracht. Rechts sein Verteidiger Ulrich Kraft.

Seit Dienstag müssen sich vier Angeklagte (30 bis 34 Jahre alt) vor dem Bielefelder Schwurgericht verantworten. Ihnen droht eine Verurteilung wegen versuchten Mordes.

Drei der vier Angeklagten machten bereits am ersten von vier angesetzten Verhandlungstagen reinen Tisch und gestanden die Taten. Lediglich der mutmaßliche Kopf des Quartetts, Mario V. (34) aus Porta Westfalica , ließ sich nur zu seinem Lebenslauf vom Gericht befragen und schwieg ansonsten.

Die Schwurgerichtskammer des Bielefelder Landgerichts hatte den Fall übernommen, nachdem das Amtsgericht Minden während der ersten Zeugenaussagen auch von einem gezielten Anschlag auf das Leben der Heimbewohner ausgehen musste. Neben der angeklagten versuchten gemeinschaftlichen schweren Brandstiftung kommt auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht. Der Vorsitzender Richter Christoph Meiring gab gestern den Hinweis, dass die Mordmerkmale der Heimtücke sowie der Gemeingefährlichkeit in Betracht kämen.

Ein umfassendes Geständnis legte Nadine K. (34) ab. Die Frau in der Männerrunde beschrieb ausführlich die Abläufe vom 15. September 2015, dem Tattag. Gemeinsam wurde in der Wohnung des Mitangeklagten Christian W. (34) Alkohol getrunken. Im Gespräch sei man schließlich auf das Thema Flüchtlingszuzug gekommen. »Es muss ein Zeichen gesetzt werden, dass die Flüchtlinge unerwünscht sind« soll laut Aussage der Verkäuferin in der Runde gesagt worden sein. »Die Flüchtlinge bekommen alles für lau, dürfen Taxi und Bahn fahren«, hätte Mario V. gesagt.

Gegen 23 Uhr habe sie schließlich die drei Männer zur Flüchtlingsunterkunft an der Ravensberger Straße gefahren. Was das Trio dort gemacht habe, blieb der 34-Jährigen nach eigener Aussage verborgen. Nur einen hellen Feuerschein im Rückspiegel habe sie erkennen können. Im Auto habe es zwischenzeitlich nach Benzin gerochen. »Ich hatte ein mulmiges Gefühl, da ich wusste, dass sie irgendwas mit einem Molotow-Cocktail gemacht haben«, sagte die Frau.

Die Mitangeklagten Dennis R. (30) und Christian W. ließen über ihre Verteidiger Ulrich Kraft und Günter Weßel mitteilen, dass sie die Tatvorwürfe einräumen. R. habe einen Molotow-Cocktail gegen die Hausfassade geworfen, W. lediglich gegen einen Zaun, da er von der Idee der Brandlegung Abstand nahm. Die Hausbewohner konnten das brennende Benzin selbst löschen. Am Haus entstand kein wesentlicher Schaden.

Beide Angeklagten versicherten, dass V. die treibende Kraft für die Tat gewesen sei. »Mario ist rechts eingestellt. Was er sagt, wird gemacht«, ließ R. mitteilen. Die Polizei konnte in der Wohnung des 30-Jährigen eine Reichskriegsflagge sicherstellen. Über das Facebook-Profil des arbeitslosen Gelegenheitsarbeiters soll rechtes Gedankengut verbreitet worden sein.

Im Falle einer Verurteilung droht den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe. Der Prozess wird am 7. März fortgesetzt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4673873?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198399%2F2643768%2F
Lage am See entspannt sich
Weniger Betrieb war am Sonntag in Godelheim. Foto: Frank Spiegel
Nachrichten-Ticker