Do., 15.08.2019

Extreme Trockenheit: Landwirten im Mühlenkreis geht das Futter aus Kühe laufen auf Reserve

Landwirt Karl-Wilhelm Niemeyer aus Harlinghausen hält Rinder. Da auf der Weide kein Gras mehr steht, muss er Futter zukaufen, um sein Vieh über die Runden zu bekommen. Doch auch die Futterreserven seines Zulieferers gehen langsam zur Neige.

Landwirt Karl-Wilhelm Niemeyer aus Harlinghausen hält Rinder. Da auf der Weide kein Gras mehr steht, muss er Futter zukaufen, um sein Vieh über die Runden zu bekommen. Doch auch die Futterreserven seines Zulieferers gehen langsam zur Neige. Foto: Eva Rahe

Preußisch Oldendorf (WB/eva/vw). Bei Karl-Wilhelm Niemeyer aus Harlinghausen dreht sich alles um die Kuh. »Wenn ich keine Kuh mehr im Stall hätte, dann könnte ich auch gleich in die Fabrik gehen, um zu arbeiten«, sagt der Landwirt. Für seine Kühe würde er alles tun. Jetzt, wo das Futter durch die Trockenheit knapp ist, heißt das: Niemeyer muss Futter zukaufen.

Zur Zeit stehen bei ihm auf dem Hof neben Kälbern und heranwachsendem Jungvieh 60 tragende Rinder. Das Vieh könnte jederzeit auf die Weide, aber dort wächst kein Gras mehr. Deshalb füttert Karl-Wilhelm Niemeyer sie jetzt mit einer Mischung aus Grünroggen und Mais zu. Den Grünroggen hat der Landwirt nach der Dürre im letzten Sommer sicherheitshalber angebaut, falls ein weiteres trockenes Jahr folgen sollte. Und genau dieser Fall ist eingetreten.

Die Maissilage ist bereits aufgebraucht

So kommt es, dass die Grassilage vom Vorjahr längst aufgebraucht ist, denn durch die Trockenheit im vergangenen Sommer war die letzte Ernte auch schon knapp. Nun sei auch die Maissilage alle und er müsse Futter zukaufen, um wenigstens die Zeit bis zur nächsten Maisernte zu überbrücken. »Wir haben jetzt das große Glück, dass wir den Mais im Ort zukaufen können«, sagt Niemeyer. »Wichtig ist, dass wir die Rinder satt kriegen.«

Karl-Wilhelm Niemeyer kauft seinen Mais in der Nachbarschaft. Landwirt und Lohnunternehmer Rainer Bergmeier plant für seine Biogasanlage immer eine Reserve von 25 bis 30 Prozent ein. Das kommt jetzt den Rinderhaltern zugute. Doch auch die Reserve geht langsam zur Neige. »Wir haben jetzt schon so viel zugesagt, dass unsere Kapazitäten an ihre Grenzen kommen«, sagt Bergmeier. Mehr ginge nicht. Vor allem die Anfragen aus dem nördlichen Raum, wo der Boden sandig ist, würden sich häufen.

Weniger Pflanzen gesät, damit zumindest diese wachsen

Auch Holger Topp vom Landwirtschaftlichen Kreisverband ist skeptisch, was die Maisernte betrifft. »Im Nordkreis sieht es wirklich nicht gut aus. Ich glaube, dass hier und da der Mais nicht mehr zu retten ist. Die Getreideernte ist schon geringer ausgefallen und wenn man jetzt den Mais sieht, ist das eine Katastrophe.« Es sei für die Landwirte eine finanzielle Herausforderung, wenn die eigene Futterernte nicht ausreiche. »Die Anträge für die Dürrebeihilfe im vergangenen Jahr waren sehr bürokratisch. Ich weiß, dass sehr viele Landwirte durch das Raster gefallen sind«, berichtet Topp, der sicher ist, dass weniger als zehn Landwirte im gesamten Kreis Minden-Lübbecke eine finanzielle Entschädigung erhalten haben.

Ein Fachmann für Maisanbau im Nordkreis ist Landwirt Heinz Grundmann. Auch er verkauft Maissilage, die eigentlich für seine Biogasanlage gedacht war, an Milchviehbetriebe, um den Landwirten zu helfen. Heinz Grundmann baut Mais unter anderem auf den sandigen Böden in Wehe und Preußisch Ströhen an. Für ihn sind die Folgen des trockenen Sommers absehbar. »Der Schaden ist schon da«, erklärt er.

Obwohl es in den letzten Wochen ab und zu geregnet hätte, sei es insgesamt viel zu trocken. Wenn man den Mais aufmachen würde, sei die Blattmasse zwar noch grün, trotzdem sei ein Ausfall bei der Ernte zu erwarten. Nach dem Dürresommer 2018 hatte sich der Landwirt auf eine weitere Trockenperiode vorbereitet. »Wir haben weniger Pflanzen pro Quadratmeter eingesät.« Anstatt zehn Pflanzen pro Quadratmeter seien acht oder sechs Pflanzen gedrillt worden. Das hätte zur Folge, dass der Mais trotz der Trockenheit einen guten Kolben ausbilden konnte. Der Kolben sei der wichtigste Pflanzenteil, da in ihm die eigentlich Energie stecke. Insgesamt würde die Ente zwar niedriger ausfallen, doch der Energiegehalt sei trotzdem gut.

Der Juli war viel zu trocken

Nach Auskunft des Lübbecker Meteorologen Friedrich Föst ist der Juli 2019 einer der trockensten Juli-Monate der Geschichte gewesen. Besonders im nordwestlichen Mühlenkreis waren Niederschläge extrem selten: »In Rahden sind nicht mal 20 Liter pro Quadratmeter gefallen. Das toppt sogar noch den Juli 2018.« Überhaupt sei das Jahr 2019 im Raum Stemwede/Rahden viel zu trocken ausgefallen. In der Bilanz fehlen auf jeden Quadratmeter mehr als 100 Liter Niederschlag. Föst: »Nimmt man 2018 dazu, dann sind wir schon rund 400 Liter unter dem langjährigen Klimamittel. Zwar hat es mengenmäßig im Juli von Lübbecke bis Minden im Vergleich zum Raum Rahden mehr geregnet, dieses Plus setzt sich aber fast ausschließlich aus dem Gewitter vom 20. Juli zusammen.«

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