Beschluss im Rat: Große Mehrheit unterstützt die Aktion
Stadt setzt auf „Fairtrade“

Preußisch Oldendorf (WB). Die Stadt Preußisch Oldendorf beteiligt sich zunächst für zwei Jahre an der internationalen Kampagne „Fairtrade Towns“. Das hat der Rat in seiner Sitzung am Mittwochabend in der Aula der Sekundarschule mit großer Mehrheit entschieden. An die Verwaltung erging der Auftrag, alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege zu leiten. Dem Beschluss ging allerdings eine längere Diskussion voraus; vier Ratsmitglieder stimmten dagegen, es gab eine Enthaltung.

Donnerstag, 18.06.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 20:54 Uhr
Fairtrade-Produkte sind seit vielen Jahren im Handel erhältlich. Eine Kommune kann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllt, das Siegel „Fairtrade Town“ bekommen. Dieser Initiative will sich jetzt auch die Stadt Preußisch Oldendorf anschließen. Foto: dpa
Fairtrade-Produkte sind seit vielen Jahren im Handel erhältlich. Eine Kommune kann, wenn sie gewisse Kriterien erfüllt, das Siegel „Fairtrade Town“ bekommen. Dieser Initiative will sich jetzt auch die Stadt Preußisch Oldendorf anschließen. Foto: dpa

Andrea Kneller aus der Verwaltung erläuterte den Kommunalpolitikern, dass fünf Kriterien erfüllt sein müssen, damit Preußisch Oldendorf den Titel „Fairtrade Town“ nutzen kann. So muss die Stadt sich verpflichten, bei eigenen Veranstaltungen oder anderen Gelegenheiten fair gehandelte Produkte einzusetzen, zum Beispiel Kaffee. Mindestens vier Einzelhandelsgeschäfte und zwei Gastronomiebetriebe müssen vor Ort entsprechende Waren anbieten. Bei den Supermärkten sei das gar kein Problem, weil es zum Beispiel bei Aldi oder Rossmann längst fair gehandelte Produkte in den Auslagen gebe.

Wir können alle Kriterien gut erfüllen.

Andrea Kneller (Verwaltung Preußisch Oldendorf)

Gleichzeitig müssen sich mindestens eine Schule, ein Verein und eine Kirchengemeinde bereit erklären, bei der Aktion mitzumachen und auch Informationsveranstaltungen anzubieten, zum Beispiel eine Arbeitsgemeinschaft in einer Schule. Mindestens vier Medienberichte pro Jahr sind gefordert, um den „Fairtrade“-Gedanken populärer zu machen. Schließlich ist es nötig, eine lokale Steuerungsgruppe zu bilden, die auf dem Weg zur „Fairtrade Town“ die Aktivitäten koordiniert. Sie muss aus mindestens drei Personen bestehen. Für die Verwaltung werde Andrea Kneller an der Vorbereitung beteiligt sein, ergänzte Bürgermeister Marko Steiner während der Ratssitzung, es sei aber nicht zwingend notwendig, dass sie auch der Steuerungsgruppe angehöre. Kneller berichtete von guten Erfahrungen in Hüllhorst, dort sei die Gruppe sehr viel umfangreicher als die Mindestgröße und arbeite sehr eigenständig. Ihr Fazit zum Ende ihrer Erläuterungen: „Wir können alle Kriterien gut erfüllen.“

Wir drängen die Leute dazu, höherpreisige Produkte kaufen zu müssen!

Dr. Holger Petersmann (UEB-Fraktion)

Es waren in der anschließenden Diskussion vor allem die Kritiker, die sich zu Wort meldeten. Er halte das für „reine Symbolpolitik“, erklärte Rolf-Dieter Schütte (CDU), der ankündigte, im Gegensatz zu seiner Fraktion nicht für das Projekt stimmen zu wollen. Vor allem in der UEB-Fraktion mochte man sich mit dem Thema nicht anfreunden. „Wir drängen die Leute dazu, höherpreisige Produkte kaufen zu müssen“, stellte Dr. Holger Petersmann fest. Günstigere Artikel würden dadurch verdrängt. Bernd Lömker hob hervor, er sei grundsätzlich gegen eine Idee, die ihn zu etwas verpflichte. Besser sei es, auf Freiwilligkeit zu setzen.

Jeder Bürger hat auch weiterhin die freie Wahl, was er kaufen will.

Hannelore Lösche (Bündnis90/Die Grünen)

Hannelore Lösche von den Bündnisgrünen, die den ursprünglichen Antrag schon vor weit mehr als einem Jahr gestellt hatten, betonte dagegen: „Jeder Bürger hat auch weiterhin die freie Wahl, was er kaufen will.“ Bürgermeister Marko Steiner erklärte, alles beruhe auf Freiwilligkeit. Niemand werde gezwungen, Fairtrade-Produkte zu nehmen: „Wenn zum Beispiel keine unserer Schulen teilnehmen will, dann bekommen wir das Siegel eben nicht.“

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