NRW kann Vorgaben nicht erfüllen – Durchgefallene Frau klagt
Zu wenig Jura-Prüfer

Porta Westfalica (WB/ca). Das Oberverwaltungsgericht in Münster befasst sich am Donnerstag mit der Klage einer Frau aus Porta Westfalica gegen das Land Nordrhein-Westfalen. Sie hatte ihr Jura-Examen nicht bestanden und macht nun geltend, dass bei fünf ihrer Aufsichtsarbeiten die Qualifikation der Korrektoren nicht den Vorschriften entsprochen hätten – offenbar kein Einzelfall.

Dienstag, 11.08.2020, 04:59 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 13:20 Uhr
Jurastudenten werden selten von Professoren geprüft Foto: dpa
Jurastudenten werden selten von Professoren geprüft Foto: dpa

Im Juristenausbildungsgesetz des Landes steht, dass sogenannte Aufsichtsarbeiten (fünfstündige Klausuren) von zwei Prüfern unabhängig voneinander bewertet werden müssen. Diese Prüfer können zum Beispiel Rechtsanwälte, Richter oder Behördenjuristen sein. Das Gesetz sagt aber auch: Einer der beiden Prüfer soll ein Jura-Professor oder Jura-Privatdozent sein. Das Verwaltungsgericht Minden hatte die Klage noch abgewiesen. doch das Oberverwaltungsgericht in Münster ließ die Berufung zu. „Denn es ist ein grundsätzliches Problem, das nicht nur diese Frau betrifft”, sagt Gerichtssprecherin Dr. Gudrun Dahme. Im Kern geht es um die Bedeutung des Wortes „soll“ im Gesetz. Bedeutet es, dass in der Regel ein Professor die Arbeit bewerten muss und nur im Ausnahmefall davon abgewichen werden darf? Oder hat das Wort eher die Bedeutung von „kann”?

Das Land erklärt, es gelinge ihm einfach nicht, genügend Professoren für diese Aufgabe zu finden. So hätten 2016 bei insgesamt 9344 Klausuren in 367 „Klausurpaketen“ nur 53 Hochschullehrer zur Verfügung gestanden, die 14 Prozent der Klausuren korrigiert hätten. Im Jahrgang der Frau aus Porta Westfalica seien nur 22 Prozent der Klausuren von Hochschullehrern korrigiert worden. Und für die Strafrechtsklausur habe kein einziger Professor zur Verfügung gestanden.

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