Pädagoginnen Ines Hellberg und Anja Vehling berichten über ihre Erfahrungen mit Homeschooling
Unterricht in Corona-Zeiten: Lehrer aus Preußisch Oldendorf ziehen erstes Fazit

Preußisch Oldendorf (WB). Durch die Corona-Pandemie hat sich auch der Schulalltag schlagartig verändert. Nach dem Lockdown Ende März wurden Institutionen und Lehrkräfte vor neue Herausforderungen gestellt. Schnelle, innovative Lösungen für ein digitales Lernkonzept mussten her. Ines Hellberg, EDV- und Medienkoordinatorin der Sekundarschule, und Anja Vehling, Leiterin der Musikschule Preußisch Oldendorf, berichten über ihre Erfahrungen mit Homeschooling.

Donnerstag, 28.05.2020, 07:00 Uhr
Ines Hellberg sitzt in einem der gut ausgestatteten PC-Räume der Sekundarschule. Da noch nicht alle Schüler wieder zum Unterricht zugelassen sind, bleiben viele Stühle weiterhin leer. Foto: Eva Rahe
Ines Hellberg sitzt in einem der gut ausgestatteten PC-Räume der Sekundarschule. Da noch nicht alle Schüler wieder zum Unterricht zugelassen sind, bleiben viele Stühle weiterhin leer. Foto: Eva Rahe

Hausaufgaben auch am Handy abrufbar

Seit dem Lockdown sind Tablet, Laptop und Co. das neue Mittel der Wahl, mit dem Ines Hellberg ihre Schüler unterrichtet. Diese Form des Unterrichts habe allerdings Grenzen, erklärt sie. „Damit Homeschooling funktioniert, müssen bestimmte Dinge vorausgesetzt werden“, so die EDV-Beauftragte der Sekundarschule. So müsse zum Beispiel jeder Schüler ein eigenes Endgerät haben, mit dem er zu Hause arbeiten könne. Wieso dies oft nicht der Fall sei, dafür gebe es ganz unterschiedliche Gründe. Wenn Eltern ein Gerät fürs Homeoffice nutzten, dann kämen die Kinder nicht zum Zuge. So würden Hausaufgaben nicht selten am Smartphone erledigt, was keine ideale Lösung sei. „Wir sind als Schule gut ausgestattet, aber auf der anderen Seite gibt es große Probleme.“

„Kalt Erwischt worden“

Des Weiteren scheitert der Online-Unterricht oft an der Qualität des Internets. „Direkter Unterricht oder das Verschicken von Videos als Unterrichtsmaterial wird dann schwierig, wenn die Übertragung schlecht ist oder immer wieder abbricht.“ Aus diesem Grund liegen alle Unterrichtsmaterialen zusätzlich im Sekretariat zur Abholung bereit. Bei Videokonferenzen seien nie alle Schüler einer Klasse oder eines Fachs gleichzeitig anwesend. Deshalb könne man keine Anwesenheitspflicht voraussetzen.

Musikschulleiterin Anja Vehling freut sich sehr, dass im Bürgerhaus in Preußisch Oldendorf wieder Unterricht stattfinden darf. Sie legt Wert auf direkten Kontakt zu ihren Schülern

Musikschulleiterin Anja Vehling freut sich sehr, dass im Bürgerhaus in Preußisch Oldendorf wieder Unterricht stattfinden darf. Sie legt Wert auf direkten Kontakt zu ihren Schülern Foto: Eva Rahe

„Wir sind in dieser Situation kalt erwischt worden“, fährt Ines Hellberg fort. Trotzdem ist sie froh, dass der Lockdown nicht schon vor zwei Jahren passiert ist. „Dann hätten wir alle Materialen ausgedruckt vorlegen und den Unterricht per Telefon gestalten müssen“, erklärt sie. Um zu schauen, was man aus der Situation lernen kann, hat Jana thor Straten, die didaktische Leiterin der Sekundarschule, eine Evaluation ausgearbeitet mit Fragen zu Art und Durchführung des Homeschoolings. Diese werden Schülern, Eltern und Lehrern vorgelegt. Daraus erhoffen sich die Initiatoren der Studie Antworten und Lösungen für den weiteren Verlauf.

Aber die Kommunikation über den digitalen Äther hat noch einen weiteren entscheidenden Nachteil. Es sei einfach nicht das gleiche, jemanden über ein digitales Medium zu unterrichten oder direkten Kontakt zum Schüler zu haben. „Unterricht lebt von direkter Kommunikation“, erklärt Ines Hellberg. Zu erkennen, ob ein Schüler mitkommt oder eine Frage hat, das gehe am besten von Angesicht zu Angesicht. Zudem fänden Sozialisationsprozesse immer in der Gruppe statt. Diese seien in den vergangenen Wochen komplett weggefallen. „Man hofft, dass es auch digital funktioniert, aber die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich.“

Probleme gibt es bei der Übertragung

Auch Anja Vehling hat die Erfahrung gemacht, dass Online-Unterricht den direkten Kontakt zum Schüler nicht ersetzen kann. Sie leitet die Musikschule Preußisch Oldendorf und unterrichtet hier selbst die Fächer Klarinette und Saxophon. Die Probleme lägen vor allem in der Übertragung, erklärt sie. Zum einen würden sich manche Instrumente rein technisch besser für eine elektronische Übertragung eignen als andere. Dann käme es aber auch immer auf die Ausstattung der einzelnen Schüler an. Genau wie beim Schulunterricht spielten hier die vorhandenen Geräte und die Übertragungsgeschwindigkeit eine große Rolle. Beim Musikunterricht sei das Vorspielen das A und O, und wenn die Übertragung schlecht sei, könne die musikalische und klangliche Qualität nicht beurteilt werden.

„Für mich ist Online-Unterricht überhaupt keine adäquate Alternative“, sagt Anja Vehling weiter. Neben einer schlechten Internetverbindung und dem Umgang mit den vorhandenen Medien ginge es vor allem darum, dem Schüler Hilfestellung zu geben und Fehler zu korrigieren. Da sei der direkte Kontakt oft unumgänglich. „Grade junge, ungeübte Schüler zu unterrichten ist teilweise überhaupt nicht zu schaffen“, erklärt sie. Das fange beim Stimmen der Instrumente an und höre bei der Korrektur der Köperhaltung noch lange nicht auf.

„Nur eine Notlösung“

Für Anja Vehling ist der Online-Unterricht nur eine Notlösung, um den Kontakt zu den Schülern aufrecht zu erhalten. „Es entsteht doch noch etwas zwischen den Tönen. Kommunikation und mitein­ander zu spielen, eine Verbindung aufzubauen, menschliche Nähe.“ So sei zum Beispiel das Zusammenspiel, das gemeinsame Musizieren nur im Präsenz-Unterricht möglich, da es Online immer eine Zeitverzögerung gebe. Sie freut sich, dass der reguläre Unterricht in der Instrumentalausbildung nun wieder starten konnte. Natürlich mit allen Vorsichtsmaßnahmen, die es zu bedenken gebe.

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