Kind ertrinkt in Kita – Hatte Stadt alles richtig kontrolliert?
Ermittlungen gegen Jugendamt

Bielefeld/Porta Westfalica (WB). Fast zwei Jahre nach dem Ertrinken des kleinen Luca in einer Kita in Porta Westfalica gerät jetzt die Stadtverwaltung in den Fokus der Staatsanwaltschaft Bielefeld.

Freitag, 03.03.2017, 18:33 Uhr aktualisiert: 03.03.2017, 18:40 Uhr
Auf dem Kita-Gelände: Auch im ebenerdigen Kunststoffbecken dieses alten Springbrunnens war Wasser. Foto:
Auf dem Kita-Gelände: Auch im ebenerdigen Kunststoffbecken dieses alten Springbrunnens war Wasser.

»Wir haben ein Ermittlungsverfahren gegen eine Jugendamtsmitarbeiterin der Stadt Porta Westfalica eingeleitet sowie gegen namentlich noch nicht bekannte Mitarbeiter des Bauamts«, sagte Staatsanwältin Stefanie Lange am Donnerstag. Es werde geprüft, ob die Beschuldigten gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen hätten.

Der 16 Monate alte Luca war im Juni 2015 in der privaten Kita »Eulennest«, einem früheren Bauernhof, unbemerkt von der Kita-Inhaberin in einen Maurerkübel mit Regenwasser gestürzt und ertrunken. Vor zwei Wochen wurde die heute 37 Jahre alte Frau deshalb wegen fahrlässiger Tötung zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Die Frau hat angekündigt, in Berufung gehen zu wollen.

Hinweise auf Mitverschulden

Die Hinweise auf ein mögliches Mitverschulder der Stadtverwaltung hatten sich in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Minden ergeben. Die Angeklagte hatte ausgesagt, der Maurerkübel, der als Überlaufgefäß für eine Regentonne gedient habe, habe »schon immer« dort gestanden. Sie habe den Hof so von ihren Eltern geerbt und »nichts verändert«.

Wenn das so war – wie konnten der Kübel und mögliche weitere Gefahrenquellen auf dem Gelände den Aufsichtsbehörden entgehen? Eine Jugendamtsmitarbeiterin sagte als Zeugin vor Gericht, die von der Stadt zertifizierte Kita sei zweimal überprüft worden – vom Jugendamt und vom Bauamt. Dabei sei auch der Außenbereich kontrolliert worden. »Aber es ist nicht so, dass wir da in jede Ecke gucken«, erklärte die Frau. Hat das zum Tod des Jungen beigetragen?

Mauerkübel als Spielzeugtruhe

Fest steht: Zum Unfallzeitpunkt kurz nach der letzten Überprüfung befanden sich mehrere Maurerkübel auf dem Grundstück. Sie dienten unter anderem zum Aufbewahren von Spielzeug, in ihnen konnte sich aber auch Regen sammeln. Außerdem gab es im Garten hinter einem Busch einen alten Springbrunnen, in dessen ebenerdigem Becken ebenfalls Wasser stand.

Rechtsanwalt Andreas Chlosta, der Lucas Eltern vertritt, begrüßte gestern die neuen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bielefeld. »Eltern, die ihr Kind in eine Kita bringen, müssen sich darauf verlassen können, dass die Aufsichtsbehörden sorgfältig hingesehen haben. Sonst kann man sich das ganze Genehmigungsverfahren ja sparen.« Für ihn stelle es sich so dar, dass Luca zwar am 15. Juni 2015 gestorben sei, das Unglück aber schon viel früher durch unzulängliche Kontrollen begonnen habe.

Gegen das Urteil hat die frühere Kita-Inhaberin Berufung eingelegt. Das habe die Eltern irritiert, sagte Chlosta.

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