Festival am Kraftwerk in Veltheim am Freitag eröffnet – Programm: Tipps und Änderungen – mit Rückblick auf 42 Jahre Geschichte
»Umsonst & Draußen«: Sicherheitskonzept besteht Feuerprobe

Porta Westfalica/Vlotho (WB). Wolfgang Kuhlmann spricht gerade von der Platzbegehung am Vormittag mit Feuerwehr, Polizei und anderen Rettungskräften, als ein Crew-Mitglied angerannt kommt: »Feuer auf dem Campingplatz.« Eine schwarze Rauchsäule ist in der Ferne zu sehen. Wolfgang Kuhlmann schnappt sich ein Fahrrad. Noch bevor die Feuerwehr eintrifft, ist er an Ort und Stelle.

Freitag, 04.08.2017, 21:04 Uhr aktualisiert: 04.08.2017, 21:12 Uhr
Sind aus Köln gekommen, um an der Weser das »Umsonst & Draußen« zu feiern (von links): Janis, Dennis, Michi, Matti und Lukas freuen sich auf das dreitägige Festival. Foto: Jürgen Gebhard
Sind aus Köln gekommen, um an der Weser das »Umsonst & Draußen« zu feiern (von links): Janis, Dennis, Michi, Matti und Lukas freuen sich auf das dreitägige Festival. Foto: Jürgen Gebhard

Ein am Rande des Campingplatzes auf dem Stoppelfeld abgestellter Opel Corsa steht kurz vor 15 Uhr in Flammen. Festivalbesucher bauen die in der Nähe stehenden Zelte ab. Ein Helfer ist mit einem Schaumlöscher zur Stelle. Kurz darauf treffen zwei Einsatzwagen der Freiwilligen Feuerwehr Porta ein.

Der Brand ist schnell gelöscht. Wolfgang Kuhlmann spricht mit den Einsatzkräften und ist erleichtert, dass niemand zu schaden gekommen ist. »Ein Feuer hatten wir bisher zum Glück noch nie auf einem Festival«, sagt er.

Das Sicherheitskonzept hat mit diesem Vorfall seine Feuerprobe bestanden. In enger Absprache mit Ordnungsamt, Polizei, der Feuerwehr, DLRG und DRK sind lange vor dem Festival verschiedene Szenarien durchgegangen worden. Bei der Ortsbegehung am Freitagvormittag wurde den Organisatoren bescheinigt, alle Vorschriften erfüllt und alle Eventualitäten berücksichtigt zu haben.

20.000 Besucher werden erwartet

Festival »Umsonst & Draußen« beginnt am Freitag – Auto brennt aus

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  • Sind aus Köln gekommen, um an der Weser das »Umsonst Draußen« zu feiern (von links): Janis, Dennis, Michi, Matti und Lukas freuen sich auf das dreitägige Festival.

    Foto: Jürgen Gebhardt
  • Foto: Jürgen Gebhardt
  • Helge-Paul Traue, Steffen Hartmann und Thomas Sorig (von links) von der Band »Orange«.

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  • Wolfgang Kuhlmann gehört seit dem allerersten Festival zu den Organisatoren.

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  • Feueralarm auf dem Campingplatz: Ein Corsa ist in Brand geraten. Besucher bauen in der Nähe stehende Zelte ab, die Feuerwehr ist schnell vor Ort und Feueralarm auf dem Campingplatz: Ein Corsa ist in Brand geraten.

    Foto: Jürgen Gebhardt
  • Besucher bauen in der Nähe stehende Zelte ab, die Feuerwehr ist schnell vor Besucher bauen in der Nähe stehende Zelte ab, die Feuerwehr ist schnell vor Ort und löscht.

    Foto: Jürgen Gebhardt
  • Foto: Jürgen Gebhardt
  • Foto: Jürgen Gebhardt

Insgesamt 20.000 Besucher werden an diesem Wochenende zum »Umsonst & Draußen« auf den Weserwiesen am stillgelegten Kraftwerk in Porta Westfalica-Veltheim erwartet. Ebenfalls an diesem Wochenende findet das »Wacken Open Air« in Schleswig-Holstein statt. »Keine Konkurrenz«, meint Wolfgang Kohlmann. Das »Wacken« ist richtig teuer – 228 Euro werden schon jetzt für 2018 verlangt. »Bei uns ist der Eintritt frei. Zu uns können auch Leute kommen, die wenig Geld haben. Wenn jeder Besucher hier 50 Euro lassen würde, wäre das richtig gut.«

Seit Freitagvormittag strömen die Besucher auf das Gelände. Wenn das Wetter weiterhin mitspiele, könne die erforderliche Besucherzahl erreicht werden, meint Kuhlmann. Schauer könne dieses Gelände gut wegstecken – anders als 2000 und 2004 in Vlotho: Das eine Festival versank im Schlamm, das andere musste zwei Tage vorher ersatzlos abgesagt werden.

Programmänderungen

Zwei Änderungen gibt es im Programm: »Xandria« aus Bielefeld war am Samstagabend ab 23.15 Uhr als Headliner auf der Weserbühne vorgesehen. Die in der Szene sehr erfolgreiche Band hat kurzfristig abgesagt. Als adäquater Ersatz kommt nun »Kobra and the Lotus« aus Kanada und spielt ebenfalls Symphonic Metal. Linda Rolfsmeyer, die im Vorstand von »Festivalkult« mitmacht und die Produktionsleitung der Weserbühne hat, kennt »Kobra and the Lotus«. Sie ist besonders von der »wahnsinnig starken Frontfrau« begeistert: »Eine tolle Band, die auch schon mit ›Xandria‹ auf Tour gewesen ist.«

Die zweite Programmänderung gibt es ebenfalls am Samstag auf der Weserbühne. »Eau Rouge« (Heavy Noise Pop) um 18.30 Uhr kommt nicht, stattdessen sind die »8kids« aus Darmstadt als Post-Hardcore-Band dabei.

Progammempfehlungen

Die wichtigste Band für Festival-Expertin Linda Rolfsmeyer ist die »absolut legendäre« Gruppe »Prong« aus New York, die seit den neunziger Jahren die wichtigsten Mega-Metal-Bands musikalisch beeinflusst habe (Samstag ab 21.30 Uhr auf der Weserbühne).

Eine weitere »Legende« sei Wolf Maahn (Sonntag ab 19.30 Uhr, Weserbühne), der zu den erfolgreichsten und kreativsten Persönlichkeiten im deutsprachigen Rock gehört.

Und noch eine Legende wird nicht fehlen: Am Sonntag ab 17.30 Uhr spielen Vlothos Kultrocker von »Hammerfest«. Mit dabei ist Wolfgang Kuhlmann – wie bereits beim ersten Festival vor 42 Jahren.

Festival ist 42 Jahre alt und feiert Zehnjähriges in Porta Westfalica

Das Festival ist Kult. 1975 hatten Jugendliche aus dem Kreis Herford die Idee, in Vlotho das allererste »Umsonst Draußen« zu veranstalten. Zu den Organisatoren gehörten Musiker, Einheimische und Leute, die die spießige Welt verändern wollten.

Ihre Idee zündete, wie es keiner vorhersehen konnte – es kamen 5000 Leute. Es war die alternative Szene jener Zeit, die sich in einem Steinbruch auf dem Ruschberg traf und die Musik feierte, die die Eltern-Generation ganz fürchterlich fand. Der Geist der aufmüpfigen 68er war in der ostwestfälischen Provinz angekommen. Man verstand sich als Subkultur und wollte die Welt verändern. Freie Liebe, Basisdemokratie, Gewaltfreiheit und laute Musik – diese Werte verbreiteten sich wie ein Virus. »Umsonst Draußen« war das Schlagwort, das von Vlotho aus die Republik eroberte. Was vor 42 Jahren klein begann, sprengte ganz schnell jeden Rahmen. 1978 und 1979 waren schließlich die Grenzen des Wachstums weit überschritten: 80.000 und 100.000 Besucher feierten da in einer Sandgrube in Porta Westfalica ein gigantisches »Woodstock an der Weser«.

So alt wie das Festival ist »Hammerfest«. 1975 gründeten Wolfgang Kuhlmann, Achim Patz, Klaus Otto und Bebi Bevenroth diese Band. Kurze Zeit später kam Hans Schemel als Bassist hinzu. Von jetzt an wurden eigene deutschsprachige Rocksongs gespielt. 1976 erschien die erste LP. »Hammerfest« kaufte sich einen Bandbus und tourte durchs Land. 1100 Auftritte folgten bis 1983, dann gab es eine Pause bis 1988. Wie vor 42 Jahren ist »Hammerfest« auch bei diesem Festival mit dabei: Vlothos Kultkrautrocker geben sich am Samstag ab 17.30 Uhr auf der Weserbühne die Ehre.

Auf dem Platz am Kraftwerk in Porta Westfalica-Veltheim feiert das in Vlotho entstandene Festival an diesem Wochenende einen runden Geburtstag: Es ist das zehnte an diesem Ort.

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