Do., 05.09.2019

Ermittlungen gegen Fußballspieler »Sieg Heil!«-Rufe bei Aufstiegsfeier

Mit einem 6:0 besiegte die Mannschaft aus Porta Westfalica die Gegner aus Bad Oeynhausen. Die anschließende Aufstiegsfeier soll dann aus dem Ruder gelaufen sein.

Mit einem 6:0 besiegte die Mannschaft aus Porta Westfalica die Gegner aus Bad Oeynhausen. Die anschließende Aufstiegsfeier soll dann aus dem Ruder gelaufen sein. Foto: imago

Von Christian Althoff

Porta Westfalica (WB). »Sieg Heil!«-Rufe, die offenbar in der Mannschaftskabine des TuS Holzhausen Porta auf Video aufgenommen und per Whats­app verbreitet wurden, haben Polizei, Politik und Sportfunktionäre auf den Plan gerufen.

»Ich bin total erschüttert. Das wird massive Konsequenzen haben!«, sagt der Vereinsvorsitzende Matthias Adamkowitsch (46), der nach eigenen Angaben erst gestern von dem Video erfuhr. »Ich habe mir in der Firma sofort einen Tag Urlaub genommen, um den Vorstand zusammenzurufen und diese Sache aufzuklären.«

Die erste Mannschaft war im Mai mit einem 6:0 gegen den TuS Bad Oeynhausen II in die Fußballkreisliga A aufgestiegen. Das Video zeigt, wie der Pokal in die Höhe gereckt wird. Dann rufen Männer »Sieg Heil!«, und zwar koordiniert: Man hört, wie jemand einen Rhythmus trommelt, und dann an der jeweils gleichen Stelle der Hitlergruß gerufen wird. Ob das Video echt ist, ob der Ton original ist oder später hinzugefügt wurde – das alles sind noch ungeklärte Fragen. Rund um den Verein zweifelt allerdings bisher niemand an der Authentizität des Videos.

Bürgermeister will mit Vereinsführung sprechen

Bürgermeister Bernd Hedtmann (parteilos) will sich so schnell wie möglich mit der Vereinsführung des TuS Holzhausen Porta 1905 und dem Vorsitzenden des Stadtspor tverbands zusammensetzen. »Gerade vor dem Hintergrund, dass hier an der Porta Westfalica 3000 Menschen unter dem nationalsozialistischen Regime in drei Lagern schwer gelitten haben und seit einigen Jahren intensive Aufklärungsarbeit dazu geleistet wird, trifft mich ein solches Verhalten persönlich.« Es gehe jetzt auch darum, den Ruf der Stadt zu schützen. Er werde die Staatsanwaltschaft informieren, sagt Hedtmann.

Vereinschef Matthias Adamkowitsch: »Wir reden hier über die erste Mannschaft. Das sind keine Jugendlichen, sondern erwachsene Männer.« Weder er noch andere Vorstandsmitglieder seien bei dieser Feier gewesen. »Ich habe das Video am Mittwochmorgen zum ersten Mal gesehen.« Zu der außerordentlichen Vorstandssitzung werde er auch den Trainer holen: »Wir werden das Video Stück für Stück auseinandernehmen. Als allererstes müssen wir die Leute auf den Bildern identifizieren.« Er sei sehr erstaunt, dass sein Verein von so einer Affäre betroffen sei. »Das hört man immer nur von anderen Klubs. Ich hätte nie gedacht, dass uns das mal trifft.«

Kripo informiert Staatsschutz in Bielefeld

Die Kripo Minden hat gestern, nachdem sie von dem Video erfuhr, den Staatsschutz im Polizeipräsidium Bielefeld informiert. Der hat den Fall inzwischen übernommen und prüft gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft die Strafbarkeit. Die Verwendung des Hitlergrußes kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden, allerdings nur, wenn der Hitlergruß in der Öffentlichkeit verwendet wird. »Ob es sich bei einer Umkleidekabine um einen öffentlichen Ort handelt, muss noch geprüft werden«, sagt Kriminalhauptkommissarin Hella Christoph aus dem Bielefelder Polizeipräsidium. »Das Verbreiten per Whatsapp ist aber auf jeden Fall strafbar.«

In Halle an der Saale stellte die Staatsanwaltschaft 2018 Ermittlungen gegen einen Schüler ein, der seinen Lehrer in der Klasse mit »Heil Hitler!« begrüßt hatte. Das sei »nicht öffentlich« gewesen, meinte die Staatsanwaltschaft.

»Ich bin fassungslos, dass so etwas in unserem Fußballkreis passiert ist, und ich spreche für den gesamten Vorstand«, sagt Thomas Schickentanz, Vorsitzender des Fußball- und Leichtathletikkreises Minden. »Ich habe sofort die Rechtsabteilung des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen in Kaiserau informiert. Der Verband behält sich nämlich ausdrücklich das Recht vor, die Strafen für solche Taten selbst festzusetzen.«

Der Trikotsponsor Rainer Spier, Inhaber einer Firma für Baustoffrecycling, sagte: »Ich finde es auch nicht gut, das so etwas gegrölt wird. Aber ich denke, dass der Fall zu sehr hochgekocht wird. Die Jungs wollten doch nur feiern. Da gibt es wichtigere Fälle, um die sich die Staatsanwaltschaft kümmern sollte.«

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