Arzt, Schauspieler und Autor Joe Bausch liest aus seinem Buch „Gangsterblues“
Auf du und du mit Diamantenpaule

Preußisch Oldendorf (WB). Joe Bausch hat sie, diese besondere Bühnenpräsenz. Zusammen mit seinen Geschichten über Mörder, Betrüger und andere kriminelle Schwergewichte bringt er eine Mischung aufs Podium, die Gäste zu begeisterten und staunenden Zuhörern werden lässt. So auch während der Lesung aus „Gangsterblues“, die der Verein für Kultur und Kommunikation in Preußisch Oldendorf am Sonntag veranstaltet hat .

Dienstag, 03.03.2020, 09:06 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 16:40 Uhr
„Psychopaten rollen nicht mit den Augen“ und „Irgendwann ist kein Sprechen mehr“: Joe Bausch, de mit vollständigem Namen Hermann Joseph Bausch-Hölterhoff heißt, hat in seiner markanten Art vom Alltag in der JVA Werl erzählt. Foto: Silke Birkemeyer
„Psychopaten rollen nicht mit den Augen“ und „Irgendwann ist kein Sprechen mehr“: Joe Bausch, de mit vollständigem Namen Hermann Joseph Bausch-Hölterhoff heißt, hat in seiner markanten Art vom Alltag in der JVA Werl erzählt. Foto: Silke Birkemeyer

Für Rap sei er zu alt, darum sei es ein Blues geworden, ein Gangsterblues. Der Titel zu seinem zweiten Buch hält, was er verspricht. Es sind außergewöhnliche Geschichten von Menschen, die Joe Bausch während seiner Zeit als Arzt im Hochsicherheitsgefängnis in Werl kennengelernt hat. Der 66-Jährige ist nicht nur Arzt, sondern auch Schauspieler, Autor und vor allem ein großartiger Erzähler mit einem besonderen Gespür für das Tempo. Blues eben.

In den vergangenen 15 Jahren habe er keine Talk-Show ausgelassen – häufig als Experte nach schrecklichen Ereignissen wie einer Geiselnahme oder anderen kriminellen Übergriffen. „Ich nehme mir die Zeit hinzugehen, damit wenigstens ein Sachverständiger dabei ist.“ Das ist seine Art von Humor; trocken, unprätentiös und fesselnd. Über 20 Minuten nimmt er die Zuhörer in der gefüllten Aula mit auf eine Gedankenreise in die Arbeit eines Anstaltsarztes. Aus seinen Alltagserzählungen, die er lässig und locker vom Bühnenrand in die Menge spricht, wird dann für kurze Zeit eine Geschichte aus seinem Buch.

Keine unappetitlichen Details

Er verzichtet sowohl beim Vorlesen wie beim Erzählen auf unappetitliche Details. Die Zuschauer haben Krimierfahrung, Fantasie und brauchen die blutigen Facetten nicht, um sich die Abgründe vorzustellen, die Bausch tagtäglich vor Augen hat. Sie sind gespannt auf das, was er aus seiner Gedankenwelt berichtet. Und das ist eine Menge. „Ich kann alles, außer kurz. Das werden Sie auch noch merken“, gibt er zu Beginn zu bedenken. 15 oder 17 gute Sätze könne man in einer Talkshow unterbringen, mit etwas Übung sogar 22, scherzt er. Am Sonntag hat er viel Sätze parat über seinen Werdegang („ich wollte Urologe werden – wenig Organ, viel Geld“), seine Begegnungen mit den RAF-Terroristen der zweiten Generation oder KZ-Verbrechern. Urologe sei er auch nach sechs Jahren in Werl nicht gewesen, aber er habe das Gefühl gehabt, angekommen zu sein.

„Gangsterblues“ sei ein Buch mit fiktionalen Geschichten – anders sei es nicht möglich, denn als Arzt unterliege man der Schweigepflicht. Trotzdem hat es Protagonisten wie Diamantenpaule, Ralle oder Udo W. gegeben. Sie und viele andere finden sich wieder in den zwölf Titeln wie „Sixpacks“, „Mörderkind“ oder „Altes Eisen“. Es sind Geschichten über Einsamkeit und Reue, unglückliche Liebe, Wut, Abgründe und Todesangst. „Das Böse ist banal“, bringt es Joe Bausch auf den Punkt. Ihn habe immer interessiert, was die Leute böse macht, wie aus einem Mensch ein psychopathisch-narzisstischer Täter wird oder aus einem ambitionierten Fußballtalent ein Mörder.

Schluss ist kurz vor dem Tatort

Die Zuschauer hängen an seinen Lippen, und die Stille im Raum wird nur durch kurze Applausphasen durchbrochen, wenn Bausch mal wieder „einen raushaut“. Die Neun-Millimeter-Scheckkarte sorgt ebenso für Heiterkeit wie seine Beschreibungen von Einbrechern, die er Spezialisten für Mobilität und Logistik nennt. Kein Wunder, dass es an diesem Abend Wiederholungstäter gibt, wie Inge Langkabel. Sie erlebt Bausch zum dritten Mal und ist fasziniert davon, wie der Arzt das Gehörte analysiert und mit den Geschichten umgeht. Mit einem lang anhaltenden Applaus verabschiedet sich der Profi gekonnt um 20.12 Uhr. Es sei schließlich gleich Tatortzeit. Für die Zukunft verspricht er weitere Bücher. „Ich muss nicht mehr in den Knast. Ich kann jetzt schneller schreiben“, verspricht er den Gästen zum Schluss. Viele werden gespannt auf den nächsten literarischen Coup warten.

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