Mo., 14.10.2019

Insassen aus 35 Metern Höhe gerettet – Toter bei Absturz in Stadtlohn Segelflieger vier Stunden lang in Baumwipfeln gefangen

Die Rettungsaktion in Porta Westfalica: Per Lastenhubschrauber und einem Höhenretter werden zwei Insassen aus dem verunglückten Segelflugzeug befreit. Der Pilot (21) und seine Begleiterin (17) steckten zuvor stundenlang in den Baumkronen fest.

Die Rettungsaktion in Porta Westfalica: Per Lastenhubschrauber und einem Höhenretter werden zwei Insassen aus dem verunglückten Segelflugzeug befreit. Der Pilot (21) und seine Begleiterin (17) steckten zuvor stundenlang in den Baumkronen fest. Foto: Christian Müller

Porta Westfalica (WB/cm/ret/cbr). Notlandung in 35 Metern Höhe: Ein Segelflugzeug ist am Samstag nahe des Fernsehturms in Porta Westfalica verunglückt und in zwei Baumkronen stecken geblieben. Zwei Personen wurden in einer mehr als vierstündigen Rettungsaktion befreit. Ab heute wird das Fluggerät geborgen, die Ursache wird noch ermittelt.

Der 21-jährige Pilot und seine 17 Jahre alte Begleiterin aus Lüchow-Dannenberg (Niedersachsen) konnten bei der Bergungsaktion unverletzt aus dem Flieger befreit werden. »Ihr Gesundheitszustand ist okay. Es geht beiden gut«, teilte ein Sprecher des Luftsportvereins Lüchow-Dannenberg am Sonntag mit. Beide wurden vorsorglich im Mindener Johannes Wesling Klinikum behandelt – auch um ein Hängetrauma als Folge auszuschließen. Stundenlang hatten beide Personen, seitlich mit dem Kopf zur Erde geneigt, im mit der Front zum Boden gerichteten Flieger über dem Abgrund ausharren müssen. Gegen 14.30 Uhr hatte ein Spaziergänger, der das Flugzeug in den Baumkronen entdeckt hatte, die Feuerwehr über den Unfall informiert. Erst am Abend gegen 19 Uhr konnten Piloten der Bundeswehr mit der Seilwinde eines Hubschraubers die beiden Insassen des Segelflugzeugs bergen und sicher zu Boden bringen.

Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr

Der Pilot und seine Begleiterin waren am Samstagmittag vom Flugplatz in Porta Westfalicas Ortsteil Vennebeck zu einem privaten Rundflug gestartet. Ihre unfreiwillige Landung sorgte dann für ein Großaufgebot von Polizei und Feuerwehr im gebirgigen Waldstück – und schließlich für eine extrem aufwendige Rettungsaktion mit 90 Einsatzkräften.

»Das Flugzeug war vom Boden aus nur schwer zu erkennen, aufgrund der Lage im Wald konnte keine Drehleiter in Stellung gebracht werden. Einen umfangreichen Einsatz wie diesen, mit derart schwierigem Gelände und dem Flieger in den Baumwipfeln, haben wir bisher noch nicht erlebt«, sagte Michael Horst von der Freiwilligen Feuerwehr Porta Westfalica. Auch mit tragbaren Leitern konnte das Segelflugzeug in 35 Metern Höhe nicht erreicht werden, Aufstellflächen für einen Kran oder Hubmast seien ebenfalls nicht vorhanden gewesen, so der Feuerwehr-Sprecher.

Lastenhelikopter der Bundeswehr sorgte für die Rettung

Zwei Sprungkissen wurden aufgebaut, Höhenretter aus Espelkamp verständigt. Ihre Bemühungen, die Insassen des Segelfliegers zu retten, waren jedoch an der instabilen Position des rund 500 Kilogramm schweren Fliegers in den Ästen der Baumkronen gescheitert. Ein angeforderter Polizeihubschrauber musste nach kurzer Zeit wieder abrücken, da ihm Winde oder Lasthaken fehlten.

Ein Lastenhelikopter der Bundeswehr sorgte schließlich für die Rettung: Die Besatzung Hubschraubers SAR 41 vom Fliegerhorst des Militärflugplatzes in Nörvenich, der aus dem Rheinland angefordert werden musste, konnte zunächst die 17-Jährige mit einem Höhenretter am Seil hängend ausfliegen. Danach wurde auch der 21-jährigen Pilot gerettet. Ob menschliches Versagen oder ein technischer Fehler verantwortlich für den Unfall sind, wird nun von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelt.

Segelflugzeug steckt noch in den Bäumen fest

Das Segelflugzeug steckt derweil noch in den Bäumen fest. Am heutigen Montag will das Ordnungsamt mit dem Eigentümer darüber beraten, wie die Bergung erfolgen soll. Bis zur Bergung ist der Gefahrenbereich abgesperrt worden. Auch Warnschilder wurden aufgestellt. »Damit keiner auf die Gedanken kommt, dort hochzuklettern«, so Carsten Putz von der Polizei Minden-Lübbecke.

Derweil ist am Sonntag bei dem Absturz eines Ultraleichtfliegers auf einem Flugplatz bei Stadtlohn im Münsterland unweit der niederländischen Grenze ein Mensch gestorben. Eine zweite Person, die ebenfalls an Bord war, sei verletzt, sagte ein Polizeisprecher.

 

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