Sa., 30.03.2019

Kaufmann aus dem Emsland erhält den Zuschlag für Hüffe Das Schloss hat einen neuen Herrn

Nach vier Jahren ist Schloss Hüffe verkauft worden. Seit dem Tod der Gräfin Katharina von Schwerin-Krukemeyer hatten sich etwa 100 Interessenten aus aller Welt mit dem Anwesen, dessen Geschichte bis ins Mittelalter reicht, beschäftigt. Der neue Schlossherr soll eine private Nutzung planen.

Nach vier Jahren ist Schloss Hüffe verkauft worden. Seit dem Tod der Gräfin Katharina von Schwerin-Krukemeyer hatten sich etwa 100 Interessenten aus aller Welt mit dem Anwesen, dessen Geschichte bis ins Mittelalter reicht, beschäftigt. Der neue Schlossherr soll eine private Nutzung planen. Foto: Kai Wessel/Montage Patrick Sönel

Von Arndt Hoppe und Kai Wessel

Preußisch Oldendorf (WB). Jetzt ist es notariell beurkundet: Nach vier Jahren Leerstand hat Schloss Hüffe in Lashorst einen neuen Eigentümer. Insolvenzverwalter Stephan Höltershinken aus Minden erklärte am Freitag, dass das Schloss und alle Liegenschaften am Donnerstag an »Privatleute« verkauft wurden.

Beim Käufer handelt es sich um einen Geschäftsmann aus dem Emsland. Der Kaufpreis soll nach WB-Informationen bei etwa 4,6 Millionen Euro liegen (wir berichteten). Im Gespräch mit dieser Zeitung gab sich der neue Schlossherr zurückhaltend. Er bat um Rücksicht auf seine Privatsphäre. Der Kaufmann stellte klar, dass er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wolle. Zur Frage, wie er das Schloss künftig nutzen möchte, äußerte er sich nicht.

Beschluss der Gläubigerversammlung umgesetzt

Seit dem Tod der Gräfin Katharina von Schwerin-Krukemeyer im Februar 2015 hatte sich Insolvenzverwalter Höltershinken darum bemüht, einen neuen Schlossherrn zu finden. Seinerzeit hatte sich kein Erbe bereit erklärt, das Schloss zu übernehmen. Höltershinken: »Mit dem Vertragsabschluss habe ich einen Beschluss der Gläubigerversammlung vom 19. Dezember eins zu eins umgesetzt«, sagte er. Der Käufer hat die gesamten Liegenschaften mit Nebengebäuden, Orangerie, Reitställen und verpachteten landwirtschaftlichen Flächen erworben. »Auch das gesamte Inventar ist im Kaufpreis enthalten.«

Um die laufenden Kosten für die Instandhaltung des Schlossgeländes zu decken (insgesamt ein siebenstelliger Eurobetrag), hat der Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben vorhandenes Bargeld genutzt und bereits 2016 einige Schmuckstücke veräußert. Sechs Mitarbeiter sorgten für Instandhaltung und Gartenpflege, hinzu kam ein Sicherheitsdienst. Mit dem verbliebenen Inventar sei der Insolvenzverwalter sorgsam umgegangen: »Wertvolle alte Bücher und Bilder habe ich speziell einlagern lassen, damit sie keinen Schaden nehmen. Sie sind nicht verkauft worden.«

Weltweit vermarktet

Höltershinken wollte den oben genannten Verkaufspreis zwar nicht bestätigen, zeigte sich aber zufrieden mit dem Erlös. »Wir haben das Schloss weltweit vermarktet.« Der Startpreis beim Auktionshaus Sotheby’s betrug 6,4 Millionen Euro. Mit der nun erzielten Summe habe sich eine sehr gute Quote für die Gläubiger ergeben. »Meine Aufgabe war es, das Beste für sie herauszuholen.« Alle erstrangigen Gläubiger würden demnach 100 Prozent der offenstehenden Forderungen erhalten. »Und auch alle nachrangigen Gläubiger erhalten zumeist 100 Prozent«, sagte Höltershinken. Die durchschnittliche Quote bei Insolvenzverfahren liege bundesweit bei nur vier Prozent. Allerdings werde es noch Monate dauern, bis alle Formalitäten erledigt seien.

Zu Spekulationen, nach denen der Wert der Immobilie bei 15 Millionen Euro liegen soll, sagt der Insolvenzverwalter: »Es gibt kein Gutachten, das solche Zahlen belegt.« Ein Schloss sei zudem etwas völlig anderes als eine Industrie-Immobilie. »Ich habe keinen Gutachter gefunden, der genaue Angaben zu Hüffe hätte machen können.« Die Frage, wie ein solches Anwesen preislich zu bewerten ist, wäre kaum zu beantworten: »Wie bewerten Sie zum Beispiel einen 400 Quadratmeter großen Friedhof?« Und für die Orangerie würde auch niemand zwei Millionen Euro zahlen, sagt Höltershinken.

Insgesamt 100 Kaufinteressenten

Schlussendlich gelte für ihn, so Höltershinken, die alte Regel, nach der die Nachfrage den Preis bestimme. »Läge Schloss Hüffe in der Nähe von Hamburg oder München, dann wäre es schon früher verkauft worden.« Es habe sogar Kaufinteressenten gegeben, die sich das Objekt angeschaut und dann gesagt hätten: »Wenn ich gewusst hätte, wie weit das auf dem Land liegt, wäre ich gar nicht erst gekommen.«

Insgesamt habe es etwa 100 Kaufinteressenten gegeben. »Da war alles dabei – von seriös bis absurd«, sagt Höltershinken. Mehrfach sei er mit Kaufinteressenten bei der Stadt Preußisch Oldendorf vorstellig geworden. Ernsthafte Anfragen seien unter anderem von Vertretern eines arabischen Scheichs gekommen oder auch von einem Bordellbesitzer. Da habe die Stadt aber gemeint: »Das brauchen wir hier nicht unbedingt«.

Kuriose Anfragen

In die Rubrik der kuriosen Anfragen gehörte laut Höltershinken auch ein Interessent aus Südostasien, der einen Flugplatz auf dem Schlossgelände bauen wollte. »Denen musste ich erst einmal begreiflich machen, dass das nicht so ohne Weiteres geht und mit langjährigen Genehmigungsverfahren verbunden gewesen wäre.«

Ein Ehepaar aus Düsseldorf hätte beabsichtigt, ein Künstlerdorf auf Schloss Hüffe einrichten. »Um ungestört zu sein, wollten sie eine Mauer um das Gelände bauen«, erinnert sich der Insolvenzverwalter. Und dann sei da noch ein amerikanischer Milliardär gewesen, der das Schloss samt Reitstall für seine Tochter kaufen wollte. Sie studiert in Deutschland. »Dem war es aber zu klein. Er fragte an, wie viele Hektar Land er drumherum hinzukaufen könnte.« Offenbar sei man als Texaner andere Dimensionen gewöhnt, mutmaßt Höltershinken.

Pachtverträge und Mietverhältnisse bleiben erhalten

Inwieweit das Schlossgelände für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt, ist ungewiss. Denkbar ist, dass die Schloßstraße, die zum Anwesen führt, an den Schlossherrn verkauft wird. Ein entsprechendes Einziehungsverfahren wurde bereits durchgeführt. Nach Auskunft von Höltershinken habe es Interessenten gegeben, die das Schloss nur unter der Voraussetzung gekauft hätten, dass die Straße für den öffentlichen Durchgangsverkehr zugemacht worden wäre: »So war es beim jetzigen Käufer nicht.«

Fest steht, dass alle Pachtverträge und Mietverhältnisse im Zusammenhang mit dem Schloss-Grundstück bestehen bleiben. »Es gilt der Grundsatz: Kauf bricht Pacht nicht«, sagt Höltershinken.

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