Fußballer skandieren »Sieg Heil« – wie viele der Klub von ihnen rausschmeißt, ist unklar
Nazi-Parolen bei Aufstiegsfeier: Spieler müssen Verein verlassen

Porta Westfalica (WB). Bei einer Aufstiegsfeier im Mai haben Fußballspieler des TuS Holzhausen/Porta mit »Sieg-Heil!«-Parolen in der Kabine gefeiert . Nun ist klar: Der Vorstand will die beteiligten Spieler aus dem Verein ausschließen. Doch wie viele gehen müssen, ist ungewiss.

Donnerstag, 05.09.2019, 13:16 Uhr aktualisiert: 05.09.2019, 17:42 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Die ersten Gespräche mit Spielern hat Matthias Adamkowitsch, erster Vorsitzender des TuS, schon geführt. Sie blieben ohne Konsequenzen. Denn keiner von den drei Spielern mit den Adamkowitsch bisher geredet hat, seien am 5. Mai als die Nazi-Parolen in der Kabine skandiert wurden, dabei gewesen. »Die anderen werden wir noch befragen«, sagt Adamkowitsch. So hat es der Vorstand beschlossen, der am Mittwochabend kurzfristig zusammenkam. Seitdem ist bekannt, dass die betreffenden Personen aus dem Verein ausgeschlossen werden und Sportplatzverbot erhalten. Der Vorstand sei »erschüttert und sehr besorgt« über den Vorfall. »Das Verhalten der Beteiligten ist nicht akzeptabel und nicht zu entschuldigen«, sagt Adamkowitsch.

Video erst vier Monate später im Umlauf

Warum der Clip vier Monate nach der Aufnahme öffentlich wurde, ist noch unklar. Klar ist aber, erst die Veröffentlichung hat dazu geführt, dass der Vorstand von den Nazi-Parolen in seiner Kabine erfahren hat. So zumindest sagt es Vorsitzender Adamkowitsch. Er selbst habe erst am Mittwochmorgen das Handyvideo gesehen, dass in verschiedenen WhatsApp-Gruppen aufgetaucht war. Von den Vorkommnissen der Feier habe an dem Tag des Aufstiegs niemand etwas vom Vorstand mitbekommen, weil dies erst nach 21 Uhr geschehen sei. »Zu der Zeit war kein Vorstandsmitglied mehr anwesend«, sagt Adamkowitsch.

Die Spieler, die »Sieg Heil« skandierten, dürfen allerdings nicht nur mit dem Vereinsrausschmiss rechnen. Der Staatsschutz hat bereits Ermittlungen aufgenommen. Auch die Stadt Porta Westfalica werte den Vorfall als Straftat, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung. Der Fußball- und Leichtathletikkreis Minden hat in Person des Vorsitzenden Thomas Schickentanz bereits einen Antrag an das Verbandssportgericht gestellt, das sich nun mit dem Vorfall beschäftigen wird. Die jeweiligen Spieler können bei einer Verurteilung mit einer Sperren und Geldstrafen rechnen, sagt Schickentanz.

Verband ist schockiert

Es werde eine umfassende Aufarbeitung des Vorfalls geben, kündigte Gundolf Walaschewski, Präsident des Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen an. »Das Präsidium und der gesamte Verband sind schockiert angesichts des skandalösen Verhaltens.« Dem Verein hat der Verband Hilfe bei der Aufarbeitung angeboten.

Erste sportliche Konsequenzen hat der TuS Holzhausen bereits selbst gezogen. Ihre Teilnahme an dem am Donnerstagabend angesetzten Meisterschaftsspiel bei RW Maaslingen II haben die Holzhausener abgesagt. Ob die erste Mannschaft ihr Heimspiel am Sonntag antritt, ist noch nicht entschieden, sagt Adamkowitsch.

 

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