Frank Pape gibt im Buch »Ich -mit Risiken und Nebenwirkungen« biografische Einblicke
Von der Achterbahn eines Lebens

Getmold (WB). Das Foto auf dem Deckel seines neuen Buches zeigt Autor Frank Pape im Lendenschurz mit dem Federschmuck eines Indianerhäuptlings, in einem Arm hält er fast zärtlich ein Huhn. Darunter steht der Titel: »Ich – mit Risiken und Nebenwirkungen«.

Freitag, 27.10.2017, 08:00 Uhr aktualisiert: 27.10.2017, 10:40 Uhr
Frank Pape signiert ein Exemplar von »Ich -mit Risiken und Nebenwirkungen«. Es ist im Buchhandel erhältlich oder im Internet unter www.leseliebe.com. Foto: Arndt Hoppe
Frank Pape signiert ein Exemplar von »Ich -mit Risiken und Nebenwirkungen«. Es ist im Buchhandel erhältlich oder im Internet unter www.leseliebe.com. Foto: Arndt Hoppe

So außergewöhnlich wie dieses Foto ist auch sein Inhalt. Denn darin erzählt der 46-Jährige die Geschichte seines Lebens, eines Lebens, das in vielen Belangen einer Achterbahnfahrt gleicht. »Das Huhn in meiner Hand zeigt meine friedliche Seite, andererseits kann ich auch nach wie vor ein Krieger sein«, sagt Pape, der seit 2013 mit seiner Frau Nicole, vier Pferden, zwei Hunden und zwei Katzen in Getmold lebt.

Biografie eigentlich nie geplant

Eigentlich habe er niemals geplant, seine Lebensgeschichte aufzuschreiben, sagt Pape, geschweige denn sie zu veröffentlichen. Dass sie nun doch erschienen ist, hängt mit seinem ersten Buch zusammen. »Gott, Du kannst ein Arsch sein« erzählt in einfühlsamer und berührender Weise die wahre Geschichte von den letzten 296 Tagen der krebskranken Stefanie (wir berichteten). Frank Pape hatte die 16-Jährige bis zu ihrem Tod betreut und das Mädchen zum Schreiben ermuntert.

Das Buch wurde von einem großen Verlag herausgebracht und erlebte ein intensives Medienecho. Viele Menschen in ähnlichen Lebenssituationen haben sich seitdem Hilfe suchend an die Papes gewendet. Der von ihnen gegründete Verein »Ein Lächeln für dich« hilft und es kommen oft Gäste nach Getmold, um dort in Gesellschaft von Tieren und Menschen Zuflucht und Zuwendung zu finden.

Leichter Plauderton

Durch Fernsehauftritte rückte auch Frank Pape als Person in den Fokus. »Ich war zum Beispiel in einer Talkshow mit Bettina Tietjen.« Dort habe er auch aus seinem Leben erzählt. »Daraufhin erhielt ich eine Anfrage von einem Buchverlag, ob ich nicht über meine Lebensgeschichte ein Buch schreiben wolle«, erinnert sich der Wahl-Getmolder. Letztendlich brachte er es jetzt im eigenen Verlag »Tour des Lebens« heraus.

Das Buch kommt in einem leichten Plauderton daher, ohne den Anspruch, große Literatur zu sein. Es liest sich vielmehr, als säße der Autor bei einem Tässchen Tee auf dem Sofa und teile einige seiner persönlichen Erinnerungen mit dem Leser. Er erzählt davon, dass er als eineiiger Zwilling »in eine Familie Reisender geboren« wurde. »Ich verwende politisch unkorrekt das Wort Zigeuner, weil wir uns selbst so genannt haben«, erklärt er. Der Zwillingsbruder spielt eine wichtige Rolle, weil er auf »zwielichtige Pfade« gerät, wie es Pape formuliert.

Rasanter Aufstieg in den Jetset

Das Buch beginnt mit Anekdoten aus der Kindheit und Schulzeit im Münsterland und der Lehre zum Elektroinstallateur und Elektroniker. Danach entwickelt sich eine »unerhört wahre Geschichte über Aufstieg, Absturz, Neuanfang und Veränderung«, wie Frank Pape selbst es beschreibt. Er gründet ein Call-Center-Unternehmen und trifft damals den Nerv der Zeit. Es folgt eine steile Karriere als Berater, die ihn in hohe politische Kreise auf Malta führt, das kurz vor dem EU-Eintritt steht. Der junge Mann führt ein Jetset-Leben.

»Wir haben auf Luxusjachten gesessen, die in zwei Stunden Benzin für 5000 Dollar verheizten. Wir hatten keinen Bezug zur Realität mehr.« Er fliegt zum Frühstücken nach Paris und am Abend weiter zu Meetings in London, während er Frau und Kinder in Deutschland immer seltener sieht. »Ich habe zwei Rollen gespielt: Auf Malta war ich politischer Berater, der vom britischen Geheimdienst überwacht wurde. Gleichzeitig hatte ich in Deutschland einen kriminellen Bruder. Das hat aus irgendeinem Grund niemand.« Sein Leben habe viel von einer klassischen »Vom-Saulus-zum-Paulus«-Geschichte, gesteht er ein.

Zwei Menschen verhelfen zur Wende

Der Leser lernt mit der innig verbundenen Malteserin Rosi und dem erfahrenen Head-Hunter und Krisenmanager Bazil zwei Menschen kennen, die mit ihren Denkanstößen zur Wende in Frank Papes Leben beitragen, so dass er zurück nach Deutschland geht. Wie die Begegnung mit alten Menschen in der Sterbebegleitung ihm eine andere Sicht auf die Welt gibt, beschreibt Pape ebenso am Beispiel, wie er nicht mit Kritik hinter dem Berg hält. Zum Beispiel, wenn er von Erlebnissen als Notfallseelsorger berichtet.

Dann ist Frank Pape mit seiner geradlinigen Art auch schon mal ganz gerne unbequem. Aus seiner steilen Karriere mitgenommen habe er Professionalität. »Wichtig ist für mich inzwischen aber besonders, dabei ehrlich und verlässlich zu sein.« Er könne sich auch vorstellen, wieder politisch aktiv zu werden. Der Leser von »Ich - mit Risiken und Nebenwirkungen« weiß eins ganz sicher. Frank Pape lehnt sich nicht zurück, sondern wird noch viel bewegen. Als Motto für die neue Lebensphase zitiert Pape die Boxerin Regina Halmich: »Ich steige nicht in den Ring, um zu verlieren.«

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