Mi., 25.09.2019

Berufskletterer reinigen das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica So spektakulär kann Putzen sein

Aus dieser Position könnte der Kletterer Vlotho und Bad Oeynhausen erkennen, aber sein Augenmerk gilt nur dem verschmutzten Sandstein.

Aus dieser Position könnte der Kletterer Vlotho und Bad Oeynhausen erkennen, aber sein Augenmerk gilt nur dem verschmutzten Sandstein. Foto: Christian Althoff

Von Christian Althoff

Porta Westfalica (WB). Die Touristen, die morgens mit Bussen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal gefahren werden, erleben in diesen Tagen etwas Besonderes: die spektakuläre Reinigung des Monuments, die erste in seiner Geschichte.

Sascha Deiters steht am Fuß des 123 Jahre alten Denkmals und blickt zufrieden nach oben.  Er ist Inhaber der Bielefelder Firma »Climbix« und hat acht Industriekletterer für die Aufgabe abgestellt. »Wir sind seit Jahren immer mal wieder auf dem Denkmal, weil sich Samen in den Fugen festsetzt und dann da oben Bäume wachsen«, sagt er. Doch die erste komplette Reinigung in der Geschichte des 88 Meter hohen Bauwerks – die sei schon etwas Außergewöhnliches. »Wir werden etwa fünf Wochen brauchen.«

300.000 Euro würde Reinigung regulär kosten

 

300.000 Euro, das schätzen Experten, kostete eine solche Säuberung, gäbe man sie regulär in Auftrag. Doch das baden-württembergische Unternehmen Kärcher hat die denkmalschutzgerechte Reinigung gesponsert – wie schon bei weltweit 140 weiteren Denkmälern, etwa der Christus-Statue in Rio de Janeiro. »Wir sind dafür sehr dankbar«, sagt Matthias Gundler vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster, dem das Denkmal gehört. Alle Arbeitsschritte seien mit dem Verband abgesprochen, um das Denkmal weitestgehend zu schonen.

 Als der Düsseldorfer Baumeister Bruno Schmitz Ende des 19. Jahrhunderts das Monument aus Porta-Sandstein zeichnete, wusste er, das auch dieses Bauwerk unterhalten werden muss – nicht zuletzt wegen der dem Wetter extrem ausgesetzten exponierten Lage auf dem Ostende des Wiehengebirges. Und so sah der Architekt Tritte in einer Säule vor, über die schwindelfreie Menschen das Monument erklimmen können.

Jeder Kletterer hängt an zwei Seilen

Auch die Kletterer aus Bielefeld wählten diesen Weg. Sascha Deiters: »Dann haben wir um das Türmchen an der Spitze einen Ring aus Seilen gelegt. Daran können sich die Kletterer jetzt mit ihren Seilen einhaken.« Jeder hänge an zwei Seilen – für alle Fälle. Während Leinen für Bergsteiger flexibel sind, um einen Fall abzufedern, sind diese elf Millimeter dicken Seile statischer, denn unter den Kletterern ist nicht viel Platz.

In der vergangenen Woche hatten die Arbeiten mit dem Untersuchen der Fugen begonnen. Jede wurde von den Kletterern mit Hammer und Meißel geprüft, um lockeres Material zu entfernen. Dann begann die Reinigung – Stein für Stein, mit insgesamt 6000 Litern Wasser pro Stunde.

Tankwagen sorgt für genug Wasser

Weil nur zwei normale Wasserleitungen auf den Berg führen, dient ein Tankwagen am Fuß des Denkmals als Pufferspeicher. Das Wasser wird auf 90 Grad erhitzt und durch 120 Meter lange Schläuche zu den Kletterern geleitet. Dort spritzt es mit nur ein bis zwei Bar in flachem Strahl aus den Sprühlanzen. Matthias Gundler: »So werden Moos und Schmutz abgetragen, aber der Sandstein wird nicht beschädigt. Nach langer Zeit kommt seine Struktur endlich wieder zum Vorschein.«

Das sieben Meter hohe Kaiserstandbild, von Caspar von Zumbusch aus Herzebrock entworfen, braucht übrigens nicht geputzt zu werden: Die Bronzefigur wurde vor Jahren eingewachst. Seitdem hält Regen das Standbild sauber.

 

Kommentare

Wird Trinkwasser genutzt?

Wird für due Arbeiten Trinkwasser genutzt, bei dem wir ur als Löhner Einschränkungen durchvdie Wasserknappheit hatten? LG Heike Tasto

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