Familie Pape gründet Kaffeerösterei zur Unterstützung ihres Hilfe-Projektes in Getmold
Ein Käffchen für Dich

Getmold (eva). Wer das Haus der Familie Pape in Getmold betritt, wird von einem betörendem Kaffeeduft empfangen. Mit der frisch eingerichteten eigenen Rösterei möchten Frank und Nicole Pape aber nicht nur guten Kaffee produzieren, sondern gleichzeitig den von ihnen gegründeten Verein »Ein Lächeln für Dich« finanziell unterstützen.

Montag, 04.11.2019, 18:24 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 18:26 Uhr
Haben ihre Familienrösterei bei einer Kick-Off-Veranstaltung in Osnabrück vorgestellt: Nicole und Frank Pape und Tochter Viola Schmidt (von links) verkosten den Kaffee, der zur Finanzierung des Vereins »Ein Lächeln für Dich« beitragen soll. Foto: Eva Rahe
Haben ihre Familienrösterei bei einer Kick-Off-Veranstaltung in Osnabrück vorgestellt: Nicole und Frank Pape und Tochter Viola Schmidt (von links) verkosten den Kaffee, der zur Finanzierung des Vereins »Ein Lächeln für Dich« beitragen soll. Foto: Eva Rahe

Sie erzählen, dass sie schon länger auf der Suche nach einer neuen Finanzierungsmöglichkeit für des »Hospitorium« gewesen, wie sie den Zufluchtsort für kranke und entkräftete Menschen nennen, den sie auf ihrem Hof geschaffen haben. »Nach den Fernsehbeiträgen über das Projekt ›Ein Lächeln für Dich‹ bei WDR, NDR und RTL im Frühjahr hat es einen unglaublichen Schwung an neuen Anfragen gegeben«, sagt Nicole Pape. »Aber das Spendenaufkommen ist gleich geblieben.« Ständig seien zwei bis fünf Gäste im Haus. Diese wohnen dort kostenfrei. »Momentan sind es sogar sieben Personen, denen wir auf dem Hof einen Rückzugsort bieten«, sagt sie. Das gehe an ihre finanziellen Reserven.

Von der Idee zur Umsetzung

Aber wie kam die Familie auf eine Rösterei zur Finanzierung ? »Nach einer nächtlichen Autofahrt haben wir an einer Raststätte einen ganz schlechten Kaffee getrunken. Da hatten wir spontan die Idee, guten Kaffee anzubieten«, sagt Nicole Pape. Und so dreht sich seit einigen Monaten im Hause Pape alles um die Kunst des Kaffeeröstens. Der intensive Duft frisch gerösteten und gemahlenem Kaffee liegt in der Luft. Neben einer Röstmaschine stehen die fertig veredelten Kaffeesorten. »Dazu haben wir natürlich nur echte Gewürze verwendet«, erklärt Frank Pape. Doch bevor die fertigen Produkte so vor ihnen stehen konnten, haben die Papes etwa 40.000 Euro in die »Familienrösterei« investiert, in zwei Kaffeeröster-Maschinen, Rohstoffe und natürlich die Ausbildung. »In den vergangenen drei Monaten haben wir einen Crashkurs in Kaffeeherstellung gemacht«, erklärt Viola Schmidt, die Tochter von Frank und Nicole Pape.

»Wenn alles gut läuft, gehen zwei Drittel des Gewinns an den Verein. Das ist unser Ziel«, sagt Frank Pape. Das restliche Drittel diene zur Deckung der Kosten.

Im Online-Shop gibt es Fair-Trade-Kaffee

»Dafür brauchen wir aber einen guten Kaffee.« Im Laufe der Recherchen sei ihnen erst bewusst geworden, was alles dazu gehört. Die richtige Sorte sei entscheidend. Die Familie Pape verwendet fast ausschließlich Arabica-Bohnen. Diese seien milder im Geschmack, könnten aber nur mit der Hand geerntet werden, da sie in höheren Lagen wachsen würden. Zudem bezieht die Familie die Bohnen von einem Fair-Trade-Netzwerk, den »Cooperativas sin fronteras« (Kooperativen ohne Grenzen). Zum Verkauf werde der Kaffee zum Teil noch mit Gewürzen wie Vanille, Kardamom, Kakao, Zimt oder auch mal mit Chili veredelt. Eine neue Website samt Online-Shop musste her, ein neues Design, Preise mussten kalkuliert werden (250 Gramm liegen bei 8,90 Euro). »Davon kommt bei den Erzeugern wirklich etwas an«, sagt Pape. Der Preis entspreche 15 Cent pro Tasse, Kapsel-Kaffee kosten dagegen laut Pape 80 bis 120 Cent. »Da sagt auch niemand, dass es zu teuer ist.«

Zielvorgabe: 5000 Kaffeetrinker

»Unser Ziel ist es, 5000 Kaffeetrinker davon zu überzeugen, ihren Kaffee zu wechseln«, sagt Frank Pape. Um das Projekt an den Start zu bringen, veranstaltete die Familie Pape am vergangenen Samstag eine Kick-Off Veranstaltung im Steigenberger Hotel in Osnabrück. Ungefähr 30 Gäste kamen angereist, um mehr über das Projekt zu erfahren. Sie alle möchten die Familie Pape bei ihrem Vorhaben unterstützen und Kaffeebotschafter werden. Sie engagieren sich dafür, Kaffeekunden zu gewinnen. Belohnt werden die Botschafter mit Punkten, die sie später gegen kleine Geschenke einlösen oder als Spende dem Verein zukommen lassen können. Frank Pape ist es wichtig, dass die Kaffeekäufer sich als Partner und Unterstützer des Projektes »Ein Lächeln für dich« verstehen. Der Verein hat derzeit 133 Mitglieder. »Idealerweise soll jeder Partner einmal im Monat sein Kaffeepaket ins Haus geschickt bekommen«, erklärt er.

Unterstützung von der Bäckerei Schmidt

Ein neuer Sponsor konnte dank des neuen Kaffee-Projektes auch schon gewonnen werden. Die Bäckerei Schmidt mit Sitz im benachbarten Hedem kann den Kaffee zwar nicht verkaufen, da sie feste Partner hat. »Aber dafür schenkt Schmidt den ersten 500 Kunden einen fünf Euro-Gutschein«, erklärt Frank Pape. Die Ideen gehen der Familie Pape nicht aus. Wenn alles gut geht, wollen sie mit dem Gewinn ihr Hospitorium um ein neues Gästehaus erweitern, von derzeit sieben auf dann zehn Plätze. Frank Pape betont, das es ist kein Hospiz ist, »weil bei uns auch Menschen Zuflucht finden, die nicht sterben, sondern ein Refugium suchen, weil es ihnen aus ganz verschiedenen Gründen schlecht geht.« Die Ausbaukosten inklusive Begegnungscafé (auch für die Angehörigen) beziffert er auf 800.000 Euro. Natürlich in Getmold, wo auch die Kaffeerösterei noch weiter ausgebaut werden soll.

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