Mo., 10.02.2020

Feuerwehren waren gut vorbereitet – Stromausfall in Espelkamp „Sabine“ hinterlässt im Mühlenkreis geringen Schaden

In Lübbecke musste die Feuerwehr in der Nacht umgestürzte Bäume auf einigen Straßen entfernen.

In Lübbecke musste die Feuerwehr in der Nacht umgestürzte Bäume auf einigen Straßen entfernen. Foto: Feuerwehr Lübbecke

Von Freya Schlottmann, Felix Quebbemann, Michael Nichau und Dieter Wehbrink

Lübbecke (WB). Deutlich ruhiger als befürchtet hat sich Sturm „Sabine“ in der Nacht von Sonntag auf Montag im Mühlenkreis gezeigt. Die Feuerwehren der Gemeinden waren dennoch vorbereitet und haben allesamt sogenannte Einsatzleitungen vorgehalten. Viele Schulen blieben am Montag vorsichtshalber geschlossen.

Lübbecke

Als „sehr ruhig“ bezeichnete Mario Bringewatt, Chef der Lübbecker Feuerwehr, die Sturmnacht. „Wir waren gut vorbereitet und haben von 16 Uhr an eine Einsatzleitung eingesetzt“, sagte Bringewatt. Einsätze, die der Mindener Leitstelle aus dem Lübbecker Gebiet gemeldet wurden, habe die Feuerwehr in Lübbecke weitergeleitet bekommen und dann vor Ort koordiniert.

Wirklich häufig ausrücken mussten die Einsatzkräfte jedoch nicht. „Wir hatten nur drei Einsätze“, erklärte Mario Bringewatt. Dabei seien am Obermehner Weg, an der Moorbadstraße und in der Königsberger Straße jeweils Bäume umgekippt, die die Feuerwehrleute entfernen mussten. Aus Sicherheitsgründen wurde in Absprache mit der Gemeinde Hüllhorst vorsorglich die Schnathorster Straße/Bergstraße und die Kahle-Wart-Straße gesperrt. Letztere soll erst im Laufe des Dienstags wieder freigegeben werden.

„Wir standen auch permanent mit Meteorologe Friedrich Föst in Kontakt“, sagt der Feuerwehrchef aus Lübbecke. Sechs Feuerwehrleute haben die Einsatzleitung bis 1.45 Uhr am Montagmorgen aufrecht erhalten und die Kameraden der Löschzüge West, Ost und Mitte koordiniert. Danach sei nichts mehr gewesen, sagte Bringewatt.

Am Montagnachmittag mussten Wehrleute des Löschzuges Mitte dann doch noch einmal ausrücken. In der Gerichtsstraße hing eine Dachverkleidung gefährlich herunter und drohte auf die Straße zu stürzen. Mit einer Drehleiter entfernten die Feuerwehrkräfte kurzerhand das Blech. Die Gerichtsstraße wurde für die Einsatzdauer kurzzeitig gesperrt.

Espelkamp

Auch für die Espelkamper Wehr ist das Sturmtief weitgehend glimpflich verlaufen. Im Laufe des Sonntagabend habe es einige wenige wetterbedingten Einsätze durch umgestürzte Bäume gegeben, darunter einen am Hirschberger Weg, der gleich auf drei Pkw gestürzt war, teilte Feuerwehrleiter Volker Dau mit.

Etwas zeitaufwendiger gestaltete sich ein Einsatz bedingt durch den Stromausfall im Bereich Isenstedt und Frotheim. Der Energieversorger konnte zwar relativ schnell wieder die ausgefallene Versorgung wieder herstellen, allerdings gelang es nicht, einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Milchviehhaltung an der Niederwaldstraße wieder ans Netz zu bringen.

Der Landwirt sei laut Dau über mehrere Stunden von der Löschgruppe Isenstedt mit einem Notstromerzeuger unterstützt worden, damit er sein Melkrondell zum Melken der Kühe betreiben konnte. Die notwendige Leistung von etwa 40 kVA konnte die Feuerwehr allerdings nicht liefern. Es wurde ein anderer Landwirt mit einer mobilen Anlage mit 50 kVA Leistung zur Unterstützung gefunden.

Die Örtliche Einsatzleitung der Feuerwehr Espelkamp, die um 17 Uhr eingerichtet worden war, konnte bereits in der Nacht wieder aufgelöst werden.

Hüllhorst

„Ruhiger als erwartet“, gestaltete sich die Nacht in Hüllhorst laut Stefan Mehnert, Leiter der Hüllhorster Feuerwehr. Von 18 Uhr bis Mitternacht sei dort die Einsatzleitung besetzt gewesen. „Wir hatten nur drei Einsätze“, sagte Mehnert. Auch diese waren wegen umgestürzter Bäume ausgerufen worden. In Hüllhorst wurden die insgesamt 26 Einsatzkräfte zudem vom Deutschen Roten Kreuz Hüllhorst unterstützt.

Preußisch Oldendorf

In Preußisch Oldendorf sperrte die örtliche Feuerwehr unter der Leitung von Ralf Lohrie vorsorglich die Hansastraße zwischen Börninghausen und Rödinghausen. „Dort drohten Bäume auf die Straße zu stürzen“, erklärte der Feuerwehrleiter. Mitarbeiter der Forstbetriebe sollen bis Dienstag überprüfen, ob eventuell Bäume entfernt werden müssen. Zudem wurden die Markendorfer Straße und die Kellenbergstraße am Sonntagabend gesperrt.

Laut Ralf Lohrie mussten die 60 Kameraden zu etwa zehn Einsätzen ausrücken. Neben umgestürzten Bäumen drohte gegen 2.30 Uhr in Börninghausen ein Keller zu überfluten. „Der Sturm war aber nicht zu vergleichen mit Kyrill oder Friederike“, meinte Lohrie. Durch die Erfahrungen daraus sei die Feuerwehr auch routinierter in der Vorbereitung.

Rahden

Von einer „eher ruhigen“ Sturm-Nacht sprach auch Rahdens Wehrführer Mark Ruhnau. Es habe lediglich 13 Einsätze gegeben. In den Morgenstunden seien die Wehrleute noch zwei Mal ausgerückt. „Es handelte sich meist um große Äste oder Bäume, die Straßen blockiert hatten“, sagte Ruhnau. Schwerpunkt der Einsätze lag in Preußisch Ströhen. In Tonnenheide musste die Löschgruppe gar nicht ausrücken.

Stemwede

Insgesamt 85 Feuerwehrkameraden mussten dagegen zu 13 Einsätzen im Gebiet Stemwede ausrücken. Die Leitung der Örtlichen Einsatzleitung im Gerätehaus Twiehausen, die mit insgesamt sieben Kräften von 17.10 bis 1.20 Uhr besetzt war, hatte Wehrführer Joachim Lübke. Umgestürzte Bäume mussten die Feuerwehrleute vorwiegend beseitigen. Einige seien auch auf Telefonleitung gefallen, erklärte Lübke. Trotz der Einsätze sei es dennoch relativ ruhig gewesen, sagte Feuerwehr-Sprecher Torsten Fischer.

Obwohl der Dümmer im Winter wegen der rastenden Wasservögel nicht mit Booten befahren werden darf und auch das Surfen verboten ist, gingen am Sonntag ein Vater mit seinem erwachsenen Sohn auf das Wasser. Ihre Hoffnung, auf dem stürmischen See besonders gut surfen zu können, ging schief: Das Segel am Surfbrett riss und der Sohn fiel ins Wasser. Er kam bei dem Sturm und dem Wellengang nicht mehr aufs Brett. Weil er im See noch stehen konnte, rettete er sich an Land, kam aber wegen möglicher Unterkühlung vorsorglich ins Krankenhaus.

Video: Sturm Sabine über Ostwestfalen-Lippe

Bilanz der Polizei

Deutlich mehr Einsätze seien bis zum Montag dagegen bei der Polizeileitstelle in Minden eingegangen. Etwa 100 Notrufe, wovon 60 wetterbedingt waren, wurden angenommen. Vielfach hätten herabgestürzte Äste oder umgestürzte Bäume die Fahrbahnen blockiert, teilte die Polizei mit. Zudem habe es auch diverse umgewehte Verkehrszeichen oder Bauzäune und Baustellenabsperrungen gegeben.

In der Innenstadt von Minden lösten sich laut der Polizei vom Baugerüst der Rathausbaustelle diverse Teile und in der Obermarktstraße fielen Ziegel vom Dach. In der Moltkestraße kippte sogar ein komplettes Baugerüst um. In Dankersen flog zudem ein ungesichertes Trampolin durch die Luft.

Das sind die Einsatzzahlen des Kreises Minden-Lübbecke:

Minden 35

Bad Oeynhausen 21

Porta Westfalica 19

Lübbecke 5

Petershagen 20

Stemwede 7

Hille 11

Hüllhorst 4

Rahden 15

Preußisch Oldendorf 6

Espelkamp 7

Einsätze insgesamt 150

 

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