Di., 23.07.2019

Lothar Holznagel (57) ist einer von mehr als fünf Millionen Radtouristen Reisen – aber nachhaltig

Wenn Lothar Holznagel aus Preußisch Oldendorf auf Reisen geht, steigt er auf sein Fahrrad. Ihm reichen eine spartanische Ausstattung und sein Zelt, um bis nach Luxemburg und Belgien zu fahren. Flugreisen sind bei ihm kein Thema.

Wenn Lothar Holznagel aus Preußisch Oldendorf auf Reisen geht, steigt er auf sein Fahrrad. Ihm reichen eine spartanische Ausstattung und sein Zelt, um bis nach Luxemburg und Belgien zu fahren. Flugreisen sind bei ihm kein Thema. Foto: Jessica Eberle

Preußisch Oldendorf (WB). Lothar Holznagel möchte nicht mehr in den Flieger steigen, wenn er verreist. Der 57-jährige Prokurist steigt stattdessen auf sein Rad. Nach Erhebungen des ADFC ist er damit einer von jährlich etwa 5,2 Millionen Radtouristen. Im Gespräch mit WB-Mitarbeiterin Jessica Eberle gibt Holznagel Tipps für einen nachhaltigen Sommerurlaub.

Wieso haben sie sich gegen Auto oder Flieger und für das Fahrrad entschieden?

Lothar Holznagel: Ich arbeite im Außendienst und bin beruflich viel mit dem Auto unterwegs. Im Jahr sind das etwa 70.000 Kilometer. Das Fahrrad ist für mich ein guter Ausgleich, um ein bisschen in die Natur zu kommen. Außerdem gibt es so viele schöne Plätze direkt vor der Haustür, da muss man nicht so weit weg.

Sie wählen für ihre Reisen immer den Mittellandkanal als Ausgangspunkt. Was müssen Radfahrer beachten, wenn sie auf ihrer Tour am Mittellandkanal entlang fahren wollen?

Holznagel: Die Radwege Richtung Westen sind super. Im Osten dagegen gibt es leider sehr viele Plattwege. Hier muss auch schon mal geschoben werden. Generell gilt: Die Route am Mittellandkanal ist nur begrenzt befahrbar. Wenn man eine längere Tour unternimmt, kann es sein, dass man schon mal auf Straßen ausweichen muss.

Das Fahrrad hat schon 15.000 Kilometer auf dem Buckel

Welche Übernachtungsmöglichkeiten gibt es für Reisende? Können Sie da was empfehlen?

Holznagel: Ich persönlich bin ja begeistert von Fahrradhütten. Die gibt es mittlerweile fast überall.  Dort habe ich alles, was man so braucht: Strom, Licht und eine Pritsche zum Schlafen. Wer zelten will, dem empfehle ich, das Zelt im Osten aufzustellen, wo die Sonne aufgeht, nicht im Schatten: Sonst kann es durch den Morgentau innen nass werden. Eine andere Möglichkeit sind natürlich Hotels und Pensionen.

Was gilt es zu beachten, wenn man so eine Reise plant?

Holznagel: Es ist wichtig, das Fahrrad im Vorfeld in Schuss zu bringen. Mein Fahrrad hat schon 15.000 Kilometer auf dem Buckel. Drei Dinge stehen auf meiner Checkliste: Ich schwöre auf pannensichere Reifen. Auf meiner Reise nach Frankreich hatte ich nämlich normale Reifen und habe mir drei Platten geholt. Wichtig sind auch die Bremsen: Die müssen funktionieren, vor allem bei hügeligen Strecken. Und drittens: Das Licht. Man weiß nie, ob man nachts noch unterwegs ist.

530 Kilometer bis nach Luxemburg auf dem Rad

Ihre letzte Reise führte Sie nach Belgien, in die Niederlande und nach Luxemburg. Wie ist es Ihnen ergangen?

Holznagel: Es war wunderbar. Ich bin in vier Tagen 530 Kilometer bis nach Luxemburg geradelt und habe mich zwei Tage in der Eifel ausgeruht. Wandern war ich auch. Als ich an den Grenzsteinen in Belgien gelandet bin, habe ich etwas Tolles gefunden: Den Venn-bahn-Radweg. Den kannte ich noch gar nicht. Da fährt man durch Bahntunnel, das ist der Wahnsinn! Ich habe später herausgefunden, dass der Vennbahn-Radweg der längste Bahntrassen-Radweg Europas ist. Die Strecke ist 125 Kilometer lang.

Können Sie Urlaub per Fahrrad auch ungeübten Radfahrern empfehlen?

Holznagel: Ja, sicher. Ich kann das nur Jedem ans Herz legen. Natürlich sollten eine gewisse Verbundenheit zur Natur und Spaß am Radeln da sein. Zu einem großen Teil ist so etwas aber auch Kopfsache. Ich habe klein angefangen, mir den Dümmer als Ziel gesetzt und bin dann immer weiter gefahren. Man sollte einen kühlen Kopf bewahren, wenn es mal zu Pannen kommt. Einen Tipp habe ich noch: Ich nehme immer Kabelbinder mit. Letztens ist mir zum Beispiel die Gepäcktasche gerissen. Mit Kabelbindern kann man fast alles wieder flicken.

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