„Kulturbühne“ – Folge 7 – Heute: Flechtwerkgestalterin Kerstin Eikmeier
Der Krise einen Korb geben

Bad Oeynhausen/Porta Westfalica (WB). Sie hat das traditionelle Handwerk des Korbflechtens erlernt und dafür vor mehr als 30 Jahren eine vielversprechende Laufbahn im Hotelgewerbe aufgegeben: Kerstin Eikmeier, Flechtwerkgestalterin mit eigenem Atelier in Porta Westfalica. Sie lebt für ihr Kunsthandwerk, für die „Ästhetik der kleinen Dinge im Alltag“, wie sie sagt. Daran ändert auch die schöpferische Zwangspause nichts, die der Künstlerin aktuell auferlegt ist.

Donnerstag, 20.08.2020, 05:06 Uhr aktualisiert: 20.08.2020, 05:10 Uhr
Kerstin Eikmeier ist Flechtwerkgestalterin aus Leidenschaft. Vor mehr als 30 Jahren hat sie eine vielversprechende Laufbahn im Hotelgewerbe aufgegeben, um sich ganz der Handwerkskunst des Korbflechtens zu widmen. Gerne gibt sie ihr Wissen an andere Interessierte weiter. Foto: Gabriela Peschke
Kerstin Eikmeier ist Flechtwerkgestalterin aus Leidenschaft. Vor mehr als 30 Jahren hat sie eine vielversprechende Laufbahn im Hotelgewerbe aufgegeben, um sich ganz der Handwerkskunst des Korbflechtens zu widmen. Gerne gibt sie ihr Wissen an andere Interessierte weiter.

Ihr Atelier erinnert an eine Markthalle: hohe weiße Decken, an den Wänden Regale mit Flechtwerken, dazwischen dicke Bündel Weidenruten, Werkzeuge, angefangene Objekte. Rustikale Körbe und zierliche Schalen, Rankhilfen für den Garten und Zaunelemente, winzige Deko-Objekte aus filigranen Ruten neben einer bäuerlichen Kornwanne aus geschälter Weide.

Veranstaltungen fallen flach

Die Vielfalt ist es, die Kerstin Eikmeier an ihrem Handwerk schätzt. „Ich probiere gern mal etwas Neues aus“, sagt die 54-Jährige und zeigt Körbchen aus Waldgräsern oder Schafswollsträngen. „Und jetzt ist ja auch reichlich Zeit dafür“, fügt sie hinzu.

Denn, wie könnte es anders sein, auch hier haben die Einschränkungen durch die Corona-Krise einer ohnehin saisonal schwankenden Auftragslage das Sommergeschäft ausgebrannt. „Der hauptsächliche Verkauf läuft von März bis September über die Gartenmärkte“, berichtet die Flechtwerkgestalterin. Doch die sind alle abgesagt. Kein Naturgartenforum in Löhne, kein Gartenmarkt im Juli in Bad Oeynhausen.

Auch der traditionelle Korbmarkt in mainfränkischen Lichtenfels, der Umsatzbooster für die Branche: abgesagt. Die Objekte stapeln sich. Einen eigenen Laden betreibt sie nicht, erst recht keinen Internetshop. Da würde der Künstlerin der Bezug zur Ware fehlen.

„Meine Körbe soll man anfassen dürfen“, sagt sie. Und meint: spüren, wie solide sie verarbeitet sind, die natürliche Ausstrahlung der heimischen Weiden fühlen. Kein Vergleich zur Importware aus Asien, ist Eikmeier überzeugt. Doch genau diese „Billigprodukte“ erschweren den Verkauf hochwertiger Handarbeit: „Die Körbe aus Deutschland haben keine Lobby.“

Nachfrage steigt wieder

Dagegen hat die Kunsthandwerkerin vor längerer Zeit schon ein probates Mittel entdeckt: Die Menschen sollen erleben dürfen, wie viel Freude es macht, ein Flechtwerk, einen Korb selbst herzustellen. Und auch, wie mühsam es ist. Also bietet Eikmeier seit vielen Jahren Tages- und Wochenendseminare an. Einen Teil des Jahresumsatzes generiert die Künstlerin auf diese Weise. Doch ein ganzer Kursblock über die Volkshochschule fiel im Frühjahr auch den Corona-bedingten Einschränkungen zum Opfer.

Die dafür wochenlang vorher eingeweichten Weiden lassen sich nicht ein zweites Mal aufbereiten, sie müssen direkt verarbeitet werden. Also machte Kerstin Eikmeier aus der Not eine Tugend – und verarbeitete die Ruten selbst zu mehr als 20 verschiedenen Objekten. Die warten jetzt, wie andere Flechtgewerke auch, zum Beispiel auf eine Kunstausstellung in Holland, zu der Kerstin Eikmeier überraschend eingeladen wurde.

Auch die Nachfrage nach Kursen steige zum Herbst wieder an, sagt Eikmeier; ein weiteres Hoffnungszeichen. Und schließlich hat Kerstin Eikmeier festgestellt, dass die Krise zu neuen Konzepten ermuntert: „Ich sehe eine Schnittstelle zwischen Kunsthandwerk und Wirtschaft.“ Damit meint sie: Unternehmensräume durch Flechtwerk-Objekte gestalten und verschönern. Oder Firmen die Gelegenheit geben, ihre Mitarbeiter in Workshops mit einem Handwerk in Berührung zu bringen, das im „Büroalltag“ keine Rolle spielt.

Kategorie: Künstler/Hauptberuf

Anrufen und GOP-Karten gewinnen

Sie möchten im Rahmen der „Kulturbühne“ dem Kleinen Theater Rehme Ihre Stimme geben? Dann rufen sie bis diesen Sonntag, 23. August, über die Gewinn-Hotline 01379/883007 (0,50 €/Anruf dt. Festnetz, ggf. andere Mobilfunkpreise) an. Unter allen Anrufern werden ein Mal zwei Karten für den Besuch einer Vorstellung im GOP-Varieté verlost. Es hat nach einer Corona-Zwangspause den Spielbetrieb am 24. Juli wieder aufgenommen. Der Rechtsweg ist bei der Aktion ausgeschlossen.

Die Aktion auf einen Blick

Bis Ende November stellt das WESTFALEN-BLATT in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica jeweils donnerstags einen Künstler vor, je sieben aus den Kategorien „Künstler im Hauptberuf“ , „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“ . Die Leser können den jeweiligen Künstler bis zum Sonntag nach Veröffentlichung des Beitrages durch einen Anruf über eine Hotline unterstützen. Unter allen Anrufern werden pro Folge ein Mal zwei Karten für eine Vorstellung im GOP-Varieté verlost.

Im Dezember stellt die Redaktion die drei Künstler jeder Kategorie nochmals im Kurzporträt vor, die die meisten Anrufe erhalten haben. Dann besteht erneut die Möglichkeit, für diese Künstler über eine Gewinn-Hotline anzurufen. Die Zahl der Anrufe entscheidet über die Vergabe der Preisgelder (pro Kategorie). Sie sollen 2021 übergeben werden, in dieser Verteilung: „Künstler im Hauptberuf“: 1. Preis 1500 Euro, 2. Preis 1000 Euro, 3. Preis: 500 Euro; „Nachwuchs“ und „ehrenamtliche Kunst auf Vereinsebene“: 1. Preis je 750 Euro, 2. Preis je 500 Euro, 3. Preis je 250 Euro.

In Folge 1 der „Kulturbühne“ ist die Bildhauerin Astrid Mulch vorgestellt worden.

In Folge 2 der „Kulturbühne“ ist die Theatergruppe „Newcomers“ vorgestellt worden.

In Folge 3 der „Kulturbühne“ ist der Quartettverein Bad Oeynhausen vorgestellt worden.

In Folge 4 der “Kulturbühne” ist die Violinistin Veronika Bejnarowicz vorgestellt worden.

In der Folge 5 der „Kulturbühe“ ist das Kleine Theater Rehme vorgestellt worden.

In der Folge 6 der „Kulturbühne“ ist Artist Sven Böker vorgestellt worden.

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